1. Die Stadt

Highend-Medizin am Helios Klinikum : „Da Vinci“ mit den vielen Armen

Highend-Medizin am Helios Klinikum : „Da Vinci“ mit den vielen Armen

Die roboterassistierte Chirurgie ist seit Anfang 2020 fester Bestandteil im Helios Klinikum Krefeld. Mit dem Da Vinci Xi-Operationssystem steht Chirurgen die derzeit modernste Technik für minimal-invasive Eingriffe zur Verfügung. Der Extra-Tipp durfte das außergewöhnliche OP-System im Selbsttest erleben.

Die krakenartigen Arme reagieren auf jede noch so kleine Bewegung meiner Daumen und Mittelfinger. Die so gesteuerten Handsensoren gleichen zum Glück unwillkürliches Zittern aus. Meine zunächst etwas ruckhaften Bewegungen haben also keine schlimmeren Auswirkungen zur Folge. Die Weingummi-Frösche, virtuellen Plastikringe und das Ein-Cent-Stück spüren nicht, dass ein „chirurgischer Laie“ grade  High-End-Medizintechnik bedient. Wir sind zu Besuch im Helios Klinikum Krefeld und dürfen das Da Vinci XI-Operationssystem im Selbsttest erkunden. Und dies vorweg: Diese Technik hat es in sich und sie fasziniert. Diese Faszination empfinden auch die beiden Mediziner Priv.-Doz. Dr. Christoph Wullstein und sein Kollege Prof. Martin Friedrich. „Diese Technik bringt uns einen Evolutionsschritt nach vorne“, sagt Wullstein. „Wir befinden uns auf einem neuen Level der Medizin“, ergänzt Friedrich. Die erfahrenen Chirurgen haben sich übrigens einen Spaß erlaubt, um die Leistungsfähigkeit und Präzision, die „Da Vinci“ mit sich bringt, einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. In einem kleinen Videoclip duellieren sie sich mittels der „Krakenarme“ beim Schach.

Zurück zum Versuch unserer Redaktion. Aneta Böhm, Repräsentantin des Medizinprodukte-Herstellers „Intuitive“ erläutert uns, wie „Da Vinci“ funktioniert. Das System der roboterassistierten Operation besteht aus einer Konsole mit Videobildschirm, einem Rechnerturm und einem Patientenwagen. An der Konsole steuert der Operateur die Instrumente, die am Patientenwagen befestigt sind, über fingergeführte Handsensoren. Per Fußpedal kann er zwischen den Roboterarmen wechseln. Die Steuerung wird über den Rechnerturm kommuniziert, der als Mittelsmann zwischen den Komponenten agiert. So werden alle Bewegungen in Echtzeit millimetergenau auf die Instrumentenarme übertragen.

„Durch die 3D-Videoübertragung in HD-Qualität erhalten wir eine ideale Tiefenwahrnehmung und Detailansicht feinster Strukturen wie Gefäße, Nerven und Tumoranteile. Das Kamerasystem ermöglicht eine bis zu zehnfache Vergrößerung und vermittelt uns so eine größere Nähe zum Operationsfeld“, beschreibt Priv.-Doz. Dr. Christoph Wullstein, Chefarzt der Allgemein-, Vizeral- und Minimalinvasiven Chirurgie, begeistert.

Die Begeisterung teilen wir. Im Test hat man das Gefühl, als würde man in den Körper des (fiktiven) Patienten eintauchen. In unserem Fall simulieren wir am Ende eine Prostatektomie. Die Aufgabe: Der Harnleiter soll wieder mit der Blase verbunden werden. Zugegeben: Es braucht ein paar Versuche, ehe dies gelingt. Dass ausgewählte Mitarbeiter des Helios Klinikum über Wochen und Monate geschult wurden, um diese High-End-Medizintechnik in Perfektion anwenden zu können, beruhigt einen als „Debütant“.

„Da Vinci“ ermöglicht übrigens zudem Operationen in Bereichen, die ansonsten kaum erreichbar wären.  Vor allem Krebspatienten mit Tumoren an den inneren Organen profitieren davon.