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Thorsten Hansen: Der grüne Manager

Thorsten Hansen: Der grüne Manager

Thorsten Hansen (48) will Oberbürgermeister von Krefeld werden. Er sieht sich als Grünen eines „neuen Typs“

In der Frühzeit der Grünen waren die politischen Fronten noch klar. Damals hätte jemand wie Thorsten Hansen ein erstklassiges Feindbild für die Pulloverstrickenden Öko-Fundis abgegeben: Ein gänzlich unideologischer BWL-Absolvent, ein klar formulierender Manager in einem internationalen IT-Unternehmen, verheiratet und bei offiziellen Anlässen immer im dunklen Sakko unterwegs. Heute wird das CDU-Stammland Baden-Württemberg von einem Grünen regiert - und alles ist komplizierter.

Hansen verkörpert den Wandel der eigenen Partei, er sieht sich als „neuen Typus“ eines Grünen – und will so den Krefelder Oberbürgermeister-Sessel erobern.

Wie „grün“ ist die Seidenstadt denn überhaupt? Im Rückblick lässt sich die Frage klar beantworten: Bei der Kommunalwahl 2014 wählten 9083 Bürger die Partei (11,15 Prozent). Das reicht, um im Rat ein Wörtchen mitreden zu können. Aber mit dieser Zahl im Rücken das OB-Amt anzupeilen, ist schon gewagt. Oder, Herr Hansen?

Klar, der Grüne Kandidat sieht sich neben Frank Meyer (SPD) und Peter Verheulen (CDU) als Außenseiter. Aber er betont, dass er sich im Wahlkampf bei allen Diskussionen auf Augenhöhe mit den beiden anderen bewegt (was durchaus stimmt).

Und er rechnet sich gute Chancen aus, mit einem der beiden -Kandidaten der großen Parteien erst in die Stichwahl zu gehen (die wird nötig, wenn keiner der insgesamt sechs Kandidaten am 13. September die absolute Mehrheit holt) – und dann im direkten Vergleich zu gewinnen.

Der 48-Jährige setzt dabei auf Stimmen aus der bürgerlichen Mitte. Er will kräftig bei CDU/FDP punkten und gleichzeitig die eigene Klientel mobilisieren. Was in Baden-Württemberg und einigen Studenten-Städten so grandios geklappt hat, das könnte doch auch in Krefeld funktionieren, so die Überlegung.

Entsprechend teilt Hansen in erster Linie gegen den CDU-Kandidaten Peter Verheulen aus: Diesen sieht er als wegen dessen Vorgeschichte (zuletzt Planungsdezernent in Mülheim) als modernere Fortsetzung des Noch-Amtsinhabers: als „Kathstede 2.0“. Vermeulens Wahlkampf-Motto „Der macht das!“ stellte der Grüne auf seinen Plakaten den Slogan „Der kann das!“ entgegen.

Hansen will sich den Krefeldern als Alternative zum CDU aber auch zum SPD-Mann präsentieren – als Quereinsteiger, der gerade nicht aus der Verwaltung, sondern aus der Wirtschaft kommt und deshalb Veränderungen besser anpacken könne. Als Beispiel nennt er das System der Verbesserung von Abläufen durch Vorschläge aus der Belegschaft. Bei vielen Konzernen ist es üblich, dass Mitarbeiter Vorschläge machen können – führen die zu einer merklichen Optimierung, profitiert die Firma, und die hilfreichen Mitarbeiter werden finanziell beteiligt. Ob so etwas nicht auch in der Stadtverwaltung funktionieren könne?

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Bei den städtischen Mitarbeitern sei großes Potenzial vorhanden, aber es gebe „keine gelebte Kommunikationskultur“. Die nötigen Veränderungen könnten daher nur von der Verwaltungsspitze kommen. Hansen: „Die Mitarbeiter warten auf jemanden, der sie ,wachküsst’“.

Ein Schwerpunkt seiner Wahlkampfarbeit lag beim Thema „Zukunft der Chemieindustrie“, dazu veranstaltete er mit dem Grünen Landtagsabgeordneten Hans-Christian Markert eine Diskussion in Uerdingen. Auch das wäre für früheren Zeiten undenkbar gewesen, als „die Chemie“ in umweltbewussten Kreisen als wasservergiftender Gegner angesehen wurde. Nun kommen von Hansen Sätze wie: „Die Politik muss für den Chemie-Standort Krefeld auch Werbung machen“.

Bei aller Wahlkampf-Aufregung will Hansen authentisch bleiben. Den diversen Gruppen jetzt Versprechungen zu machen, ist nicht sein Ding. Das merkte auch die Initiative zur Wiedereröffnung der Bücherei Uerdingen, der er keine Hoffnungen auf eine Übergangslösung unter einem Grünen- OB machte.

Erste Aufgabe des neuen OB sei die Flüchtlings-Thematik. Hansen sieht die große Hilfsbereitschaft vieler Krefelder. Entscheidend sei, dass die Stadt bei dem Thema richtig kommuniziere und in den Dialog mit den Bürgern eintrete.

Was er im aktuellen Wahlkampf bedauert ist, „dass das Thema Kultur so ein bisschen untergeht“.

Hansen, 1991 bei den Grünen eingetreten, erinnert sich übrigens noch gut an die „alten Zeiten“, als es auch in Krefeld noch klare politische Fronten gab. Bei seinem ersten Wahlkampfstand im bürgerlichen Hüls Anfang der 1990er habe er als junger Grüne noch kräftig Beschimpfungen einstecken müssen.

(City Anzeigenblatt Krefeld II)