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Einzigartiger Fund im römischen Gräberfeld Gelduba

Krefelds Archäologen staunen : Sensationsfund in Gelduba

Einen einzigartigen Fund haben die Archäologen vom Krefelder Gräberfeld Gelduba gemacht: Eine Darstellung der ägyptischen Göttin Isis auf einem Tonkrug. Das gibt es kein zweites Mal.

Als die Scherben mit einer figürlichen Abbildung ans Licht kommen und Archäologe Eric Sponville die Erde entfernt, trauen er und seine Kollegen ihren Augen nicht. Was soeben aus einer Schicht des ersten, zweiten Jahrhunderts nach Christus geborgen wurde, dürfte in dieser Zeit am Niederrhein noch nicht existieren – ist das tatsächliche eine christliche Mariendarstellung?

„Es handelt sich bei dem plastischen Relief um eine weibliche Person, auf einem Thron sitzend mit einem Kleinkind auf dem Schoß und in der rechten Hand ein Sistrum, eine Rahmenrassel. Das ist ein antikes Musikinstrument“, beschreibt Krefelds Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter die Entdeckung.

Die Ähnlichkeit mit Maria und dem Jesuskind ist frappierend, aber die erste Vermutung erweist sich als falsch. Dennoch handelt es sich um einen einzigartigen Fund aus der Römerzeit am Niederrhein – eine Abbildung der ägyptischen Göttin Isis.

Aus einer römischen Müllgrube am Westrand der Römersiedlung Gelduba stammen die außergewöhnlichen Überreste eines scheinbar einfachen weißtonigen Kruges mit jenem Isis-Relief am Henkel. Der Müll gelangte zwischen der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts bis zum Anfang 2. Jahrhunderts nach Christus in die Grube. Damit wäre der Krug rund 1900 Jahre alt.

„Die Darstellung zeigt die stillende Göttin Isis, mit dem säugenden Horuskind“, erklärt Sponville.

Der ursprünglich aus Ägypten stammende Isis-Kult gilt als einer der sogenannten Mysterienkulte im Römischen Reich. Er hatte bis ins 6. Jahrhundert nach Christus hinein Bestand und war weit verbreitet. Und das auch im römischen Gelduba.

Die Archäologen gehen davon aus, dass das Gefäß im Zusammenhang mit Kulthandlungen stand. „Er könnte Teil eines Hausaltars gewesen sein“, so Sponville. Welche Flüssigkeit sich in ihm befand, Öl oder Wein, dafür gebe es keine Hinweise.

Die Besonderheit des Krug-Fundes zeichne sich zudem durch das verwendete Material aus: Während Reliefdarstellungen auf Henkeln hochwertiger Bronze- oder Silbergefäße häufig vorkommen, existieren nur sehr wenige Beispiele aus der Region überhaupt von figürlichen Bildreliefs auf einfachen Tonkrügen.

„Die einzigen bekannten Beispiele stammen aus Nijmegen und ein einzelner Fund eines Tonmodels aus Xanten“, sagt Stadtarchäologe Dr. Schletter. Von keinem dieser Beispiele, weder von Metall- noch von Tongefäßen, sei jedoch bisher die Darstellung einer Isis bekannt. „Das ist bislang einzigartig“, so Schletter.

Das Archäologische Museum Krefeld zeigt zurzeit die Sonderausstellung „Abenteuer Großgrabung – Gräberfeld, Bataverschlacht und Römersiedlung“. Erstmals wird im Haus an der Rheinbabenstraße 85 eine Auswahl an Funden und neuen Erkenntnissen nach der größten Grabung in der Geschichte des Museums präsentiert – auch die Isis-Darstellung.

Die Ausstellung endet am 22. November. Die Dauer- und Sonderausstellung kosten fünf Euro Eintritt für Erwachsene, drei für Schüler. Kinder unter sechs Jahren haben kostenfreien Eintritt. Zudem gibt es Kombi- und Familienangebote. Die Öffnungszeiten sind von 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter www.museumburglinn.de.