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Neue Virtual Reality-Therapie bei Demenz-Kranken
Patienten reisen in die Vergangenheit

Neue Virtual Reality-Therapie bei Demenz-Kranken: Patienten reisen in die Vergangenheit
Probesehen: Zur Demonstration setzt Chefarzt Dr. Friedhelm Caspers (r.) der Hospitalsprecherin Julia Dubois die 3D-Brille auf. Projektmanager Lukas Kuhlendahl(l.) hat das Programm konzipiert. FOTO: Müller
Krefeld . Die Helios-Klinik Hüls wendet eine neue Virtual-
Reality-Therapie für Demenz-Kranke an.
Von Ernst Müller


 Wissen Sie noch, wie es UdU aussah, in den 60er Jahren, in den 50ern? Als das Tivoli-Haus noch stand und die ersten VW-Käfer über den Ostwall rollten?


Bei vielen älteren Demenz-Patienten gehört die vergangene Zeit zu den besten Erinnerungen, die ihnen geblieben sind.

Deshalb legen Chefarzt Dr. Friedhelm Caspers und sein Team der Klinik für Akutgeriatrie am Helios Cäcilien Hospital Hüls den dementen Patienten Fotos aus der alten Zeit vor: "Das regt ihre Erinnerung an", erklärt Dr. Caspers.


Künftig tauchen seine Patienten in eine neue Dimension der Erinnerungsarbeit ein. Statt Fotos anzuschauen, werden sie selbst "live" in die 50er Jahre versetzt, mitten auf die Kreuzung Ostwall/Ecke Rheinstraße. Und zwar mittels einer 3D-Brille, in der ein Film abläuft. Die lebensechte Darstellung verleiht dem Patienten das Gefühl, selber Teil des Films zu sein.


Möglich macht ein solches Erlebnis die "Virtual-Reality"-Technologie der Krefelder Agentur Weltenweber. "Wir haben rund 100 Bilder der Kreuzung aus den 50er und 60er Jahren in 3D umgesetzt", erklärt Projektmanager Lukas Kuhlendahl das digitale Verfahren. Dadurch entstand nach und nach am Computer das Krefeld zur Wirtschaftswunderzeit.


"Das ist ganz toll für alte Menschen", begeistert sich Dr. Caspers für das Projekt. "Die Beschäftigung mit der virtuellen Wirklichkeit steigert ihre Aufmerksamkeit und stärkt ihre Orientierung im Raum". Zudem regen die Impulse die Aktivität im Alltagsleben an. Nicht zuletzt fördern sie auch die Kommunikation. Denn die Patienten verspüren das natürliche Gefühl, über das Gesehene und ihre Erinnerungen mit Pflegern und Angehörigen zu sprechen.


Dass sich die Akutgeriatrie für das moderne Verfahren so aufgeschlossen zeigt, ist kein Zufall. Bereits 2011 hat das Hülser Krankenhaus als eine der ersten Kliniken Deutschlands eine spezielle "Memory-Station" für Demenzkranke eingerichtet. Nun wird diese digital verstärkt.


Doch Dr. Caspers warnt auch vor unrealistischen Hoffnungen: Eine Heilung der Demenz ist von der "virtual reality"-Therapie nicht zu erwarten. Ziel ist es, die "leichten Fälle" geistig anzuregen und damit den Alltag der Betroffenen zu verbessern.


Dass die Patienten wegen der beweglichen Bilder vor ihren Augen häufig den Kopf hin und her drehen, hält Dr. Caspers lächelnd für einen "Kollateralvorteil" der Therapie. Dadurch nämlich bleiben Hals und Wirbelsäule in Bewegung.


Stifter der Brille und der Computer-Hardware ist übrigens der Düsseldorfer Verein "Gaming Aid". Die ersten Patienten haben die Brille bereits aufgesetzt. Die Wirkung war ermutigend.