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Nachlese zum Steinmeier-Besuch
Selfie mit Bundespräsident

Bad in der Menge
Bad in der Menge FOTO: Samla
Krefeld. Viele Krefelder trafen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Spaziergang durch die Krefelder Innenstadt. Von der Redaktion

Der Präsident und seine Frau gingen zur Alten Samtweberei, um dort die Teilnehmer der Demokratie-Workshops zu treffen. Anschließend besichtigten sie die Kunstmuseen Haus Lange und Haus Esters. Zum Abschluss des Krefeld-Besuchs nahm Steinmeier an einer Diskussion in der Fabrik Heeder teil.

"Vielen ist nicht bekannt, dass Krefeld über herausragende Bauhaus-Architektur verfügt. Ich wünsche der Stadt Krefeld für die geplanten Ausstellungen viel Erfolg ", sagte der Bundespräsident, der die beiden von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Villen Haus Esters und Haus Lange am Samstag anlässlich des Jubiläums "100 Jahre Bauhaus"  in Augenschein nahm.

Dabei wurde er von Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer, dem Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Klaus Kaiser, und den vier örtlichen Bundestagsabgeordneten Otto Fricke, Kerstin Radomski, Ulle Schauws und Ansgar Heveling begleitet.

Anschließend schauten sich die Gäste in unmittelbarer Nachbarschaft auch die begehbare Skulptur "Pavillon" des Künstlers Thomas Schütte an, die zum Anlass des Bauhaus-Jahres entstanden ist.

Vor der Ankunft des Bundespräsidenten versammelten sich rund 150 Bürger an den beiden Villen, um das Staatsoberhaupt zu begrüßen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm sich Zeit, einige Krefelder zu begrüßen und mit ihnen kurz zu sprechen.

Anschließend führte Museumsleiterin Katia Baudin den Bundespräsidenten und die Bundestagsabgeordneten durch das Haus Lange. Aktuell laufen in den Häusern Esters und Lange die letzten Arbeiten für die Wiedereröffnung am 17. März.

Zum Bauhaus-Jahr ist ein umfangreiches Ausstellungsprogramm geplant. Zum Auftakt wird in den Mies-Villen ab dem 17. März das Ausstellungsformat "Anders Wohnen" präsentiert. Bis Januar 2020 wird die Thematik des Wohnens und Zusammenlebens in einer spannungsreich komponierten Abfolge gezeigt.

Die einzelnen Ausstellungen orientieren sich dabei an drei Themen: Utopie, Mobilität und Dystopie. Dazu sind 18 nationale und internationale Künstler, Designer und Architekten eingeladen, die Häuser als experimentelle Ausstellungs- und Diskussionsplattformen sowie als Denk- und Fabrikationslabore zu nutzen.

Ein weiterer Höhepunkt im Bauhaus-Jahr sollen der Schütte-Pavillon und das dort verortete Projekt "map 2019 Bauhaus Netzwerk Industrie" werden. Der achteckige Bau dient zum einen als Ausstellungsfläche, zum anderen als Veranstaltungs- und Begegnungsort. Die Eröffnung ist für den 7. April 2019 geplant.

Der Verein betreibt wissenschaftliche Forschungen zu den Verbindungen zwischen dem Bauhaus und der Seidenindustrie, die damals ein Hauptförderer der Künstler, Architekten und Gestalter war. Die Stadt soll entlang den Spuren der Bauhaus-Bewegung kartographiert werden: Es gibt Wege, Pfade und Führungen für die Besucher, ein digitaler Architekturführer zur Geschichte des Bauhauses soll entstehen.

Noch vor seiner Zeit als Direktor des Bauhauses hat Architekt Ludwig Mies van der Rohe die Häuser Esters und Lange entworfen. Ende der 1920er-Jahre konzipierte er die Villen mitsamt Gärten für die Direktoren der Vereinigten Seidenweberei, Hermann Lange und Josef Esters.

Das einzigartige Ensemble zählt zu den architektonischen Glanzlichtern des Neuen Bauens in Deutschland. Die Häuser sind heute Spielort der Kunstmuseen Krefeld. Dort stellten unter anderem die Künstler Yves Klein (1961), Marcel Duchamp (1965), Christo (1971), Joseph Beuys (1974), Thomas Schütte (1986), Gerhard Richter (1989), John Wesley (2004), Gregory Crewdson (2006), Andreas Gursky (2008), John Baldessari (2009), Mike Kelley (2011), Michael Craig-Martin (2013), Imi Knoebel (2015), Elmgreen & Dragset (2017) aus.

Im Westen existieren nur wenige Werke, die von Angehörigen des Bauhauses stammen, die zwischen 1919 und 1933 an den drei Standorten gelernt und gearbeitet haben. Mit den Villen und dem einzigen Industriebau von Mies van der Rohe bildet Krefeld hier eine Ausnahme.

"Krefeld ist die Bauhausstadt in Nordrhein-Westfalen. Keine andere Stadt in unserer Region ist historisch so eng mit dem Bauhaus verknüpft: Hier lebten und wirkten Ludwig Mies van der Rohe, Lily Reich, Johannes Itten, Georg Muche und rund 25 weitere Vertreter der Bewegung. Diese Verbindung wollen wir 2019 ausgiebig feiern", erklärt Oberbürgermeister Frank Meyer.

Vor allem die ansässige Samt- und Seidenindustrie suchte für ihre Produktionen und Produkte kompetente Spezialisten, die sie in den Bauhauslehrern und Schülern fand. "100 Jahre Bauhaus" wird deshalb nicht nur in Weimar, Dessau und Berlin gefeiert: Auch Krefeld setzt mit Ausstellungen und Projekten künstlerische und architektonische Akzente.