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Krefeld: "Die Ukrainer sind hoch motiviert"

Wie Krefeld die Kriegsflüchtlinge aufnimmt : “Die Ukrainer sind hoch motiviert“

Ein Jahr währt der Krieg in der Ukraine. Rund 3600 Ukrainer sind seitdem nach Krefeld gekommen. Die Geflohenen werden mit Fingerabdrücken registriert, medizinisch untersucht und ans Jobcenter verwiesen. Wie sieht ihre Zukunft in der Seidenstadt aus?

„Sie sind hoch motiviert, kommen gut vorbereitet in die Gespräche“, zeigt sich Thomas Becker von den Geflüchteten aus der Ukraine beeindruckt. Der Leiter des Krefelder Jobcenters vermerkt besonders, dass 70 Prozent der Ukrainer, die nach Krefeld gekommen sind, einen hochwertigen Schulabschluss haben. „Das sind gute Voraussetzungen, eine Stelle zu finden.“ Schließich herrscht auch in Krefeld Arbeitskräftemangel. Problem bleibt natürlich die Sprache. Doch zwei Drittel der Ukrainer, die beim Jobcenter vorgesprochen haben, lernen  mittlerweile in Integrations- und Sprachkursen. 

Rund 2900 Ukrainer leben derzeit in Krefeld. Von ihnen sind 275 Personen in städtischen Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen untergebracht. Die übrigen Ukrainer haben in privaten Wohnungen Unterkunft gefunden. „Wir verzeichnen dabei ein großes bürgerschaftliches Engagement“, lobt Stadtdirektor Markus Schön.

Auch die Schulen leisten ihren Beitrag. Derzeit befinden sich 515 ukrainische Schüler in den hiesigen Klassen. Auch von den Kindern und Jugendlichen lässt sich sagen, dass sie sehr motiviert sind.

Im Moment kommen kaum noch weitere Flüchtlinge aus der Ukraine nach Krefeld. Das war zu Beginn des Krieges vor einem Jahr anders. „Vom ersten Kriegstag an stiegen die Zugänge rasant“, erinnert sich Andreas Pamp, Leiter des städtischen Fachbereichs Migration und Integration. Rund 3600 Ukrainer waren seit dem 24. Februar 2022 in die Seidenstadt gekommen. Turnhallen und Leichtbauhallen  mussten bereit gestellt werden.

Am meisten Probleme bereitete der Stadtverwaltung die gesetzlich vorgeschriebene Registrierung. Diese wird bei Flüchtlingen normalerweise vom Land NRW vorgenommen. Im Falle der Ukrainer aber wurde die Aufgabe an die Kommunen delegiert. „Wir mussten von jeder Person die Abdrücke aller zehn Finger vornehmen“, stöhnt Pamp noch im Nachhinein. Außerdem war ein Gesundheitscheck Vorschrift. Insbesondere hinsichtlich der Impfpflichten. Zuweilen mussten die Menschen auch in radiologische Praxen verwiesen werden. Da die Betroffenen oftmals diese akribische Vorsorge von zu Hause nicht kannten, mussten die städtischen Mitarbeiter manch Überzeugungsarbeit leisten.

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Wenn die Geflohenen registriert sind, werden sie zum Jobcenter verwiesen, wo sie ihre Lebensunterstützung erhalten und möglichst auch eine Perspektive für eine berufliche Zukunft. Stadtdirektor Schön zitiert eine Umfrage unter geflüchteten Ukrainern in Deutschland, dass ein Drittel von ihnen im Gastland bleiben möchte. Ein Drittel wolle auf jeden Fall zurück in die Heimat und ein weiteres Drittel sei unentschlossen.  

Schön freut sich insbesondere über die gute Zusammenarbeit der Stadt mit den Akteuren der Wohlfahrtsverbände. „Ohne Caritas, Diakonie und die anderen Akteure hätten wir die Aufgaben nicht gestemmt.“ 

Rund 20 Millonen Euro hat die Stadt Krefeld bisher die Aufnahme der Ukrainer gekostet. Geld, das sie von Land und Bund erstattet bekommen soll. Allerdings sind fünf Millionen noch nicht übernommen. Es hakt immer noch zwischen den Ebenen .