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Krefeld.: „Wir brauchen eine Hauptschule“

Krefeld. : „Wir brauchen eine Hauptschule“

Kommunalwahl 2020: Der Extra-Tipp stellt die Spitzenkandidaten für das Amt des Krefelder Oberbürgermeisters vor. Treffpunkt ist der jeweilige Lieblingsort der Politiker. Heute: Joachim C. Heitmann (FDP).

Joachim C. Heitmann ist seinem Lieblingsplatz treu geblieben.

Schon im Wahljahr 2004 traf ihn der Extra-Tipp zum Gespräch über seine damalige OB-Kandidatur im Krefelder Zoo. „Hier habe ich schon als Kind gespielt”, deutet der abermalige Bewerber ums Amt des Krefelder Oberbürgermeisters auf den Spielplatz und nimmt unter den schattigen Bäumen des Zoocafés Platz.

Heitmann, der eine Periode lang den Aufsichtsrat der Zoo GmbH führte und seine drei Söhne, als diese noch klein waren, häufig hierher zum sonntäglichen Familienausflug führte, ist gerne hier.

Konstant geblieben ist auch seine Rolle im politischen Leben der Seidenstadt: FDP-Vorsitzender seit 1996, zusätzlich Fraktionsvorsitzender im Stadtrat seit 2004, seitdem dreimaliger OB-Kandidat seiner Partei. Das politische Geschäft macht dem Rechtsanwalt eben Spaß.

Er durchdringt es auch gern theoretisch: „Ich lese gerade ein Buch über den englischen Parlamentarismus”, gibt Heitmann Einblick in seine Vorliebe für historische Lektüre, „daraus kann man eine Menge lernen.” Autobiografien von Politikern hingegen mag der leidenschaftliche Leser überhaupt nicht: „Die sind doch alle gelogen”, lacht er unbekümmert.

Bei dieser OB-Wahl tritt Heitmann wieder an. Warum eigentlich, schließlich bleiben die Wahlergebnisse für die FDP doch meist einstellig? „Wir sind in den letzten Jahren im Stadtrat angesichts der Zusammenarbeit von SPD und CDU in eine Art Oppositionsrolle gerückt”, begründet Heitmann seine Kandidatur, „da gilt es jetzt, die inhaltlichen Positionen, die wir eingenommen haben, weiter zu verfolgen.”

Bei dieser Aufgabe erweist sich Heitmann als in der Wolle gefärbter Liberaler, indem er auch die Positionen anderer Parteien gelten lässt.

Beispiel Wohnbebauung: „Wir brauchen die Ausweisung neuer Wohngebiete für junge Familien, damit unsere Bevölkerungszahl nicht sinkt und Krefeld nicht überaltert”, mahnt Heitmann. Doch das Gegenargument, dass Neubaugebiete die Zerstörung von Natur bedeuten, akzeptiert er ohne Scheuklappen. Seine Lösung des Konflikts: „Wir bauen nicht mehr wie vor 50 Jahren, sondern planen mit begrünten Dächern, mit nachhaltigen Materialien, mit Gewässern und Grünflächen innerhalb der neuen Wohngebiete.”

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Ebenso unideologisch gibt sich der Chef-Liberale auch in punkto Innenstadtbelebung: „Hier muss die Stadt als Investor auftreten, Häuser ankaufen, sanieren und zu günstigen Preisen vermieten.” Das ist nicht gerade klassische FDP-Politik, die gerne auf private Initiative setzt. „Aber hier notwendig”, zeigt sich Heitmann als Realist, „die Immobilienwirtschaft der Innenstadt zeitigt leider keinen privaten Markt im erforderlichen Maß.“

Als couragierter Liberaler scheut sich Heitmann auch nicht, gegen den Zeitgeist zu argumentieren: „Das Sterben der Hauptschulen ist eine Tragödie”, wünscht er sich für Krefeld die Neugründung dieses Schultyps. Dadurch würden zum einen die Gesamtschulen entlastet: „Die drohen zu kippen”. Zum anderen würde der Bedarf der Wirtschaft nach Fachkräften besser befriedigt: „Unsere wirtschaftliche Zukunft liegt nicht nur in Abitur und Hochschule, wir sollten statt dessen die duale Ausbildung stärken.”

Würde Heitmann zum Oberbürgermeister gewählt, wäre sein erster Schritt ein umfassender Kassensturz:

Wieviel Büros braucht die Stadtverwaltung angesichts des Trends zum Homeoffice wirklich, wie groß ist die tatsächliche Nutzung einer neuen Veranstaltungshalle und wie hoch werden die Steuereinnahmen angesichts von Corona ausfallen? Heitmann nüchtern: „Wir werden den Gürtel enger schnallen müssen.“

Das ist keine Aussage, mit der man beim Wahlvolk Begeisterung erzeugt. Aber sie entspricht seiner Art, rationale Politik zu machen. Joachim C. Heitmann ist sich auch in seinem Stil treu geblieben.