Uerdingens Roberto Rodriguez: "Wir gehen mit Rückenwind in das Spiel"

Uerdingens Roberto Rodriguez : "Wir gehen mit Rückenwind in das Spiel"

Roberto Rodriguez gehört in dieser Saison zu den unermüdlichen Antreibern des KFC in der Dritten Liga. Von der Außenbahn ins Offensivzentrum gewechselt, verbuchte der 29-Jährige bereits zwei Tore und drei Vorlagen in dieser Saison. Mit dem Stadionmagazin "neunzehn05" spricht der sympathische Schweizer über seine Führungsrolle, Liebe zum Kaffee und was sein Team gegen Mannheim erwartet.

Wie war die Woche für Euch, nach dem wichtigen Sieg in Zwickau?

Roberto Rodriguez: „Wir hatten gute Laune, denn der Sieg in Zwickau war ein bisschen, man könnte fast sagen, wie eine Erlösung für uns. Wir haben auch in den letzten Wochen oft gut gespielt, aber die Resultate waren einfach nicht da.

War das der nötige Befreiungsschlag?

Ich gehe stark davon aus. Wir müssen natürlich weiter hart arbeiten. Aber man konnte nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine und auf der Rückfahrt merken, wie gut der Sieg getan hat. Es ist eine Last abgefallen.

Du bist seit dem Winter beim KFC, mit 29 Jahren einer der Führungsspieler. War das auch der Anspruch mit dem Du nach Uerdingen gewechselt bist?

Foto: Revierfoto

Ja, das kann man so sagen. Das ist immer mein Anspruch. Natürlich bringe ich mittlerweile eine gewisse Erfahrung mit, aber das war auch schon vorher so. Nicht nur auf dem Fußballplatz, auch im Privatleben bin ich jemand, der immer Verantwortung übernimmt.

Am Anfang haben einige Fans gedacht: da kommt jetzt so ein Schönwetterspieler, der ein bisschen in der 3. Liga zaubern will. Bekommen hat der KFC aber einen bissigen und leidenschaftlichen Offensivspieler. Siehst Du das auch so?

Das kann ich nur bestätigen. Diesen Gedanken, hier ein bisschen zaubern zu wollen hatte ich nie. Ich bin ein Spieler, der immer mit ganzer Leidenschaft in die Spiele geht. Ich bin viel unterwegs auf dem Platz, versuche meine Stärken zu nutzen. Das sieht man auch an meinen Torbeteiligungen. Ich versuche immer meine Mitspieler einzusetzen.

Also kam Dir der Wechsel von der Außenbahn in die Mitte entgegen?

Absolut, dort kann ich mich ganz entfalten, habe viele Freiheiten. Das passt genau zu meiner Spielweise und zu meiner Technik.

Apropos Leidenschaft: In Zwickau hast du nach drei Minuten schon die erste Diskussion mit dem Schiedsrichter geführt. Suchst Du diese Konfrontationen?

Nein, ich stelle mich nicht hin und sage: „Oh, heute muss ich aber mal mit dem Schiedsrichter diskutieren.“ Das kommt von selbst, ich rege mich eben über einige Entscheidungen auf. Und manchmal ist das eben noch mal ein Zeichen an die Mitspieler, ich möchte da noch einmal einen Ruck geben.

Ist der Roberto Rodriguez auf dem Platz denn der gleiche Mensch, wie der Roberto Rodriguez neben dem Platz?

Nein, neben dem Platz im Privatleben bin ich das völlige Gegenteil. Ich bin ein ruhiger Mensch, ein Familienmensch, ich muss auch nicht in der Kabine rumschreien oder so. Zu Hause ist zum Beispiel eher meine Frau etwas temperamentvoller.

Du bezeichnest Dich als Familienmensch. Gibt es denn mit der Familie feste Rituale? Wie oft seht ihr Euch?

Wir haben eine große Familie und es ist einfach immer schön, wenn wir alle zusammenkommen. Aber hier in Deutschland bin ich mit meiner Frau und unseren Zwillingen ja fast alleine, nur die Schwester meiner Frau wohnt mit ihrem Mann in unserer Nähe. Ich versuche so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen, vor allem mit meinen Kindern. Die sind beide 20 Monate alt und die ersten drei bis vier Jahre sind einfach so wichtig für die Entwicklung. Diese Zeit möchte ich genießen.

