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Surfpark am Elfrather See

Surfpark am Elfrather See : „Der E-See ist ein Juwel für den Sport vor der eigenen Haustür“

Das Projekt eines Surfparks am Elfrather See wird zur Initialzündung für das gesamte Areal: Krefelder Bürger und Gäste von außerhalb sollen hier künftig Natur, Erholung und zahlreiche Sport- und Freizeitangebote vorfinden.

Vor knapp zehn Monaten haben Oberbürgermeister Frank Meyer und weitere Vertreter der Stadt Krefeld gemeinsam mit dem Projektentwickler Elakari die Pläne erstmals vorgestellt. Seitdem ist viel passiert: Die Planung für das Areal wurde der Politik und der Bürgerschaft präsentiert, parallel entsteht ein „Masterplan Elfrather See“, der die Ideen für das Gelände zusammenbringt. In einem Doppelinterview sprechen der städtische Projektverantwortliche Ralf Panning und der Geschäftsführer von Elakari, Andreas Niedergesäss, über die aktuellen Herausforderungen, den Stand des Verfahrens und ihre Vorstellungen zur Entwicklung des Areals.

Herr Panning, zur Bürgerbeteiligung in Sachen Surfpark sind mehr als 100 Interessierte erschienen. Hat dieser Andrang Sie überrascht?

Ralf Panning: Ja, in dieser Größenordnung schon. Das zeigt aber letztlich das große Interesse an diesem Projekt, was mich natürlich freut. Um allen Interessenten gerecht zu werden, haben wir schnell reagiert und für 12. November bereits eine zweite Veranstaltung organisiert, zu der wir jetzt schon recht herzlich einladen.

Viele Fragen aus der Bürgerschaft beziehen sich auf das Thema Verkehr. Wo könnten mögliche Lösungen liegen, die Interessen des Investors und die Interessen der Anwohner zusammenzubringen?

Panning: Die Themen An- und Abfahrt sowie Parken werden im Rahmen des beauftragten Verkehrsgutachtens intensiv untersucht. Hier erwarten wir vom Gutachter Lösungsvorschläge, die von Anwohnern und Investor mitgetragen werden können, die nicht zu unzulässigen Beeinträchtigungen führen und die eine gute Erreichbarkeit der Surfparks sicherstellen.

Herr Niedergesäss, es gab den Vorwurf, der Surfpark sei nur ein „Betonmonstrum“, das zu viel Fläche verbrauche. Was sagen Sie zu dieser Kritik?

Andreas Niedergesäss: Wir bauen kein Betonmonstrum, sondern ein Surfbecken. Eine überformte Rasenfläche wird durch eine Wasserfläche ersetzt, die sich harmonisch in die Seenlandschaft einfügt. Die Fläche wird heute nur spärlich genutzt und wird in Zukunft für erheblich mehr Menschen einen guten Freizeit- und Erholungswert bieten. Großprojekte benötigen natürlich Fläche, allerdings hier hauptsächlich der Surfpool, denn die weiteren Bausteine der Anlage sollen in die Grünfläche eingebettet werden. Darüber hinaus handelt es sich am Elfrather See um eine in den 1970er-Jahren künstlich angelegte Fläche, da es bei der Suche aus ökologischer Sicht wichtig war, nicht in die natürliche Landschaft zu bauen.

Welche Materialien verwenden Sie beim Bau?

Niedergesäss: Die von Wavegarden entwickelte Konstruktion verwendet Materialen, die eine detaillierte Ökobilanz aufweisen und damit gut recycelbar sind. Laut Planung ist der Grund des Pools mit einer Folie ausgestattet und nur die Riffe und Wände sind aus Beton. Insgesamt wird dabei ein Drittel des Areals neu versiegelt.

Warum ist der Campingplatz neben dem Surfpark aus Ihrer Sicht notwendig?

Niedergesäss: Der geplante Campingplatz ist bereits seit den 1970er-Jahren planerisches Ziel der Stadt, doch scheinbar konnte sich bislang kein Investor und Betreiber finden, der diesen für rentabel hielt. Nun macht das Zusammenspiel Naherholungsgebiet und Surfpark eine Umsetzung möglich, um den enormen Bedarf an heimischen Reisezielen gerecht zu werden. Surfen und Campen liegen eng beieinander – nichtsdestotrotz kann der Campingplatz auch unabhängig vom Surfsport genutzt werden. Zudem verändert Corona unsere Urlaubs- und Freizeitgewohnheiten. Deutschlands Campingplätze waren im Sommer ausgebucht, es gibt viel zu wenig Angebot für einen wachsenden Markt. Naherholung ist auch ökologisch vernünftig, die Menschen verbrauchen weniger Energie, emittieren weniger CO2. Als Naherholungsgebiet sollte der Elfrather See auch kostengünstige Übernachtungsmöglichkeiten für Wochenendtouristen bereithalten.

Wird der E-See künftig noch attraktiv für Hobbysportler und Spaziergänger sein?

Panning: Ja, das steht außer Frage. Surfen, Segeln, Rudern, Stand-Up-Paddling, Tauchen, Angeln, Walken, Laufen, Streethockey, Minigolf, neue Outdoor-Sportangebote, ein – hoffentlich – aktivierter Badesee mit neuem Ambiente und Umfeld, Gastronomie, der erste Campingplatz in Krefeld: All das ist möglich und auch mittelfristig machbar. Wir sind schon jetzt gespannt auf den kommenden Beteiligungs- und Diskussionsprozess, den wir Anfang 2021 mit Vereinen, Bürgern und Anwohnern starten wollen. Wir möchten Erholung und Sport vor der Haustür, gerade auch vor dem Hintergrund der sich aktuell verändernden Urlaubs- und Freizeitgewohnheiten. Der Elfrather See macht‘s möglich!

