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Weniger Arbeitslose, Fachkräftemangel kündigt sich an
Arbeitsmarkt: Mittelstand als Jobmotor

Weniger Arbeitslose, Fachkräftemangel kündigt sich an: Arbeitsmarkt: Mittelstand als Jobmotor
(v.l.) Dr. Ralf Sibben (Unternehmerschaft Niederrhein), Dirk Strangfeld (Arbeitsagentur) und Thomas Ziegler (DGB) stellten den Arbeitsmarktbericht für 2017 vor. FOTO: jps
Krefeld/Kreis Viersen. Mehr Jobs, weniger Arbeitslose, steigende Nachfrage nach Fachkräften. Die Jahresbilanz der Arbeitsagentur  Krefeld/Kreis Viersen fällt positiv aus. Wermutstropfen: Die Industrie baut weiter hunderte gut bezahlte Stellen ab und bildet zu wenig aus. Neue Jobs entstehen vor allem in schlechter bezahlten Sektoren wie der Leiharbeit. Von Jan Popp-Sewing

91.000 sozialversicherungspflichtige Stellen gibt es aktuell in Krefeld, 89.000 sind es im Kreis Viersen, zusammen also 180.000. Das sind gut 6000 mehr als noch vor einem Jahr, berichtet Dirk Strangfeld, Leiter der Arbeitsagentur Krefeld/Kreis Viersen.

21.805 Bürger waren in Krefeld und im Kreis arbeitslos gemeldet, 643 weniger als vor einem Jahr. Die Quote sank von 8,1 auf 7,8 Prozent. Krefeld steht dabei deutlich schlechter da als der Kreis: In der Seidenstadt (aktuell 12.000 Arbeitslose) sank die Quote lediglich von 10.2 auf 10,1 Prozent.

Im Kreis ging die Erwerbslosigkeit um 0,4 Prozentpunkte auf 6.1 Prozent (9800 Arbeitslose) zurück. In Kempen/Tönisvorst liegt sie sogar nur bei 5 Prozent.

Zurzeit sind dem Arbeitsamt in Krefeld 596 offene Stellen gemeldet, im Kreis 533. 

Am Niederrhein wird weiter zu wenig ausgebildet: In Krefeld bewarben sich in diesem Jahr 2100 Jugendliche auf 1515 Stellen. Und nicht jeder Jugendliche ist zudem für seinen Traumjob geeignet. Thomas Ziegler (DGB) appelliert an die Firmen mehr auszubilden und Jugendliche, die die Anforderungen nicht zu 100 Prozent erfüllen, intern weiterzubilden.

Da sich die Geburtenstarken Jahrgänge der Rente nähern, wird das Problem Fachkräftemangel drängender: Die Zahl der gut ausgebildeten Fachkräfte, die in Ruhestand gehen, wird in den kommenden Jahren sprunghaft steigen. Mit den aktuellen Ausbildungszahlen werden die Lücken, die sie hinterlassen, bald nicht mehr zu schließen sein.  

Während die Industrie Kapazitäten abbaut, wirkt der Mittelstand als Jobmotor. Im Schnitt gehen in Krefeld pro Jahr gut bezahlte 1000 Industrie-Arbeitsplätze verloren. Allein Stahl- und Elektroindustrie strichen im vergangenen Jahr 650 Stellen. Im Gegenzug nahm die Zahl der Leiharbeiter um 800 zu. 48.000 Menschen haben einen Minijob.