Völkermord-Drama

Premiere: Stadttheater führt politisches Schauspiel auf: Völkermord-Drama berührt Herz und Kopf

Das Stadttheater führte ein brisantes Schauspiel auf: "Eine Schiffsladung Nelken für Hrant Dink". Thema: der Völkermord an den Armeniern.

Wir besuchten die Premiere.


Die Bühne in der Fabrik Heeder ist klein. Der Zuschauerraum ist ebenfalls klein. Auch die Besetzung des Stücks mit nur drei Schauspielern bleibt klein. Aber das Theater, das sich dort am Mittwochabend vor den Augen der Zuschauer entfaltete, war ein ganz großes:


Der Text der armenischen Autorin Anna Davtyan (deutsche Übersetzung Valerie Engler) ist nicht durchgängig, aber über weite Strecken sehr poetisch.

Die prosaischen Teile bleiben immerhin überaus informativ. Welcher Zuschauer kennt schon die Mythen der Armenier, die Geschichte des Völkermordes 1915/16 und das vermittelnde Wirken des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink?


Die Wiedergabe des Textes durch die drei Schauspieler Jonathan Hutter, Denise Matthey und Joana Tscheinig war durch angenehm präzise Artikulation und treffende Körpersprache geprägt. Vieles an ihrer Gestik war innovativ, hat man so noch nicht gesehen. Sie brachten den Text zum Klingen.

Dabei ist es kein eigentliches Spiel, das auf der Bühne gegeben wird, sondern eine Deklamation, begleitet durch zeichenhafte und tänzerische Elemente.


Trotz des kopfbetonten Charakters des Stücks, das auf die Erkenntnis des Zuschauers zielt, gelang es Regisseurin Zara Antonyan auch, eine orientalische und oftmals beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Entsprechende Einspieler aus Musik und einem armenischen Kunstfilm trugen dazu bei. Der Zuschauer wurde emotional tief berührt.


Nach eineinhalb Stunden Spielzeit zollte das Premierenpublikum dem Team begeisterten Applaus, teils sogar stehend. Autorin und Regisseurin waren anwesend und freuten sich sichtlich.

Weitere Vorstellungen:
2.,8.,25. Oktober; 15. November; 8.,23. Dezember.
Karten an der Theaterkasse, Tel.: 805-125.

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