Villa Merländer ermutigt Ehrenamtler

Villa Merländer ermutigt Ehrenamtler : Weicher Generationswechsel

Die Villa Merländer gehört zu den wichtigsten Erinnerungsorten der Krefelder Bürgerschaft. Engagierte Ehrenamtler tragen seit Jahren zum Service für Publikum und Verein bei. Immer drängender stellt sich jetzt aber die Frage nach einem weichen Generationswechsel.

Annemarie Vössing erledigt für den Verein „Villa Merländer“ die Steueraufstellung. Das fällt der 70-Jährigen aufgrund ihrer Berufserfahrung als Bilanzbuchhalterin nicht schwer. Bezahlt wird sie für ihren Einsatz nicht. „Ich halte es für eine gewisse Bürgerpflicht, sich in diesem Verein zu engagieren“, begründet sie ihre Mitarbeit - die ihr Spaß macht.

Der Verein unterstützt die Dokumentationsstelle über die Verfolgung und Ermordung der Krefelder Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Aber auch Dokumente über das Erleben der Krefelder von Krieg, Vertreibung und Gefangenschaft werden gesammelt. Zur Dauerausstellung in der Villa Merländer an der Friedrich-Ebert-Straße 42, in der sich die Dokumentationsstelle befindet, gehört sogar ein nachgebauter Luftschutzbunker.

Sandra Franz, Leiterin der Doku-Einrichtung, freut sich sehr über die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter. Denn das Finanzbudget ist klein. „Leider haben wir ein gewisses Nachwuchsproblem“, wendet sie sich jetzt an die Öffentlichkeit.

Ehrenamtler sind heutzutage nicht mehr leicht zu bekommen. Und viele der seit Jahren engagierten Mitarbeiter sind inzwischen in vorgeschrittenem Alter und würden ihre Aufgaben gern in jüngere Hände legen.

„Es wäre schön, wenn sich auch jüngere Menschen bereit fänden, unsere Arbeit zu unterstützen“, wirbt Sandra Franz um weitere Ehrenamtler. Das würde zu einem „weichen Generationswechsel“ beitragen, bei dem die Jüngeren erst von den Älteren lernen und schließlich selbst deren Aufgaben übernehmen.

Wobei die Aufgaben gar nicht in „Arbeitsbelastung“ ausarten sollen. Ein junger Politikwissenschaftler hatte sich gemeldet, um eine Führung zu geschichtlich relevanten Örtlichkeiten zu organisieren. Gut 50 Interessenten hatten sich dazu eingefunden. Eine erst 15-jährige Schülerin kommt einmal die Woche vorbei und hilft in der Verwaltung mit. Eine Endzwanzigerin pflegt die Homepage.

Von der Erstellung der Mitgliederzeitung bis zur Aufstellung von Stühlen bei Vorträgen ist alles möglich und wichtig. Sandra Franz: „Wir haben für jede Form von Talent Verwendung“.

Die Villa Merländer ist nach ihrem ehemaligen Besitzer benannt, dem jüdischen Seidenhändler Richard Merländer. Er wurde von den Nazis verdrängt und schließlich ermordet. Seit 1991 befindet sich die NS-Dokustelle in diesem Haus. Die Ausstellung über das Schicksal Krefelder Juden sowie des Zweiten Weltkriegs ist mittwochs von 9 - 12 Uhr sowie jeden 4. Sonntag im Monat von 14 - 17 Uhr geöffnet. Künstlerische Highlights des Hauses sind zwei Wandgemälde des expressionistischen Malers Heinrich Campendonk, gebürtig in Krefeld.

www.villamerlaender.de

Wer sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit interessiert, kann sich bei Burghardt Ostrowski melden: Tel.: 02151 - 50 35 53, E-mail: b.ostrowski@krefeld.de

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