1. Die Stadt

Wie Kriminelle den Lockdown nutzen

Kriminelle nutzen Pandemie : Internet-Betrug im Lockdown

Während die Bürger im Lockdown ihr Alltagsleben herunterfahren müssen, fahren Kriminelle hoch. Ihr Tatort ist das Internet.

„Früher begingen Einzeltäter bei E-bay Betrügereien, jetzt aber sind die Täter gut organisiert“, beklagt Heinz Siemes.

Der Leiter des Betrugskommissariates bei der Krefelder Polizei stellt im Lockdown einen rapiden Anstieg der Internetkriminalität fest. Offenkundig zurückzuführen auf die verstärkte Nutzung des Internets während der Corona-Pandemie.

So stellen Betrüger professionell gestaltete Webshops ins Netz, über die sie dann Elektrogeräte und andere Waren zu angeblichen Schnäppchenpreisen anbieten. Die Konten, auf die die Kunden das Geld überweisen, liegen aber im Ausland. Siemes: „Die Ware kommt nie an und das Geld ist weg.“

Leider sei es kein Kunststück, in fremden Ländern ein Konto für Deutschland zu eröffnen. Da werde vielfach nicht nach dem Ausweis gefragt oder er ist eben falsch.

Erst kürzlich, so weiß Kriminalhauptkommissar Siemes zu berichten, bot eine Scheinfirma mit Sitz in Krefeld im Internet die begehrte Play-station 5 an. Das „Unternehmen“ war sogar ganz offiziell als GmbH ins Handelsregister eingetragen, offenbar um Vertrauen zu erwecken. Nur dass es an der angegebenen Adresse an der Oberstraße in Uerdingen nie gesessen hat. Mehrere hundertausend Euro hat die „Firma“ auf diese Weise von Geschädigten in ganz Deutschland erbeutet.

Kommissar Siemes rät: „Nie auf Vorkasse einlassen und auf keine ausländischen Konten überweisen.“ Im Zweifel beim Verbraucherschutz über die fragliche Firma informieren. Vor allem sollte man stutzig werden, wenn eine Ware im Internet verlockend billig angeboten wird.

Doch auch an Firmen begehen Kriminelle immer mehr Betrügereien. Sie bestellen im Internet Waren an die Adressen leer stehender Häuser, installieren dort eine Funkklingel und nehmen bei Lieferung die Ware in Empfang, ohne sie jemals zu bezahlen. Die Ware selbst verkaufen sie dann im Internet weiter. 

Besonders warnt Siemes die Bevölkerung vor dem um sich greifenden „Identitätsdiebstahl“. Dabei greifen im Internet Betrüger die Kopien von Personalausweisen ab, die Kunden bei Buchungen (z.B. von Ferienhäusern) mitsenden, um sich auszuweisen. „Mit den persönlichen Daten schließen die Betrüger dann Handy-Verträge ab“, nennt Siemes ein Beispiel. Irgendwann erreicht den ahnungslosen Bürger eine Zahlungsaufforderung, die ihn sprachlos macht.

Siemes rät vor allem: nie eine PIN oder die IBAN übers Internet versenden. Manche „Spezialisten“ laufen auch durch die Straßen und holen die Briefe der Kreditinstitute, die eine neue PIN verschicken, aus den Briefkästen und treiben mit den Daten dann Schindluder. Im Zweifel gleich bei der Schufa die Nummern sperren lassen.

Die Internetbestellungen bei E-bay und anderen Portalen haben auch die Falschgelddelikte neu „befeuert“. Bei der Übergabe von Waren, die private Verkäufer im Internet angeboten haben, wird jetzt häufiger mit sogenanntem „Kinogeld“ bezahlt. Das sind Scheine, die für Film- oder Partyzwecke hergestellt wurden. Im Eifer der Übergabe übersehen manche Verkäufer den Unterschied.

Die kriminellen Profis erfinden immer neue Formen von Betrug, erscheinen beim Auftreten im Internet immer wahrhaftiger. Deshalb rät die Polizei zu skeptischer Vorsicht. Siemes: „Was verlockend günstig scheint, kann zum großen Reinfall werden.“