1. Krefeld

Die Anfänge der Konsumkultur im Kaiser-Wilhelm-Museum

Wie sich Industrie und Kunst treffen : Anfänge unserer Konsumkultur

Unter dem Titel „Die große Verführung“ präsentiert das Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld eine frühe Sammlung von Alltagskunst. Sie hinterfragt, was eigentlich Geschmack ist und wie er sich bildet. Die Besucher dürfen per Mausklick mit abstimmen.

Kunst ist mehr als Malerei. Auch unser Alltag lebt auf, wenn wir von schönen Dingen umgeben sind. Wenn die Tasse, aus der wir trinken, hübsch verziert ist. Wenn das Werbeplakat für eine Sportveranstaltung pfiffig gestaltet ist.

Diese „angewandte Kunst“ gehörte 1899 zur Gründungsidee des Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museums.  Und so erwarb der Förderverein des KWM vor gut 100 Jahren eine einzigartige Sammlung: Tapeten, Werbeplakate, Keramiken, Fotografien und Schrifttypen des damaligen „Deutschen Museums für Kunst in Handel und Gewerbe“.

Dessen Gründer Karl Ernst Osthaus wollte mit seiner Sammlung den Geschmack der breiten Bevölkerung schulen; ihren Sinn für die Ästhetik des Alltags ausbilden. Und zwar im Geiste einer neuen, modernen Zeit.

Die Kuratorinnen Dr. Magdalena Holzhey und Dr. Ina Ewers-Schultz haben drei Jahre lang diesen „verborgenen Schatz“ des Kaiser-Wilhelm-Museums aufgearbeitet. Jetzt präsentieren sie ihn in einer großen Ausstellung auf der zweiten Etage des Hauses am Joseph-Beuys-Platz.

Zu sehen sind großflächige Werbeplakate für Autos (heute Oldtimer), Backpulver, Briketts oder auch Zeitschriften. Proben von Tapeten geben Einblicke in die bevorzugten Muster zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Fotos zeigen Architektur der Sachlichkeit. Filigran gestaltete Gebrauchsgegenstände  und Dekoartikel grenzen die damals moderne Wohnungseinrichtung gegen überladenen Kitsch der „alten Zeit“ ab.

Die Besucher können auch selbst tätig werden. Digitale Aufbauten erlauben es ihnen, die auf Leinwand  projezierten Werbeposter per Mausklick zu bewerten und die Bewertungen der anderen Besucher abzufragen.

Dr. Holzhey und Dr. Ewers-Schultz haben nicht alle 4000 Exponate der Sammlung ausgestellt, sondern streben durch gezielte Auswahl und Einordnung eine Reflexion über grundlegende Stilfragen an: was ist eigentlich guter Geschmack und wie bildet er sich heraus?

Dazu gibt die Sammlung von Karl Ernst Osthaus beste Anregung. Denn sie spiegelt die Anfänge unserer Konsumkultur mit ihrer Verbindung von Industrie und Design wider. Die Designer zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollten weg vom rückwärtsgewandten Historismus des 19. Jahrhunderts. Nüchternheit und  Klarheit waren die neue Kriterien, aber auf der Grundlage künstlerischer Ästhetik.

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 „Das Deutsche Museum lieferte die Vorbilder für die ästhetische Neugestaltung des Alltags“, erklärt Dr. Holzhey, „auf ihren Grundlagen baute später das Bauhaus auf.“

Das „Deutsche Museum“ hatte kein eigenes Haus für seine Sammlung von Alltagskunst. Im Essener Folkwangmuseum war lediglich eine Zentrale eingerichtet. Die Sammlung selbst wurde auf Wanderausstellungen gezeigt. Und zwar nicht in etablierten Museen, sondern in Rathäusern und Firmengebäuden. Denn Gründer Osthaus, ein wohlhabender Mäzen, wollte nicht zuletzt die „Macher“ in Industrie und Gesellschaft erreichen.

Dahinter stand auch ein wirtschaftlicher Gedanke: das Label „Made in Germany“ sollte zu einem Qualitätsnachweis werden. Ein Ziel, das bekanntlich erreicht wurde.

Wie hoch diese einzigartige Designsammlung denn auch im In- und Ausland eingeschätzt wird, unterstreicht KWM-Leiterin Katja Baudin mit einer persönlichen Erinnerung: „Dieser verborgene Schatz war einer der Gründe, mich hier im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum als Leiterin zu bewerben.“