Ein Künstlerleben in 46 blauen Archivmappen

Übergabe an das Stadtarchiv : Ein Künstlerleben in 46 Mappen

Der Künstler Martin Lersch hat seinen Vorlass ans Stadtarchiv Krefeld gegeben. Es bündelt sein Schaffen von 1974 bis zur (vorläufigen) Gegenwart. Ein Gewinn für die Nachwelt.

„Die Kunst nimmt im Leben der Bürger eine bedeutende Rolle ein“, betont Dr. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs. Leider jedoch wissen wir oftmals nichts Näheres über das Leben der Künstler, die in der Vergangenheit ihre Spuren in Krefeld hinterlassen haben. Auch aus diesem Grund hat das Stadtarchiv den Vorlass des bekannten Künstlers Martin Lersch übernommen. Person und Werk sollen der Nachwelt für die Interpretation erhalten bleiben.

„Es ist ein reiches Künstlerleben“, blickt Michaela Plattenteich auf die 46 Mappen, in der sie die Unterlagen von Martin Lersch systematisch eingeordnet hat. Seit dem Herbst hat sich die Mitarbeiterin des Stadtarchivs der Einordnung gewidmet.

Zusätzlich zu den Ausstellungsberichten, Presseartikeln, Notizen, Skizzen und Reden des Künstlers ordnete sie noch 99 Fotos und 35 Ausstellungsplakate unter der neuen Signiernummer ein. Damit ist der Vorlass für jeden Archivbesucher einsehbar.

„Zudem haben wir ein 70-minütiges Interview mit Martin Lersch gedreht“, ergänzt Plattenteich. Dies ist der Auftakt zu einer ganzen Serie von Interviewdokus, die das Stadtarchiv nach und nach von bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt auf Film zu bannen gedenkt. Auch dies ein wertvoller Schatz für die Nachwelt.

„Mit 17 Jahren begann ich mein Grafikstudium an der damaligen Krefelder Werkkunstschule“, unterstreicht Martin Lersch seine Verbundenheit mit der Seidenstadt. Später lebte er einige Jahre in Krefeld und machte sich sogar um die Rettung des Gartenhäuschens des heutigen Kunstmuseums Haus Esters - Haus Lange verdient. „Es sollte abgerissen werden“, erinnert sich Lersch. Als er aber genau darin sein Atelier einrichtete, blieb es erhalten. Heute gehört es zu den nutzbaren Schmuckstücken der Kunstmuseen.

Lerschs Leben ist so vielseitig wie sein künstlerisches Schaffen. 25 Jahre verbrachte der gebürtige Mönchengladbacher in Frankreich, heute lebt er in Goch. Er schuf Gemälde, Zeichnungen, Illustrationen und Bühnenaufbauten, betätigte sich zudem als Musiker, der immer wieder Kunst und Musik zusammenführt. Zum Krefelder Jubiläumsjahr trug er eine bildliche Ansicht der Seidenstadt vor 650 Jahren bei.

„Es ist wichtig, dass die vielen Dokumente dieses Künstlerlebens nicht zerstreut werden“, freut sich Dr. Richter über die Zentralisierung im Krefelder Archiv. Hier haben sie nun ihren bleibenden Platz.