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Innung und VHS als Ideengeber: Pilotprojekt: Flüchtlinge als Maler-Azubis

Innung und VHS als Ideengeber : Pilotprojekt: Flüchtlinge als Maler-Azubis

Eine pfiffige Aktion haben Malerinnung und VHS gestartet. Sie soll gleichermaßen Asylbewerber integrieren und dem Fachkräftemangel abhelfen.

Dietmar Seefeldt ist voll des Lobes: "Die Flüchtlinge sind auf Anhieb so gut wie unsere Auszubildenden im zweiten Lehrjahr." Dieser überraschende Eindruck bestätigt dem langjährigen Lehrlingswart der Krefelder Malerinnung, dass er den richtigen Riecher hatte:


Vor vier Monaten nämlich wandte sich der heutige Ruheständler an die Krefelder Volkshochschule: Ob in den fast 40 Integrations- und Sprachkursen keine Asylbewerber säßen, die sich für das Malerhandwerk interessierten.

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Hintergrund: die hiesigen Malerbetriebe suchen händeringend Nachwuchs. Dieser wird unter deutschen Jugendlichen immer spärlicher.


VHS-Fachbereichsleiter Michael Schreiber witterte ein erfolgversprechendes Pilotprojekt: "Wir haben daraufhin die schulischen und beruflichen Kompetenzen unserer Kursteilnehmer mit Bleibeperspektive geprüft."


Ergebnis der Prüfung: In dieser Woche konnten sechs Syrer und Iraker fünf Tage lang im überbetrieblichen Ausbildungszentrum der Malerinnung Krefeld-Kreis Viersen ihre Fähigkeiten erproben.


"Sie sind alle sehr wissbegierig", schwärmt Ausbildungsleiter Sascha Zester von seinen neuen Schülern. Zwar sprechen nur wenige Deutsch. Doch das scheint kein Hindernis zu sein: "Ich mache mich verständlich, indem ich vieles einfach zeige".


Offenbar mit Erfolg. Khaled Alrime aus Syrien hat mit Pinsel und Metermaß ein exakt konzipiertes Muster in mehreren Farben auf die Übungswand geworfen. Das sieht professionell aus. Ob der 35-Jährige allerdings Maler werden will, steht noch dahin: "Ich wollte eigentlich gern Busfahrer werden".


Trotzdem: "Die Teilnehmer sind stolz, wenn sie ihr fertiges Werk betrachten können", hat Zester gespürt. Und die versierten Meister der Innung entdecken an den Arbeitsergebnissen hoffnungsfrohe Talente:


"Solche Talente können wir dann unseren Mitgliedsbetrieben empfehlen", erläutert Manfred Göppert, stellvertretender Obermeister. Die Flüchtlinge hätten in einem solchen Fall die Möglichkeit, eine normale Berufsausbildung zu absolvieren.


Allerdings sei zu einer aussagekräftigen Beurteilung eine Probewoche ein bisschen kurz, schränkt Göppert ein. Zudem bleibe neben den rechtlichen Regelungen eine Voraussetzung unabdingbar: "Sie müssen Deutsch können".


Michael Schreiber strebt nun eine weitere Vernetzung von Innung mit Arbeitsagentur und Behörden an: "Die VHS kann nur Vermittler sein".


Wenn aber ein solcher "Pilot" funktioniert, könnte leicht ein Modell der Integration daraus werden.
Und zwar eines, von dem alle Seiten Nutzen haben: die Flüchtlinge, die Handwerksbetriebe und letztlich Staat und Bürger.