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Syrisches Flüchtlingsmädchen hat große Pläne
Alaa startet in ein neues Leben

Syrisches Flüchtlingsmädchen hat große Pläne: Alaa startet in ein neues Leben
Elektronisches Einsortieren der Medikamente: Apothekerin Mareile Schlebes freut sich, wie selbstständig und zuverlässig die junge Syrerin Alaa schon mithelfen kann. FOTO: Müller
Krefeld . Vor zwei Jahren floh die damals 16-jährige Alaa aus Damaskus. Jetzt strebt die Syrerin ein Medizinstudium an. Von Ernst Müller

 

"Wenn alle Praktikanten so engagiert wären..." Mareile Schlebes lässt den Satz offen. Doch der Blick der Apothekerin sagt alles: Praktikantin Alaa hat die Chefin schwer beeindruckt.


Alaa Jaouni ist Schülerin des Berufskollegs Kaufmannsschule, 18 Jahre alt und kommt aus Syrien. Seit Ende 2015 ist sie in Deutschland. Ihr Deutsch ist noch nicht perfekt, aber sie kann sich gut verständlich machen.


"Sie ist sehr intelligent", bescheinigt ihr Frau Schlebes. Strebsam ist sie ebenfalls. "In Damaskus habe ich das Gymnasium besucht und stand bereits im Abitur", erzählt die junge Asylbewerberin. Doch dann kam ihr plötzlich die Flucht dazwischen. Mit der Mutter emigrierte sie über die Türkei nach Europa. Die älteren Geschwister sind in Bayern gelandet.


Ärztin möchte Alaa werden. "Erst mal das Abitur schaffen", sagt sie, "dann würde ich gern studieren." Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg. Größte Hürde ist die Sprachkenntnisse. Auf der Kaufmannsschule nimmt Alaa fleißig an entsprechenden Sprachkursen teil und bildet sich auch privat weiter. Nicht umsonst war es gerade ihr Sprachtrainer, ein ehemaliger Lehrer, der sie der Apotheke am Moritzplatz als Praktikantin empfahl. Das Berufskolleg stellte dazu den offiziellen Antrag wie bei jedem anderen Schüler auch.


Mareile Schlebes hat ihre Zusage nicht bereut: "Die Schülerin ist sehr engagiert", freut sie sich, "sie sortiert Waren ein, füllt Regale auf und fegt auch schon mal die Räume aus". Eine echte Hilfe.


Wenn Alaa wollte, könnte sie hier sogar eine Ausbildung machen. Bei so viel Einsatzfreude hätte Apothekerin Schlebes nichts dagegen. Doch Alaa hat sich weiterführende Ziele gesetzt.


Dennoch sind die drei Wochen in der Apotheke eine wertvolle Zeit für sie. Wo sonst als bei der praktischen Arbeit könnte sie deutsches Leben besser kennen lernen. Und wie sonst sollte sie Deutsch lernen, wenn nicht im täglichen Umgang mit Deutschen.


 Mareile Schlebes und die anderen Kollegen von der Apotheke haben einen ganz praktischen Beitrag geleistet, einen jungen Menschen zu fördern; ein Vorhaben, das im Falle von Alaa offenkundig eine Zweibahnstraße ist.