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Digitalisierung in der Krefelder Wirtschaft
Industrie 4.0: "Dumme Dinge smart machen"

Digitalisierung in der Krefelder Wirtschaft: Industrie 4.0: "Dumme Dinge smart machen"
Digitale Welt: Krefelds oberster Wirtschaftsförderer Eckart Preen und IHK-Innovationsexpertin Elke Hohmann unterstützen die heimische Industrie auf ihrem Weg in die digitale Zukunft. FOTO: Müller
Krefeld . Ein Schlüsselwort geistert durch die Wirtschaft: "Industrie 4.0". Wie steht es damit in Krefeld? Von Ernst Müller

 

"Der Niederrhein hat sich auf den Weg gemacht", freut sich Elke Hohmann, Bereichsleiterin Innovation bei der IHK. Rund 60 Prozent der heimischen Unternehmen beschäftigen sich laut IHK-Umfrage intensiv mit der Digitalisierung.


Das betrifft nur zum Teil die Umorganisation zu einer "papierlosen" Firma, in der alle Kommunikation elektronisch verläuft.


Wichtiger noch ist die Digitalisierung der Produktion selbst. Maschinen fertigen weitgehend selbstständig maßgeschneiderte Produkte, nachdem sie mit den entsprechenden Daten gefüttert worden sind. Die Dateien dazu können von Partnerfirmen übertragen worden sein, die ihrerseits die Wünsche des Kunden in die Dateien eingespeist haben.


 So verläuft "Industrie 4.0". Elke Hohmann drückt das Prinzip anschaulicher aus: "Dumme Dinge smart machen." Wie es sich in den einzelnen Betrieben auswirkt, ist durchaus unterschiedlich: "Für jedes Unternehmen bedeutet 4.0 etwas anderes."


Gemeinsam ist allen nur, dass sie sich vor der digitalen Zukunft kaum werden drücken können. Hohmann nüchtern: "Der Markt verlangt es."


Deshalb bieten IHK und die Krefelder Wirtschaftsförderungsgesellschaft WFG viel Information an: "Wir haben die Initiative Innovationspartner Niederrhein gestartet", berichtet WFG-Geschäftsführer Eckart Preen. Dabei treten als Berater der Unternehmen auch die hiesigen Hochschulen Niederrhein und Rhein-Waal mit ihrer technologischen Kompetenz auf. Die IHK bringt aber auch Praktiker aus Firmen, die bereits auf "4.0" arbeiten, mit interessierten Unternehmern zusammen. Sogar Vertreter aus den USA, China oder dem Baltikum, wo "4.0" eine große Rolle spielt, kommen an den Niederrhein.


Leider jedoch hapert es in Deutschland nicht selten an der Infrastruktur. Es fehlen die leistungsstarken Leitungen für die großen Datenmengen. "2011 haben wir in Fichtenhain eine Kooperation mit einem Internetanbieter geschlossen", verweist Eckart Preen auf konkrete Maßnahmen der WFG, "seitdem höre ich dort keine Klagen mehr." Auch im Gewerbegebiet Uerdinger Norden konnte die WFG konkret helfen: Sie koordinierte die Bedürfnisse von rund 20 Firmen, woraufhin die Zugangskosten für jede einzelne erheblich sanken.


Die Stadt Krefeld bemüht sich derzeit um einen Breitbandkoordinator. Die Digitalisierung soll auch von Seiten des Rathauses entschieden voran getrieben werden.


Am Beginn der Kette steht übrigens jeder Privatmann. Internet, Smartphone und App gehören heute zur selbstverständlichen Ausrüstung im Alltagsleben. Wie kann es da in der Industrie anders sein?


Der Extra-Tipp wird in Zusammenarbeit mit der Initiative "Zukunft durch Industrie" in loser Folge Krefelder Unternehmen vorstellen, die sich der Digitalisierung besonders verschrieben haben. Dadurch gewinnen die Leser Einblick in die Wege, die unsere heimische Industrie in Richtung Zukunft beschreitet.

 

Info: Arbeitsplätze in der digitalen Welt

Die Digitalisierung wird die Sozialstruktur in den Betrieben massiv beeinflussen. Manche Arbeitsplätze fallen weg, andere entstehen neu. "Die Produktionshallen werden aber nicht menschenleer", prophezeit Elke Hohmann. Der Markt verlange in Zukunft immer individuellere Produkte. "Um diese herzustellen, braucht es das Zusammenspiel von Mensch und Maschine". Nach ihrer Einschätzung bedroht die Digitalisierung auch keineswegs vor allem gering qualifizierte Arbeitsplätze: "Die gering qualifizierten Arbeitskräfte können durch Assistenzsysteme auch unterstützt werden." Auf jeden Fall aber wird das Thema berufliche Weiterqualifizierung an Bedeutung gewinnen.