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Krise als Glücksfall
Reitschule: Rettung in letzter Minute

Krise als Glücksfall: Reitschule: Rettung in letzter Minute
Viel Platz: Caro Hell erteilt den Reitunterricht auf der Koppel. Dahinter erstrecken sich die Wiesen. Gleich an der Koppel vorbei fließt ein Nebenarm der Niers, weshalb sich der Hof auch „Reitstall an der Laan“ nennt, mit dem Zusatz „Team Caro“, Referenz an die freundliche Reitlehrerin und Besitzerin. FOTO: Müller
Krefeld / Keis Viersen . Im Oktober geriet eine Krefelder Reitschule an den Rand ihrer Existenz. Der Extra-Tipp griff damals die Not der Pferdefreunde auf und veröffentlichte einen Artikel. Die Resonanz war überwältigend. Die Krise erwies sich als Glücksfall. Von Ernst Müller

 

"Wir stehen nach der Krise besser da als vorher", sinniert Carolin Hell und lässt den Blick zufrieden über die saftigen Wiesen, die Koppel und die Pferdeställe schweifen.


Noch im Oktober hatte die junge Reitlehrerin schlaflose Nächte. Ihre private Reitschule mit acht Ponys und zwei Pferden musste die Stallungen auf einem Hof bei Krefeld verlassen. Eine Alternative war nicht in Sicht.


Der Extra-Tipp griff damals die Not der Pferdefreunde auf und veröffentlichte einen Artikel. Die Resonanz war überwältigend. Schon wenige Monate danach konnte Carolin Hell den Pachtvertrag auf einem Hof in der Nähe des Klosters Mariendonk, an der Grenze zwischen Grefrath und Kempen, unterschreiben.


Doch plötzlich musste der Umzug Hals über Kopf mitten im Winter erfolgen, weil der Reitunterricht am alten Standort kurzfristig nicht mehr möglich war. "Ich habe meine Schüler über die WhatsApp-Gruppe informiert", berichtet Carolin Hell, "und nur eineinhalb Stunden später standen alle Tiere in ihrem neuen Stall."


Diese spontane Solidaritätsaktion bei Schneefall verschlägt "Caro", wie ihre Schüler sie liebevoll nennen, noch in der Erinnerung den Atem. Sie spiegelt den Geist der kleinen Reitschule wider, in der Kinder, Jugendliche und Eltern eine Gemeinschaft bilden.
Was sich auch beim Aufbau des neuen Hofes erwies: "Die Ställe haben wir in Eigenarbeit hergerichtet", erzählt Caro stolz, "alle haben mit angefasst, die Jugendlichen wie auch die Eltern."


Doch eine große Sorge blieb: Nachts mussten die Pferde allein bleiben, weil das Wohnhaus noch nicht saniert war und Caro mit ihrer Familie noch in Krefeld-Inrath wohnte. "Das bereitete mir große Unruhe", schaut Frau Hell auf die nervenaufreibende Zeit zurück.

Im Nachhinein gesehen erwies sich die damalige Existenzkrise als Glücksfall. Die Reitschule liegt nun geradezu romantisch im Grünen, nahe den Niersauen. "Wir haben sogar die Erlaubnis der Landwirte, auf den Feldern auszureiten, wenn sie abgeerntet sind", freut sich die Reitlehrerin. Auf der Wiese wollen die Jugendlichen in den Sommerferien ein Zeltlager aufschlagen. Darauf freuen sie sich jetzt schon. Das Wohnhaus bietet nicht nur Platz für Familie Hell, sondern auch ein Aufenthaltsstübchen mit Dusche für die Reitschüler. "Hier machen sie sogar Hausaufgaben", lacht die Besitzerin.


Besonders freut sie sich über die offiziellen Anerkennungen, die sie in den wenigen Wochen des Betriebes erhalten hat: Der Pferdesportverband Rheinland hat den Reiterhof zertifiziert. Die Reitervereinigung FN mit Sitz in Brandenburg zeichnet Caro Hell im Juni als eine der besten Reitlehrerinnen Deutschlands aus. Ende gut, alles gut.