Aber wie passen die jetzigen Nutzungen für den Segel- und Rudersport mit der künftigen Nutzung im Zuge des Surfparks nebeneinander?

Panning: Mit dem Surfpark soll eine weitere attraktive „Wassersportart“ für Jung und Alt in Krefeld etabliert werden – für den Breiten- aber auch den Spitzensport, analog zu den bereits bestehenden Ruder- und Segelangeboten. Der Surfpark stärkt und bereichert den „Wassersport-Standort“ Elfrather See. Das empfinden auch die ortsansässigen Vereine so.

Der Surfpark ist ein privates Investment im Umfang von rund 25 Millionen Euro. Herr Niedergesäss, warum haben Sie sich für Krefeld als Standort entschieden?

Niedergesäss: Als Sportstadt bietet Krefeld mit dem Konzept „Sport, Natur und Erholung“ perfekte Rahmenbedingungen für den Surfpark am Elfrather See. Vor allem die Einbindung des Surfsports in die zahlreichen anderen Wassersportarten zeichnen diesen Standort aus. Die perfekte Lage und die schnelle Anbindung an das (über-)regionale Straßennetz sprechen für ein großes Einzugsgebiet in die Rhein-Ruhr-Metropolregion und natürlich in die Nachbarländer. Sowohl die Zusammenarbeit mit sehr professionellen Mitarbeitern in der Verwaltung als auch das wechselseitige Vertrauen zwischen Elakari und den Verantwortlichen bieten eine solide Grundlage für unser Investment.

Zuletzt wurden vermehrt Pläne bekannt, weitere Surfparks in Stade, München und Werne zu eröffnen. Wie wirkt sich diese Konkurrenz auf Ihre eigenen Pläne aus?

Niedergesäss: Weltweit sind mehr als 70 Pools in Planung, davon rund 30 in Europa. Einige sind bereits in Betrieb, andere eröffnen in den nächsten Jahren oder sind noch im Bau. Die Entwicklung weiterer Surfparks hier in Deutschland bestätigt uns, dass wir frühzeitig mit der Stadt Krefeld auf einen wirklichen Trend gesetzt haben.

Beschreiben Sie diesen Trend.

Niedergesäss: Surfen ist eine der am schnellsten wachsenden Trendsportarten der Welt und begeistert zunehmend viele Menschen aller Altersklassen. Wellenreiten als neue olympische Disziplin entwickelt sich hin zum Breitensport, sei es im Meer, auf Flüssen oder auch durch künstlich stehende Wellen. Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto schneller entwickeln sich der Sport und der Bedarf. Unser Anspruch ist es, die attraktivste und nachhaltigste Anlage für Surfsportler im Westen Deutschlands zu etablieren, eingebettet in einen Sport- und Erholungspark. Dieses Konzept werden wir unbeeindruckt vom Wettbewerb gemeinsam mit der Stadt Krefeld weiterverfolgen.

Darin kommt die Idee des Surfparks als „Initialzündung“ für das gesamte Areal des Elfrather Sees zum Ausdruck. Worin besteht diese Initialzündung?

Panning: Mit dem Elfrather See besitzt die Stadt Krefeld ein echtes „Freiraum-Juwel“ für die immer wichtiger werdende Naherholung und den „Sport vor der Haustür“. Inzwischen sind allerdings viele Teilbereiche dieses Areals funktional und gestalterisch in die Jahre gekommen. Deshalb gilt es, die vielfältigen Potentiale auch für neue Entwicklungen zu nutzen und über den bereits beauftragten Masterplan „Erholungs- und Sportpark Elfrather See“ das gesamte Gelände zielgerichtet, bedarfsorientiert und nachhaltig zu entwickeln.

Wie ist Ihre Vorstellung für den Zeitplan des weiteren Verfahrens?

Panning: Aktuell geht die Stadt davon aus, dass das Bauleitplanverfahren im 2. Quartal 2022 zum Abschluss kommt. Eine Baugenehmigung könnte dann Mitte 2022 vorliegen. Auf dieser Basis erwarten wir die Aufnahme der Bautätigkeiten sowie eine Fertigstellung der Hauptbestandteile des Surfparks im zweiten Quartal 2023, so dass dann auch die Eröffnung des Surfparks möglich ist.

Herr Niedergesäss, Sie sitzen im Jahr 2025 neben dem Surfbecken, der sogenannten Lagune. Die Anlage ist seit zwei Jahren in Betrieb und hat sich zum beliebten Treffpunkt für Surfer aus der ganzen Region entwickelt. Beschreiben Sie das Bild, das Sie vor sich sehen.

Niedergesäss: Ich selbst bin seit über 30 Jahren leidenschaftlicher Surfer und verbringe viel Zeit mit meiner Familie in der Natur und am Meer, doch die Urlaubszeit ist limitiert und damit auch das Wellenreiten. Ich sehe im Jahr 2025 im Surfpark Krefeld fröhliche Menschen von jung bis alt, die sich am Surfen und seinem Lifestyle in der Natur erfreuen nach dem Motto: Der beste Surfer ist nicht der, der die höchsten Wellen surft, sondern der, der am meisten Spaß hat.