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Nachbildungen original mittelalterlicher Brillen auf Burg Linn

Mittelalter pur : Zum Kostüm die passende Brille

Eine originelle Spende hat das Museum Burg Linn erhalten. Die Nachbildung zweier original mittelalterlicher Brillen; gleich angepasst auf die Augen des Museumsführers.

Erinnern Sie sich noch an den „Namen der Rose“? Wie da die Menschen des Mittelalters staunten, als sich der Detektiv-Mönch auf einmal eine Brille auf die Nase setzte? Denn Brillen waren zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch weithin unbekannt. 

So ähnlich können künftig auch die Besucher des Museums Burg Linn staunen. Denn Museumspädagoge Boris Schuffels trägt jetzt bei seinen Mittelalter-Führungen nicht mehr nur ein altdeutsches Gewand, sondern auch eine originalgetreue Mittelalter-Brille. 

Zu verdanken ist das gute Stück dem Krefelder Optiker Georg Bruns, der in Linn wohnt und Geschäfte am Ostwall und in Hüls hat. „Ich stieß mich immer ein wenig daran, wenn bei der Darstellung historischer Persönlichkeiten moderne Brillen getragen wurden“, lacht der Fachmann. Deshalb fertigte er aus Freude an der Sache Nachbildungen alter preußischer Brillen für Schützenkönige oder Darsteller des alten Kurfürsten.

Boris Schuffels gehört zu seinen Kunden. Nachdem die Herren ins Gespräch gekommen waren, machte sich Bruns mit Unterstützung seines Azubis ans Werk, eine „Balkenbrille“ und eine „Nietbrille“ auf die Augenstärke Schuffels anzufertigen.

„Nietbrillen waren die ersten Brillen in Europa, die um das Jahr 1300 aufkamen“, erklärt Bruns. Sie wurden durch Nieten zusammengehalten und waren beweglich. Im 15. Jahrhundert kamen dann die Balkenbrillen auf, bei denen die Gläser in die Holzfassung eingelassen wurden.

Vorlage für Bruns Nachbildungen sind Abbildungen in Büchern des Mittelalters und ein Fund im Kloster Wienhausen von zwei Brillen des 14. Jahrhunderts. „Die Brillen damals waren alle Lesebrillen“, markiert Boris Schuffels den Unterschied zu unserer Gegenwart, in der es Brillen für alle möglichen Sichtweiten und Anlässe gibt.

Museumsdirektorin Dr. Jennifer Morscheiser freut sich über die originelle Spende: „Wir werden die beiden Nachbildungen in unserer Historischen Bibliothek ausstellen“. Bei Führungen wird Boris Schuffels sie dann an sich nehmen und aufsetzen. Passend zu seinem mittelalterlichen Gewand.

Übrigens: Das Museum Burg Linn ist von Dienstag, 16. März, an wieder geöffnet. Allerdings nur für angemeldete Besucher. Einen Besuchstermin kann man einfach online buchen unter:

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www.museumburglinn.de