50 Jahre Anzeigenblatt: Stadionzeitung für „Blau-Rot“ - Von der Oberliga bis zur Bundesliga, von Effenberg bis zum „modischen“ Magath

50 Jahre Anzeigenblatt : Stadionzeitung für „Blau-Rot“ - Von der Oberliga bis zur Bundesliga, von Effenberg bis zum „modischen“ Magath

„Heute im Stadion“, „FCB aktuell“, „Bayer live“, „Treffer“, „Grotenburger“, „Stadt-Anzeiger Sport extra“ oder „neunzehn05“: Stadionzeitungen gehören zum Fußball, wie das kalte Bierchen oder die leckere Bratwurst - auch beim KFC Uerdingen. Schon zu Bundesligazeiten produzierte der Verlag die beliebte Fan-Lektüre

„Das war schon eine tolle Zeit. Wir waren ganz nah dran, da hatte keiner Starallüren“, erzählt Gabi Engels. Sie ist nicht nur Fußball Fan, sondern seit 32 Jahren auch Redakteurin mit viel Herzblut. Umso schöner für sie, als sich im Jahr 1990 eine ganz besondere Möglichkeit auftat - die Verbindung von Arbeit und persönlichem Interesse.

Denn zur Saison 1990/1991 produzierte die City Anzeigenblatt Krefeld GmbH zum ersten Mal die Stadionzeitung der Blau-Roten, damals noch der FC Bayer Uerdingen. „Stadt-Anzeiger Sport extra Stadion-Zeitung“ hieß das gute Stück, Wolfgang Rolf und seine wehende Mähne grüßten von der ersten Titelseite.

„Für diese Ausgabe habe ich direkt einen auf den Deckel bekommen, weil der Druck schiefgegangen ist“, schildert die 63-Jährige und lacht. Alle folgenden Ausgaben bzw. Titelseiten erschienen in Farbe, ein knalliges blau-rot war neben dem Foto der Eyecatcher.

Die erste Ausgabe der vom Verlag produzierten Stadionzeitung (noch in schwarz-weiß). Alle weiteren Ausgaben erschienen in Farbe. Foto: Gabi Engels

Meinungen austauschen, Spieler porträtieren, für Transparenz sorgen, Sponsoren eine Werbefläche bieten

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die in einer der schwärzesten Zeiten des Klubs ihre Fortsetzung fand. Denn nach einigen Jahren Unterbrechung wird die Stadionzeitung in enger Kooperation mit dem KFC seit den Oberligaspielzeiten in den 2010er Jahren wieder vom Verlag produziert, die seit einigen Jahren unter dem Namen „neunzehn05“ ein Begriff ist.

Auf stattlichen 32 Seiten gibt es interessante Spielerporträts, alle Informationen zum Gegner, eine Vielzahl von Statistiken und zu guter Letzt natürlich die Möglichkeit, sich als Unternehmen in einem attraktiven Umfeld einer großen Leserschaft zu präsentieren.

„Der Vorstand hat jedes Wort auf die Goldwaage gelegt“

Das ist heute genauso wie vor 30 Jahren, auch wenn den Machern der beliebten Fußball-Lektüre in früheren Jahren so manches Mal Steine in den Weg gelegt wurden. „Da ging alles bis in die oberste Etage des Bayer-Vorstandes, da durfte natürlich nichts Negatives geschrieben werden. Einer unserer freien Mitarbeiter war aber knallhart, da gab es dann öfter mal Diskussionen“, beschreibt Engels die damaligen Umstände.

Redakteurin Gabi Engels. Foto: Gabi Engels

„Dazu mussten wir auch meist samstags und sonntags, direkt nach dem Spiel, produzieren, weil montags schon gedruckt wurde. Zu der Zeit hatten wir keine PC’s, da wurde es oft sehr knapp.“

Doch davon ließ sich das Team nicht abhalten und ging seinen Weg weiter. Und sorgte damit dafür, dass die Zeitung nicht nur informierte, sondern auch ein Stück weit identitätsstiftend war. Ein eigener Comic, eine Kolumne auf Krefelder Platt in der die Spieler auch mal als „Schlooepmötsche“ bezeichnet wurden, Tippspiele und die beliebte Rubrik „Grotenbürger“ gehörten zum Standardrepertoire.

Engels: „Da ging es nicht nur um das Sportliche, sondern auch um das Drumherum, was in der Stadt los war. Die Zeitung war ja für die Fans, die sich in den Ausgaben wiederfinden sollten.“

Eine gesunde Mischung aus Fannähe und einem Ohr, ganz nah an der Mannschaft und den Offiziellen, das war und ist das Erfolgsrezept. Einer ist der Redakteurin neben Ikone Friedhelm Funkel oder Holger Fach („er hat seine Hemden selbst gebügelt, da war er mir direkt sympathisch“) dabei besonders in Erinnerung geblieben.

Foto: Gabi Engels

„Felix Magath ist damals als Manager nach Uerdingen gekommen, es war seine erste Station nach der aktiven Karriere. Alle haben gesagt, der passt hier nicht hin. Da war er noch ein bisschen zurückhaltend und ruhig, aber freundlich und umgänglich. Mit ihm habe ich das erste Interview geführt, da hatte er nach seiner Ankunft gerade seine Koffer im Hotelzimmer abgestellt.“

Schwer vorzustellen, bei dem teils knurrigen „Quälix“, der früher aber weniger durch seine Art und harten Trainingsmethoden, sondern durch seinen Modegeschmack auf sich aufmerksam machte. „Er hatte mit dem HSV den Europapokal gewonnen und kam aus der Weltstadt in die Provinz. Da war er natürlich etwas extravaganter unterwegs“, berichtet Gabi Engels schmunzelnd. Die Mode der 90er war eben etwas eigen.

„Aushängeschild des Vereins“

Lang, lang ist es her, es hat sich viel verändert, ein ganzer Klub war und ist im Wandel..... Nach schweren Zeiten ist der KFC mittlerweile in der zweiten Saison in Folge in der Drittklassigkeit zu Hause und will wieder zurück nach oben - unter anderem mit Hilfe von Manager Stefan Effenberg.

Und trotz aller digitaler Verführungen, Sozialer Medien wie Instagram oder Facebook und dem Bestreben, den Fan immer schneller und direkter mit Infos zu versorgen, ist die Stadionzeitung - ein Stück Kulturgut im Fußball - immer noch Tradition bei den Stadionbesuchen bei den Blau-Roten.

„Sie ist fester Bestandteil jedes Spiels und ein Aushängeschild des Vereins“, so bezeichnet sie der Klub selbst. Und das darf auch gerne noch lange so bleiben - vielleicht irgendwann auch wieder in der Bundesliga.

(Peter Reuter)