Adam Matuschyk: "Ein Sieg muss her und dann sehen wir was am Ende rauskommt"

Adam Matuschyk: "Ein Sieg muss her und dann sehen wir was am Ende rauskommt"

Es ist nicht so einfach Adam Matuschyk vom KFC Uerdingen richtig einzuordnen. Geboren wurde er in Polen, aufgewachsen ist er im Saarland und an Köln hat er sein Herz verloren. Vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC spricht er über "Heimat" und die Englische Woche, die heute Abend mit dem Spiel gegen Karlsruhe beginnt

Adam, Du hast lange in Köln gelebt, bist in Düsseldorf aufgestiegen. Geboren wurdest Du aber in Polen, aufgewachsen bist Du im Saarland. Was würdest Du denn als Deine Heimat bezeichnen?

Adam Matuschyk: Das ist schwierig zu sagen, aber Heimat ist schon da, wo man groß geworden ist und auch das Fußballspielen gelernt hat, also in meinem Fall Merzig im Saarland. Aber klar, ich bin schon mit 14 Jahren nach Köln gewechselt, da ist die Domstadt schon zur zweiten Heimat geworden. Da wohne ich, da habe ich auch meine Frau kennengelernt, da gehen unser Sohn und meine Tochter zur Schule.

Lukas Podolski ist im gleichen Ort (Gliwice) geboren wie Du, in Köln haben sich eure Wege gekreuzt. Hast Du noch Kontakt mit ihm?

Damals sind viele Menschen aus der Region in Polen nach Deutschland gezogen, dass Lukas auch aus Gliwice kommt habe ich erst später erfahren. Aber Kontakt gibt es meistens nur lose. Eben wie das oft im Fußball ist: Wenn wir uns sehen, dann freuen wir uns und quatschen, aber mehr auch nicht.

Hast Du damals viel von ihm lernen können?

Auf jeden Fall. Ich bin damals in die C-Jugend gekommen, da war er schon in der A-Jugend. Ich habe ihn natürlich intensiv beobachtet und auch Kontakt gehabt. Es war einfach schon früh zu erkennen, dass er ein ganz besonderer Spieler ist.

Im Gegensatz zu ihm hast Du Dich für die polnische Nationalmannschaft entschieden. Hat sich da Dein polnisches Herz durchgesetzt?

Meine komplette Familie, also Großeltern, Tanten und Onkel, sind damals alle in Polen geblieben. Wir sind jedes Jahr mehrmals rübergefahren, dadurch ist der Kontakt zu Polen auch immer intensiv gewesen. Deswegen waren auch die letzten anderthalb Jahre in Polen schön. Aber im Großen und Ganzen war es eine Ehre für mich, für das Land meiner Familie zu spielen.

20 Länderspiele hast Du gemacht. Eins davon bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine. Dein Karriere-Höhepunkt?

Es war definitiv ein —Highlight und hat mit der Heim-EM natürlich auch super zusammengepasst. Es war schon ein Traum für die Nationalmannschaft zu spielen. Dann noch bei so einem Turnier im eigenen Land dabei zu sein hat das noch mal getoppt. Ein Erlebnis, das man nicht vergisst.

Mittlerweile bist Du bei unserem KFC gelandet. Wie kam es zu dem Wechsel aus der polnischen 1. Liga?

Das war alles sehr kurzfristig und ging sehr schnell innerhalb weniger Stunden. Ich war zu der Zeit ebenfalls in der Türkei im Trainingslager und wurde von meinem Berater kontaktiert. Das Angebot war natürlich gut. Dazu kam aber auch, dass meine Frau und meine Kinder zuletzt nicht mehr mit in Polen waren. Dann wieder in diese Region zu kommen hat dann einfach auch privat sehr gut gepasst.

Du hast dem Team als defensiver Mittelfeldspieler sofort Deinen Stempel aufgedrückt. Aber es lief bisher punktetechnisch bisher noch nicht viel zusammen. Wieso Deiner Meinung nach?

Schwer zu sagen, die Negativentwicklung hatte ja bereits vor der Winterpause begonnen. Über das Spiel in Halle brauchen wir am besten gar nicht reden, das war eine Katastrophe. Das darf auf keinen Fall noch mal passieren. Aber wir hatten auch Spiele dabei, da haben wir sehr gute Ansätze gezeigt. Ich weiß nicht ob da nicht einfach nur ein Ticken mehr Selbstbewusstsein und das nötige Quäntchen Glück gefehlt hat. Wir müssen uns jetzt mal selbst belohnen.

Foto: Stefan Brauer

Es wurde schon der Vorwurf laut, Euch würde es an Teamgeist und Mentalität fehlen. Was sagst Du dazu?

Das sehe ich nicht so, auch wenn ich noch nicht lange da bin. Aber die Mannschaft ist stabil, der Zusammenhalt ist da. Dass man diese Kritik nach so einem Spiel wie in Halle äußert kann ich aber verstehen. Aber wir haben Teamgeist und Mentalität und das müssen wir den Fans in den nächsten Spielen zeigen.

Wie kommt Ihr wieder in die Erfolgsspur? Ausgerechnet gegen ein Team wie Karlsruhe?

Nach sieben negativen Spielen fehlt einfach mal ein kleines Erfolgserlebnis. Das ist einfach gesagt. Aber wenn wir die Arbeit auf den Platz bringen und ein bisschen Spielglück haben, dann können wir jeden Gegner schlagen. Die Liga ist so ausgeglichen, da ist einiges drin.

Dann müsste aber langsam mal eine Serie her. Könnte Karlsruhe das Spiel sein, in dem ihr den Bock umstoßt?

Von einer Serie will ich jetzt noch gar nicht sprechen, ein Sieg wäre schon mal der richtige Schritt. Jeder meint jetzt "da kommt Karlsruhe, da gibt es für die die nächste Klatsche". Aber das sehe ich eher umgekehrt. Manchmal ist es besser gegen starke Gegner zu spielen, um dann erst recht alles rauszuhauen.

Siehst Du Euch in dem Spiel eher als Außenseiter? Ist das eine Rolle mit der Ihr vielleicht besser klarkommt?

Ja genau, so etwas kann für die Köpfe sehr hilfreich sein. Man geht nicht mit ganz so viel Druck in die Partie und kann etwas befreiter aufspielen.

Vor den drei Spielen innerhalb einer Woche seid Ihr immer noch auf Schlagdistanz zum Relegationsplatz. Ist der Aufstieg immer noch das Ziel?

Klar, die Saison ist noch lang, da kann einiges passieren, aber in alle Richtungen. Aber wir tun gut daran im Moment gar nicht auf die Tabelle zu gucken, einen Sieg einzufahren und dann weiter von Spiel zu Spiel zu schauen. Und dann sehen wir mal, was am Ende rauskommt.

Innerhalb einer Woche drei Spiele…Die Englische Woche könnte aber schon entscheidenden Charakter haben, oder?

Das denke ich auch. Danach sehen wir, in welche Richtung es geht. Deswegen ist das eine sehr wichtige Woche für uns in der wir jeden Punkt absolut brauchen können und mitnehmen wollen.

Mehr von Mein Krefeld