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Raubmord
Mutmaßliche Mörder von Werner L. festgenommen

Mutmaßliche Mörder von Werner Landscheidt festgenommen
FOTO: Samla
Krefeld. Krefelds spektakulärster Mordfall der vergangenen Jahre ist aufgeklärt: Die Polizei hat drei Männer festgenommen, die DNA-Spuren am Tatort hinterlassen haben - gleichzeitig wurde eine Bande zerschlagen, die gezielt Senioren ausgeraubt haben soll. Von Jan Popp-Sewing

Insgesamt hat die Polizei in mehreren Großaktionen in Krefeld, Düsseldorf und Solingen zehn Personen festgenommen. Es wurden Wertgegenstände im Wert von tausenden Euro sichergestellt.

Die drei Mordverdächtigen sind 35, 40 und 42 Jahre alt. Es handelt sich um Polen, die legal in Deutschland leben.

Werner L. (79) war Ende Oktober mit Klebeband umwickelt und erstickt in seiner Wohnung an der Drießendorfer Straße gefunden worden. Es war ein Raubmord.

Die Ermittlungen gestalteten sich äußerst kompliziert. Die DNA der mutmaßlichen Täter fand sich auf dem Klebeband, mit dem der getötete Rentner gefesselt war, an seinem Ärmel (einer der Täter hielt ihn hier fest) und auf einem zerissenen Putzlappen. Die eine Häfte davon steckte in der Kehle des Toten.

Dass die DNA-Spuren überhaupt ausgewertet werden konnten, ist der Kooperation mit dem Kriminaltechnischen Institut des Landes Hessen zu verdanken. "Dabei wurde durch Dr. Harald Schneider eine innovative Methode angewendet. Wir hätten die Tat sonst nicht klären können", sagte Gerhard Hoppmann, der Leiter der Mordkommission.

Aus der Bevölkerung waren nach dem Fahndungsaufruf zwar 168 Hinweise eingegangen, die jedoch nicht zu den Tatverdächtigen führten.

Die hessischen Kriminalisten halfen zunächst bei der Identifizierung eines Verdächtigen: Jerzey S. (40) aus Solingen. 

Als sich die Ermittler auf den Polen konzentrierten, stießen sie auf eine Bande, die Senioren ausraubte. Jerzey S. soll Ende September bei einem Einbruch in der Wohnung einer 83-jährigen Krefelderin beteiligt gewesen sein.

An ihre Opfer kamen die Kriminellen über Kleinanzeigen. Senioren, die etwas verkauften oder Hilfe suchten, wurden offenbar gezielt von weiblichen Bandenmitgliedern angesprochen. Die Frauen baldowerten die Wohnungen aus - die Männer brachen ein. Das passierte auch in Gegenwart des Opfers.

Dabei sei auch "moderate Gewaltanwendung", wie sich Oberstaatsanwalt Axel Stahl ausdrückt, üblich gewesen. Über Telefonüberwachung und Handydaten ermittelten die Behörden weitere Verdächtige.

Während der Überwachungsmaßnahmen beging die Bande weitere Straftaten: Am 10. Januar sollen sie eine 83-Jährige in Mülheim/Ruhr überfallen haben. 

Ihr Trick: Eine Frau aus der Bande bot der Seniorin an, ihren Einkauf nach Hause zu tragen. Dabei öffnete sie den Komplizen die Tür. Die Rentnerin wehrte sich mit Krückstock-Schlägen, konnte das Verbrechen aber nicht verhindern.

Da weitere Überfälle drohten, entschloss sich die Polizei am Montag zum Zugriff. 80 Beamte gingen gleichzeitig in Krefeld, Düsseldorf und Solingen vor.

Aussagen der Festgenommenen brachten die Namen von zwei weiteren Polen ins Spiel, die mit den Trickdiebstählen nichts - aber mit dem Mord an Werner Landscheidt - zu tun haben sollen.

Die Polizei nahm die beiden auf der Neuen Linner Straße und der Marktstraße fest. Ihre DNA stimmt mit Proben vom Tatort überein. Sie werden heute dem Haftrichter vorgeführt. 

Staatsanwalt Stahl ist überzeugt, dass die Beweise für eine Verurteilung wegen Mord ausreichen. Den drei Männern droht damit lebenslange Haft.

Weiteren Mitgliedern der Bande werden schwerer Raub und Diebstähle vorgeworfen.       

Die sichergestellten Wertgegenstände konnten noch längst nicht alle den Verbrechen der Bande zugeordnet werden. Es kann gut sein, dass nun auch weitere Trickdiebstähle zu Lasten von Senioren aufgeklärt werden können.    

Hier die Pressekonferenz (26 Minuten):