1. Moers Niederrhein

Kostenloser Schiri-Lehrgang vom FVN

Kostenloser Lehrgang : Ohne Schiri geht es nicht!

Der Fußballverband Niederrhein (FVN) ist auf der Suche nach neuen Schiedsrichtern und Schiedsrichterinnen. Am kommenden Wochenende startet ein kostenloser Lehrgang. Boris Guzijan, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses (VSA), hat im Vorfeld mit uns übers Schiedsrichterwesen gesprochen.

Wer Fußball liebt, eine gewisse Fitness mitbringt und sich der Gerechtigkeit verpflichtet fühlt, sollte darüber nachdenken, Schiri zu werden, findet Boris Guzijan. Der 47-Jährige hat bis Oberliga gepfiffen, stand als Assistent in der Regionalliga an der Seitenlinie und ist seit 2022 Vorsitzender des VSA.

 Boris Guzijan ist Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, Mitglied des Präsidiums und Stv. Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses WDFV.
Boris Guzijan ist Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, Mitglied des Präsidiums und Stv. Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses WDFV. Foto: FVN

Der nun startende Hybrid-Lehrgang ist für Personen ab 12 Jahre: An drei Online-Terminen schaffen sich die Teilnehmenden das komplette Regelwerk drauf; ein Präsenztermin ist anschließend in der Sportschule Wedau nötig, um einen Regelkunde- sowie einen Fitnesstest zu absolvieren. Gelaufen werden müssen 2000 Meter in 12 Minuten. Danach hat man den Schirischein in der Tasche. Mit dem Erwerb verpflichtet man sich, an den monatlichen Schulungsterminen im Kreis teilzunehmen und natürlich  auch Spiele zu leiten. Neulingen steht im Rahmen eines Patensystems dort zunächst ein erfahrener Kollege zur Seite.

Alle Schiris sammeln ihre ersten Erfahrungen im Jugend- oder im unteren Kreisligabereich. „Auch unsere Bundesligaschiedsrichter haben ganz klein angefangen“, erklärt Boris Guzijan. Die Besten haben jeweils die Chance aufzusteigen - bis Bezirksliga liegt dies im Ermessen der Kreise, ab Landesliga beobachtet der Verband und führt Tabellen - inklusive Auf- und Abstieg. Die sportlichen Anforderungen steigen dann mit dem Fifa-Hit-Test ebenfalls: 6 x 40 Meter in jeweils 6 Sekunden plus 40 x 75 Meter in jeweils 15 Sekunden gilt’s zu packen. Und was verdient man? In der Kreisliga gibt’s eine Aufwandsentschädigung, in der Landesliga 60 Euro pro Spiel - ein Beruf wird’s für die wenigsten der 53.600 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in Deutschland.

2.800 Schiris sind am Niederrhein aktiv. Die Neugewinnung sei nicht das Problem, sagt Guzijan, doch die eigentliche Ausbildung beginne mit der Praxis, in den ersten drei Jahren trenne sich die Spreu vom Weizen. „Ein guter Schiedsrichter zu werden, ist ein Prozess, der viel Erfahrung braucht“, weiß der VSA-Vorsitzende. Und genau das ist es, was die Tätigkeit gleichzeitig so interessant mache: „Schiedsrichter durchlaufen eine wahre Persönlichkeitsentwicklung mit Attributen, die auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel im Beruf, äußerst gefragt sind: Durchsetzungsvermögen, Stressresistenz, Pünktlichkeit – das hilft im Leben.“ Ein gutes Beispiel ist Vorzeigeschiri Deniz Aytekin: Der ist zu Beginn seiner Karriere einer der unbeliebtesten Schiedsrichter im Profifußball gewesen, ruft Guzijan in Erinnerung: „Doch er ist daran gewachsen und hat es mit der Erfahrung von vielen 100 Spielen an die Spitze geschafft – nicht, weil er die Regelkunde am besten umsetzt, sondern aufgrund seiner Persönlichkeitsentwicklung.“

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Und die Schiedsrichtertätigkeit ist eine harte Schule, denn oft ist es nicht einfach, Gerechtigkeit walten zu lassen, wo die Vereinsbrille den Blick trübt. Gleichzeitig sind Schiedsrichter auch nur Menschen, die mal einen guten und mal einen schlechten Tag haben. Fehler mache niemand absichtlich, betont Guzijan und fordert: „Ein Spieler kann sich auch mal hinter seiner Mannschaft verstecken, der Schiedsrichter steht ganz alleine da. Lasst ihn uns doch besser schützen.“ Schulungsangebote und der ständige Austausch in der „Schiedsrichterfamilie“ sollen helfen – auch sich ein dickeres Fell zuzulegen, denn ohne gehe es nicht. Der Ausschuss arbeitet aber auch an konkreten Handlungsmöglichkeiten, so möchte sich der FVN in der Rückrunde an der Aktion „Stop!“ beteiligen. Hier bekommt der Schiedsrichter die Möglichkeit, das Spiel für 5 Minuten zu unterbrechen, wenn er merkt, dass die Stimmung zu kippen droht. Die Mannschaften müssen für diese Zeit in ihrem Strafraum bleiben, die Bank inklusive Trainerstab an der Außenlinie – in der Hoffnung, dass die Emotionen wieder runterkochen. Zwei solcher Unterbrechungen sollen möglich sein, bei der dritten würde der sofortige Spielabbruch folgen. Im württembergischen Verband hat es seit Einführung von „Stop!“ keinen Spielabbruch mehr wegen Gewalt gegen Schiedsrichter gegeben.

Die zunehmende Respektlosigkeit, die ja nicht nur auf dem Fußballplatz um sich greife, halte das natürlich nicht auf, aber man dürfe bei der ganzen negativen Berichterstattung nicht aus den Augen verlieren, dass wir immer nur über einen sehr geringen Prozentsatz sprechen würden, erklärt Guzijan: „Verbale und körperlich Gewalt hat zugenommen. Es sind zudem häufiger Zuschauende beteiligt, die mit Spielern oder Trainern aneinandergeraten. Aber der Großteil aller Beteiligten will nach wie vor einfach nur Fußball spielen und gucken. Die Spielabbruchsquote liegt bundesweit bei 0,08%“, betont Guzijan. Beim Fußball darf man sich aufregen, kritisieren und diskutieren: „Solange alles oberhalb der Gürtellinie bleibt, ist das vollkommen okay. Denn Emotionen gehören auch für uns Schiris dazu.“

Hybrid-Neulingslehrgang:
27.01.2024, 10-14 Uhr (online)
30.01.2024, 17.30-20 Uhr (online)
01.02.2024, 17.30-20 Uhr (online)
03.02.2024, 10-13.30 Uhr (Sportschule)
Anmeldung unter www.werdeschiedsrichter.de oder per Mail: dransfeld@fvn.de