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Duisburger Philharmoniker: Top-Klang auf Konserve

Duisburger Philharmoniker : Top-Klang auf Konserve

Auch in der größten Stadt am Niederrhein lag das Konzertleben in der Corona-Pandemie darnieder. Die Duisburger Philharmoniker haben das Beste draus gemacht: eine Schallplatte.

Eine „Landidylle mit schrägen Vögeln“ versprach das Programm des achten philharmonischen Konzerts 2020/21, der damalige Intendant Alfred Wendel hatte Werke mit kleiner Besetzung geplant, weil in der Vorwoche Wagners kompletter Ring auf dem Spielplan stand. Mit Justin Taylor konnte ein aufstrebendes Talent und einer der jetzt schon gefragtesten Cembalisten für Francis Poulencs „Concert champetre“ gewonnen werden – allein, das ländliche Konzert, es fand nicht statt, Corona ...

Solist Taylor aber war angereist, es wurde geprobt. „Aber nur proben kann man nicht“, so Wendel, „man braucht ein Ziel.“ Weshalb es statt zweier Konzertabende eben drei Tage mit Tonmeister Ralf Koschnicke gab. „Ein Glücksfall“ sei das für ihn gewesen, so Koschnicke, eine Aufnahme unter Live-Bedingungen, also mit Publikum, sei viel schwieriger, aber so hatten Musiker und Tontechniker die Mercatorhalle ganz für sich.

Die „teure Halle“

Und damit einen der besten Konzertsäle der Republik. Weltklassegeiger Frank Peter Zimmermann fühlt sich hier regelmäßig „wie im eigenen Wohnzimmer“ – da mag man noch einwenden: Klar, er ist ja auch Duisburger. Aber Alfred Wendel und sein Nachfolger Nils Szczepanski bekommen die Spitzenakustik in Duisburgs guter Stube regelmäßig von internationalen Gastdirigenten und -solisten bestätigt. „Präzise und doch zart“, findet etwa Stargeiger Daniel Hope, Bayreuth-Sängerin Anja Kampe lobte: „Es kommt viel vom Saal zurück, man hört sich selbst sehr gut“, als sie die „teure Halle“ zur Wiedereröffnung 2016 grüßte. Und Michael Tree vom Guarneri-Quartett hätte die Mercatorhalle am liebsten mit nach New York genommen. „Die Mercatorhalle hat eine super Akustik, aber sie hat auch sehr viel davon“, beschreibt Ralf Koschnicke die tontechnische Herausforderung, die bei der aktuellen Aufnahme noch dadurch gesteigert war, dass die Musiker coronabedingt nur mit großem Abstand zueinander auf der Bühne sitzen durften.

Hidden Champions

Herausforderung gemeistert, sagen Kritiker und Audiophile. Tatsächlich: Vom großen Abstand ist weder im samtweichen Zusammenklang noch in den filigranen Verästelungen etwas zu hören auf der beim Label Acousence erschienen Aufnahme. Weshalb Wendel und Szczepanski das frisch gepresste Meisterwerk Anfang des Jahres in einem ganz besonderen Rahmen vorstellten: bei Krohne Messtechnik, einem der „Hidden Champions“ vom Niederrhein, sprich einem in seinem Segment weltmarktführenden Mittelständler. Inhaber Michael Rademacher-Dubbick ist einer der bedeutendsten Förderer der Philharmoniker und hat sich mit dem Auditorium am Duisburger Firmensitz „einen Traum erfüllt“: Hyperion-Lautsprecher mit Ionen-Hochtönern und hypersphärischen Breitband-Horn-Systemen, ein oberklassiger, resonanzoptimierter Plattenspieler – gebaut und zusammengestellt von einer Duisburger Audio-Manufaktur, die für Musikliebhaber in der ganzen Welt Anlagen herstellt und hier inklusive Akustikdecke wohl einen höheren sechsstelligen Betrag nahe an der Million verbaut hat, wie Firmenchef Alfred Rudolph andeutet – immer im Dienst möglichst authentischer, detail- und nuancenreicher Hörerlebnisse!

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Aber auch auf dem heimischen 80er-Jahre-Dual-Plattenspieler klingt die Aufnahme ganz ausgezeichnet. In Poulencs neobarockem ländlichen Konzert tanzt das Soloinstrument makellos-präzise über die philharmonische Blumenwiese. Mit „Un petit rien‘“, einem kleinen Nichts von Bernd Alois Zimmermann – Untertitel: „Musique légére, lunaire et ornithologique“ – weist die B-Seite außerdem eine absolute – und absolut witzige – Rarität auf, bei der die Duisburger Philharmoniker und ihr Generalmusikdirektor Axel Kober lautmalerisch Gymnastik treiben, vom Erwachen der Schönen der Nacht bis zum Boogie-Woogie im Mondschein. Nichts, das ist bei den sieben Kurzstücken mit ihren Rhythmusverschiebungen und Überlappungen und eigentlich immer entscheidend, geht verloren. Einziger Grund, sich gegen die Schallplatte zu entscheiden, ist, dass auf der CD auch noch Platz für das dritte Stück des Programms ist, Franz Schrekers Kammersinfonie in einem Satz. Der einst erfolgreiche Opernkomponist übertrug hier seine spätromantische Klangsprache, mit vielen expressionistischen Einsprengseln und filigranen Farbtupfern versehen, auf ein kleines Ensemble – und die Duisburger Philharmoniker unter Axel Kober spielen das wirklich überwältigend.