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Gaunerzinken beunruhigen Hausbesitzer

Gaunerzinken beunruhigen Hausbesitzer
Im Volksmund werden derartige Symbole „Gaunerzinken“ genannt, mit denen sich mögliche Kriminelle untereinander „verständigen“ und Aufschluss über das Haus bzw. deren Bewohner geben. FOTO: Mannswörther
Kempen/St. Hubert. Eine uralte Kommunikationsform erlebt ein Comeback: Auch in Kempen und Umgebung tauchen immer wieder Gaunerzinken an Häusern, Mauern oder Laternen auf. Von Peter Reuter

Oft sind sie nur sehr klein

auf Türklinken, an Fenstern oder Hauswänden angebracht, nur mit geübtem Auge kann man sie sehen - doch ihre Wirkung kann fatal sein. Die Rede ist von so genannten Gaunerzinken. Trotz moderner Kommunikation über Mobilfunk und Internet nutzen Einbrecherbanden in Deutschland immer wieder die längst vergessen geglaubten Zeichen (die Symbole stammen aus dem 12. Jahrhundert).

Bandenmitglieder spähen gezielt Wohngegenden aus, tarnen sich dabei beispielsweise als Prospektverteiler oder Bettler. Dann ein schneller Blick durchs Fenster oder die offene Tür und anschließend die Notiz für die nachfolgenden Komplizen: Eine Warnung vor rabiaten Bewohnern hier, ein Hinweis auf eine allein stehende alte Frau dort oder ein Tipp für reiche Beute und den besten Fluchtweg. Das Repertoire ist vielfältig, denn einige Banden entwickeln auch eigene Symbole. „Mein Mann hat sie nur per Zufall entdeckt. Erst nach und nach ist uns aufgefallen, dass sie hier an einigen Häusern und an den Straßenlaternen angebracht sind“, erzählt Frau S. aus St. Hubert, die nicht mit vollem Namen genannt werden möchte - wohl auch um keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich und ihr Haus zu ziehen.

„Wenn man weiß, was die Zeichen bedeuten, dann wird man schon ein bisschen vorsichtiger“, sagt sie. Die Symbole sind groß genug, gesehen zu werden, aber dezent, um nicht unnötig aufzufallen.

Das Haus von Frau S. wurde mit einem leicht gedrehten Kreuz versehen, was wohl „Hier gibt es was zu holen“ bedeutet. Auch beim Nachbarn gegenüber war ein Kreuz zu finden. „Stellt man solche Zeichen an seinem Haus oder Wohnung fest, sollten sie unbedingt uns rufen“, so die Polizei im Kreis Viersen.

Die Beamten dokumentieren die „Zinken“, jedoch weist die Polizei auch darauf hin, dass nicht alle Zeichen einen kriminellen Hintergrund haben müssen. „Es muss geprüft werden, ob es sich überhaupt um Gaunerzinken oder nur um irgendwelche Schmierereien handelt. Dabei ist auch interessant, in welchem Zeitraum die Zeichen aufgebracht wurden“, heißt es von Seiten der Polizei.

Den Anwohnern geht es nun darum, ihre Mitmenschen zu sensibilisieren. „Vielleicht schaut jeder einfach mal vor seine Tür, ob ihm etwas auffällt, und informiert dann die Polizei. Viele, mit denen ich gesprochen habe, besonders ältere Menschen, kennen diese Zeichen gar nicht“, so Frau S.

INFO

Eine Übersicht über die vielfältigen so genannten Gaunerzinken finden Sie zusätzlich auf unserer Homepage

www.extra-tipp-krefeld.de

(City Anzeigenblatt Krefeld II)
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