Zu Deiner Geselligkeit passt dann ja auch wunderbar die Liebe zum Kaffee, oder?

Natürlich (lacht). Das hat sich so ergeben, aber ich brauche täglich zwei bis dreimal diese kurze Auszeit mit einem Kaffee, einem Espresso oder Capuccino. Wenn ich irgendwohin komme, dann gehe ich auch immer auf die Suche nach dem besten Café. Da kann man wunderbar abschalten. Aber irgendwann lege ich mir auch selber mal eine richtige Maschine zu.

Zu Deinen beiden Brüdern Ricardo und Francisco, ebenfalls Fußballer, hat Du ein enges Verhältnis. Sind sie auch besonders kritisch, was Deine Leistungen angeht?

Klar sprechen wir auch über Fußball, aber nicht so intensiv. Wir reden über alles Mögliche. Meine Brüder und ich haben unsere Erfahrungen gemacht und werden jeden Tag mit Fußball konfrontiert, da tut es auch mal gut zwischendurch abschalten zu können. Abwechslung ist enorm wichtig.

Ihr seid die Söhne eines spanischen Gastarbeiters und einer chilenischen Mutter. Zusammen habt ihr ein Buch zum Thema Integration herausgegeben. Wie kam es dazu und worum geht es?

Als so genannte „Secondos“, also Kinder von Einwanderern, die selbst Schweizer Staatsbürger sind, mit solchen Karrieren haben wir natürlich viel Aufmerksamkeit bekommen, man kennt uns in der Schweiz. Sportjournalist Thomas Renggli, der auch das Buch über Sepp Blatter geschrieben hat, ist dann auf uns zugekommen. Es geht um unsere Lebensgeschichte und eben auch das damit verbundene Thema Integration. Nach einem Schicksalsschlag innerhalb der Familie wurde in der Presse viel geschrieben, da wollten wir einen Cut machen. Es ist einfach nicht selbstverständlich, dass drei Brüder mit diesem Hintergrund solche Karrieren einschlagen konnten. Wir hatten zwar eine sehr schöne, aber absolut keine einfache Kindheit.

Hast Du selber auf oder neben dem Platz als „Secondo“ mit Diskriminierung oder Rassismus zu tun gehabt?

Nein, das zum Glück nie. Wir sind in Zürich in einem, bei uns sagt man „Quartier“, aufgewachsen, in dem es einen großen Zusammenhalt gab, in dem ein familiärer Umgang miteinander gepflegt wurde, in dem aber auch die Kriminalitätsrate hoch war. Bis heute haben wir regelmäßigen Kontakt zu den Menschen, die uns „begleitet“ haben. Nicht umsonst haben wir auch in diesem Viertel in unserer alten Schule unser Buch vorgestellt.

Was hat Euch die Integration damals erleichtert?

Wir hatten das Glück in diesem Umfeld zu leben, in dem jeder ein Auge auf den anderen hatte. Es gab Hilfe von allen Seiten.

Montag steht das Spiel gegen Waldhof Mannheim an. Aufgrund der jüngeren Vergangenheit eine besondere Konstellation. Was weißt Du über dieses Duell?

Einige Leute haben mir über dieses Duell in der Relegation erzählt, dass das Spiel kurz vor dem Abbruch stand zum Beispiel und das es für einige eine besondere Situation ist. Aber deswegen gehe ich jetzt nicht anders in das Spiel, als in andere Partien.

Mannheim hat nach 29 Spielen wieder verloren, ihr nach sechs sieglosen Spielen gewonnen. Startet ihr jetzt eine Serie?

Wenn man es nur aus dieser Perspektive sieht, könnte man das vermuten. Das würde ich mir natürlich wünschen. Aber Fußball ist unberechenbar und ich verlasse mich ungern auf Statistiken. Aber klar ist, dass wir von der Qualität her besser aufgestellt sind und mit Rückenwind in das Spiel gehen. Aber wir müssen das Zwickau-Spiel bestätigen und erst mal gewinnen.

Wie geht das Spiel aus?

Ich tippe auf ein 2:0 für uns.

(P.R.)