1. Die Stadt

Krefeld ehrt Ludwig van Beethoven mit ungewöhnlichem Ballett

Beethoven im Stadttheater : „In mir steckt der Satan“

In diesem Jahr begeht die Musikwelt den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven. Krefelds Ballettdirektor Robert North würdigt den Rheinländer (Geburtsort: Bonn) mit seinem außergewöhnlichen Stück „Beethoven!“ im Stadttheater. Am Samstag war Premiere.

Die Aufführung beginnt mit einer Szene, in der andere Stücke enden: eine Beerdigung. 1827 wird Beethoven zu Grabe getragen.

Sarg und Trauergäste sind hinter einem transparenten Vorhang zu sehen, der mit der Handschrift des Musikgenies versehen ist.

Da plötzlich springt Beethoven in Gestalt des Schauspielers Michael Grosse vital hervor. Was wollt ihr mich zu Grabe tragen, fragt der selbstbewusste Komponist, ich lebe doch für alle Zeit.

Und so führt der quirlige Untote Ensemble und Zuschauer kommentierend durch die Stationen seines Lebens und die Zeiten bis in die moderne Musik hinein.

Choreograph Robert North bedient sich dazu eines Kunstgriffs, der in der Literatur des frühen 19. Jahrhunderts aufkam: die Aufspaltung einer Persönlichkeit in mehrere Personen.

So tritt Beethoven parallel in drei Gestalten auf: einmal als sprechender Conférencier im Bratenrock, zum zweiten in Gestalt des Pianisten André Parfenov beim ehrgeizigen Live-Spiel am Flügel und drittens verkörpert durch den Tänzer Alessandro Borghesani im emotionalen Ausdruckstanz.

Jede der drei Gestalten spiegelt eine Seite der gebrochenen Künstlerseele Beethovens:

Wir erleben seinen Triumph beim Klavierduell gegen seinen Kontrahenten Steibelt. „In mir steckt der Satan“, begeistert sich Beethoven an der eigenen Genialität.

Dann leiden wir mit dem Verzweifelten, der sich seiner zunehmenden Taubheit bewusst wird: „Ein Dämon steckt in meinem Ohr“, rauft er sich die Haare.

Der politisch enttäuschte Beethoven beschimpft Napoleon: aus dem einstigen Hoffnungsträger für Freiheit ist ein Kriegstreiber und Tyrann geworden.

Im Zusammenwirken von Ballett, Musik und Schauspiel verbindet die Aufführung die drei Sparten des Theaters zu einer Einheit.

Das gelingt vorbildlich. Wie Zahnräder einer gut geölten Maschine greifen die Kunstformen harmonisch ineinander und ergänzen sich gegenseitig.

Was die Aufführung vor allem auszeichnet, ist ihre warmherzige Ästhetik. Bühnen- und Kostümbildnerin Luisa Spinatelli kleidet das vielköpfige Tanzensemble in die Mode des 19. Jahrhunderts und stattet die Kulisse mit arkadischen Gemälden alter Städte und Landschaften aus.

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Die Musik vom Band spielt beliebte Stücke von Bach, Mozart und eben Beethoven. Wiedererkennung garantiert.

Die Tänze sind beschwingt, werden aber abwechslungsreich durch moderne Rhythmen ergänzt.

Und immer wieder kommt es zu humorigen Einschüben; wenn sich etwa der Schauspieler statt des Pianisten ans Klavier drängt, die ungläubige Erwartung des Publikums eine Sekunde lang provoziert, um dann geräuschvoll die Tastatur einfach zuzuklappen.

Das Premierenpublikum war von diesem außergewöhnlichen Ballettstück hingerissen. Keine 30 Sekunden vergingen und der ganze Saal erhob sich von den Sitzen und applaudierte rhythmisch im Stehen. Das glückliche Ensemble sollte kaum entlassen werden. Fazit: unbedingt sehenswert.