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Fetzige Hommage an den VfL
Borussen-Revue reißt Publikum von den Sitzen

Fetzige Hommage an den VfL: Borussen-Revue reißt Publikum von den Sitzen
Musik und Spiel: Vor Videowand und Flaggendemo unterstreicht der Fanclub (v.l. Ronny Tomiska, Michael Ophelders, Paul Steinbach, Philipp Sommer) stimmenstark seine unverbrüchliche Solidarität. FOTO: Stutte
Krefeld . Im Stadttheater feierte die Fußball-Revue "Wir sind Borussia" ihre Krefelder
Premiere.
Von Ernst Müller

Schon vor Beginn der Vorstellung ist an diesem Theaterabend manches ungewöhnlich:


Durchs Foyer schlendern Damen in T-Shirts mit grünen Fahnen in der Hand, neben den üblichen Krawattenträgern erscheinen selbst gesetzte Herren mit Fan-Schal um den Hals und auffallend viele Kinder beleben das Publikum. Ein Hauch von Stadion-Feeling ist spürbar.


 Denn auf der Bühne geht anschließend die Musik-Revue "Wir sind Borussia" ab. Eine fetzige Hommage an den Fußball im Allgemeinen und den Gladbacher VfL im Besonderen. Mitsingen und Fahne schwenken erwünscht, wie im echten Stadion.


So wird das Publikum zum Bestandteil der Bühnenfiktion. Stadionsprecher Torsten Knippertz animiert denn auch vor einer großflächigen Videoeinspielung aus dem Borussen-Park zum Anfeuern. Das klappt auf Anhieb. Krefeld ist auf Zack.


Die Rahmenhandlung der Revue spielt in der Kneipe des Borussen-Fanclubs und entspricht einer Boulevard-Komödie mit Herz und Schnauze. Es geht um Vereinsrivalität und natürlich um Liebe. Gesprochen mit leicht rheinischem Akzent ohne Angst vor Kraftausdrücken. Authentisch eben.


Aus dieser Rahmenhandlung klinkt Regisseur Martin Maier-Bode immer wieder Episoden aus, die als eigenständige Musik- und Tanznummern die eigentlichen Highlights der Revue bilden:


Da intoniert die Band Willi Haselbek mit sattem Sound den alten Disco-Hit "Stayin´ alive", der den Schauspielern (und dem Publikum) gleich kräftig in die Beine fährt. Die Musiker sind sichtbar auf der Bühne platziert und tragen stilsicher Borussen-Trikots.


Wehmütig wird es im Saal, als Joachim Henschke zu den Bildern verstorbener Vereins-Legenden wie Hennes Weisweiler das gefühlvolle "Bridge over troubled water" singt. Bei einzelnen Memory-Fotos brandet gerührt Achtungsbeifall auf. Will sagen: Wir Fans haben Euch nicht vergessen.


 Köstlich gerät die Parodie von Bruno Winzen und Christopher von Lerchenfeld auf das Kommentatoren-Duo Günter Netzer und Gerhard Delling. Mit Netzer-Mähne und blasierter Mimik haut Winzen Gag um Gag heraus: "Die Bayern konsumieren Spieler, wir Borussen produzieren sie." Das Publikum jault zustimmend auf.


Zur Steigerung des Spaßes gesellt sich Paul Steinbach in Lothar- Matthäus-Attitüde hinzu und verulkt kongenial dessen Sprechblasen.


Bei so viel Witz und Tempo, die das Stück bietet, dauert es nach seiner Beendigung keine Minute, bis sich die Zuschauer von den Sitzen erheben und stehend applaudieren. Voller Begeisterung nötigen sie Schauspieler und Musiker zu einer Zugabe. Selten sah man Theaterbesucher so beschwingt nach Hause gehen.


Weitere Aufführungen:
28.,29. September; 13.,29. Oktober; 28. November; 27., 31. (17 Uhr) Dezember; 10., 20. (18 Uhr) Januar.
Die Vorstellungen beginnen in der Regel um 19.30 Uhr. Das Stück dauert mit Pause zwei Stunden, 50 Minuten.
Karten an der Theaterkasse, Tel.: 02151/805-125.