Serie: Industriebetriebe / Heute: Für Bindemittelhersteller Alberdingk Boley reist junger Chemiker durch ganz Europa: Zwischen Labor und Flughafen

Serie: Industriebetriebe / Heute: Für Bindemittelhersteller Alberdingk Boley reist junger Chemiker durch ganz Europa : Zwischen Labor und Flughafen

In einer Serie stellt der Extra-Tipp Krefelder Industrieunternehmen vor - und zwar aus der Sicht der Mitarbeiter. Heute: Die Alberdingk Boley GmbH mit Sitz am Uerdinger Rheinufer.

„Schon ein echter Traumjob“, lächelt Younes Khermane, als er in Düsseldorf ins Flugzeug steigt; prima gelaunt, trotz der frühen Morgenstunde. Die Maschine hebt ab. Flugziel: Weltstadt Paris. Der 27-Jährige wirft noch einmal einen Blick auf seine Papiere: alles Zahlen, chemische Formeln, Erläuterungen. Er fliegt nicht in den Urlaub, sondern soll französische Firmen von den Top-Produkten des Krefelder Bindemittelherstellers Alberdingk Boley GmbH überzeugen.

Das fällt dem jungen Mann leicht. Denn das 185 Jahre alte Traditionsunternehmen am Rheinufer hat in der Branche der Lack- und Farbenindustrie ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal: „Unsere Bindemittel sind wasserbasiert“, erläutert Younes Khermane stolz, „und damit umweltfreundlich und geruchsneutral.“ Das ist nicht selbstverständlich. Normalerweise werden den Bindemitteln stark riechende Lösungsmittel untergemischt. Mit dem Effekt, dass Heimwerker erst mal tüchtig lüften müssen, wenn sie ihre Wohnung mit Farben gestrichen haben, in denen solche Bindemittel verwendet wurden. Mit der wasserbasierten Alternative hat sich Alberdingk Boley bei der internationalen Industriekundschaft einen klangvollen Namen gemacht.

Deshalb ist Younes Khermane auch viel unterwegs: Frankreich, Türkei, Tschechien, Ungarn. Das ist sein Gebiet. „Es macht mir großen Spaß, die unterschiedlichen Kulturen kennenzulernen“, bekräftigt der junge Firmenrepräsentant. Im Laufe der Jahre hat er Unterschiede registrieren können: „Französische Firmen verlangen Spitzenqualität“, plaudert er aus dem Nähkästchen, „in der Türkei steht schon mal ein günstigerer Preis im Vordergrund der Entscheidung, auch wenn das Produkt dann weniger langlebig ist.“

Verhandlungssprache ist in der Regel Englisch. Deshalb schult Alberdingk Boley seine Mitarbeiter auch gezielt in englischen Fachausdrücken. Zudem stehen Khermane auch Kollegen der Auslandsdependancen des Krefelder Unternehmens zur Seite, die die Landessprache beherrschen.

„Ich stelle aber nicht nur unsere Produkte vor, sondern nehme auch Anregungen und Wünsche unserer Kunden mit in die Krefelder Zentrale“, erklärt Khermane. Dort experimentiert er zuweilen selber mit den Kollegen von den Forschungs- und Anwendungsabteilungen im Labor, um spezifische Lösungen für die Problemstellungen der Kunden zu erarbeiten. Khermane ist nämlich selber Chemiker. „Ich habe als Azubi zum Chemielaboranten bei Alberdingk Boley angefangen“, erinnert er sich, „da war ich gerade 16 Jahre alt und hatte die mittlere Reife abgelegt.“ Nach Abschluss der Ausbildung wurde der junge Chemielaborant in den Forschungslaboren des Unternehmens eingesetzt. „Deshalb kenne ich auch die Kollegen dort gut und weiß, wen ich bei technischen Fragen ansprechen kann.“ Bald wurden die Vorgesetzten auf das eifrige Eigengewächs aufmerksam. Sie suchten einen Fachmann, der sowohl in der Chemie fit ist, wie auch im Ausland bei Kunden „auftreten“ kann. Also einen Verbindungsmann zwischen Labor und Konferenzsaal. Mit Freude sagte Khermane zu. „Da war ich gerade 22 Jahre alt“.

Nun reist er schon seit fünf Jahren im Auftrag der Firma durch Europa. Inzwischen ist das Einchecken an Flughäfen und Beziehen von Hotelzimmern für ihn schon Routine. Aber es nutzt sich nicht ab. Gut 60 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt der leidenschaftliche Tüftler immer noch in den Laboratorien der Zentrale am Rheinufer. „Ich sag ja, mein Traumjob“, lacht er und hebt ab in die Lüfte Richtung Paris.

(City Anzeigenblatt Krefeld II)
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