1. Moers Niederrhein

Skandal-Roman auf der Bühne: Jeder hat seine Vorstellung von Lolita

Skandal-Roman auf der Bühne : Jeder hat seine Vorstellung von Lolita

Am Freitag, 28. April, erlebt „Lolita – ein Drehbuch von Vladimir Nabokov“ seine Premiere im Schlosstheater Moers. Es ist Zeit für eine neue Perspektive auf den Mythos.

Moby Dick, der Glöckner von Notre Dame, die drei Musketiere - Romane oder vielmehr ihre Helden sind berühmt, wenn man sie kennt, auch ohne das Buch gelesen zu haben. Erst recht: Lolita. „Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta“, lässt Vladimir Nabokov den inhaftierten Humbert Humbert seine Erinnerung beginnen. Der lernt Lolita als Zwölfjährige kennen, heiratet ihre Mutter, die tödlich verunglückt, worauf Humbert Humbert mit Lolita abhaut, um sich ungestört an ihr vergreifen zu können. Wobei er (und vermutlich nicht wenige mit ihm) davon überzeugt ist, dass sie ihn verführt hat. „Lolita ist berühmt, nicht ich“, hat Nabokov später gesagt.

Zweimal ist der Roman verfilmt worden. Für die Verfilmung 1962 hat Nabokov selbst das Drehbuch geschrieben, das Regisseur Stanley Kubrick aber gar nicht benutzte, wie Schlosstheater-Dramaturgin Sandra Höhne sagt. Aber die Schlosstheaterinszenierung wird das Drehbuch nutzen. Auch deshalb, weil das Drehbuch natürgemäß nicht aus der Ich-Perspektive erzählt ist. „Weil wir keinen Achteinhalb-Stunden-Theaterabend machen wollten, haben wir gekürzt“, sagt Leander Ripchinsky, der das Stück zusammen mit Susanne Zaun inszeniert. „Es sind Sprünge drin, aber man kann die Handlung nachvollziehen.“

Vorab wird das Publikum gefragt: Welche Vorstellungen habt Ihr von Lolita? Wer ist Lolita für Euch? „Es wird aber kein Mitmachtheater, keine Angst“, gibt Sandra Höhne Entwarnung, niemand muss sich vorbereiten (obwohl sich die Lektüre eines der am besten geschriebenen Romane des 20. Jahrhunderts natürlich immer lohnt). Wir sind ja vorbereitet, jeder hat seine Lolita im Kopf.

Und Jede. Bisher nämlich - im Roman selbst wie auch in den Verfilmungen - wurde Lolita immer von Männern erzählt. Was, wenn Lolita selbst erzählen könnte? Wenn Nabokov sie nicht mit 18 hätte sterben lassen, sie als Erwachsene auf ihre Geschichte, auf den Kindesmißbrauch blicken könnte? Joanne Gläsel, Matthias Heße und Emily Klinge spielen Instagram-Influencer, Pop-Star und „Baby Jane“ und dann alle Lolita. „Wie bekommen wir eine andere Perspektive, wenn nur eine Version überliefert ist“, beschreibt Leander Ripchinsky die Herangehensweise, in der sich die verschachtelte bzw. absichtsvoll unzuverlässige Erzählweise des Romans quasi spiegelt. „Wir haben festgestellt, dass wir sehr akribisch arbeiten“, berichtet Ripchinsky. „Am Ende einer Probe hieß es: Yeah, wieder 30 Sekunden geschafft!“ Aber es sollen ja auch keine acht Stunden werden.

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Lolita - Ein Drehbuch von Vladimir Nabokov, Premiere am 28. April um 19.30 Uhr im Schlosstheater Moers. Karten und weitere Termine:
schlosstheater-moers.de