Serie: Extra-Tipp stellt Betriebe vor / Heute: Innovatives Ausbildungsmodell im DB Fahrzeuginstandhaltungswerk: Bahn-Azubis betreiben eigene Firma

Serie: Extra-Tipp stellt Betriebe vor / Heute: Innovatives Ausbildungsmodell im DB Fahrzeuginstandhaltungswerk : Bahn-Azubis betreiben eigene Firma

In einer neuen Serie stellt der Extra-Tipp heimische Industriebetriebe vor; und zwar aus der Sicht der Mitarbeiter. Wir beginnen mit dem Bahn-Ausbesserungswerk in Oppum.

Morgens früh um 5.13 Uhr fährt Marc Teutloff mit der Bahn von Oberhausen nach Krefeld. Der Zug bringt den pfiffigen 21-Jährigen bis vor die Tore seines Arbeitsplatzes: dem Bahn-Ausbesserungswerk in Oppum. Hier werden in riesigen Werkshallen ICEs und Elektrobetriebswagen überprüft und repariert.

Marc ist Auszubildender im dritten Lehrjahr. Bald steht die Prüfung an. Seit Beginn des Jahres arbeitet der junge Industriemechaniker in einer eigens für die Azubis eingerichteten „Junior-Firma“. Begeistert berichtet Marc: „Wir nehmen selber die Aufträge aus anderen Abteilungen an, berechnen die Kosten, bestellen das nötige Material und fertigen das gewünschte Produkt“. Zwar ist für den leidenschaftlichen Handwerker das Herzstück seines Arbeitsplatzes immer noch die Werkstatt. Aber durch das breite Aufgabenspektrum der weitgehend selbstständig tätigen „Junior-Firma“ lernt er alle Stationen der Wertschöpfungskette kennen.

„Wir kommen auch mit vielen Kollegen der anderen Abteilungen in Kontakt“, freut sich Marc, „sogar der Werksleitung konnten wir unsere Pläne vorstellen.“ Diese nämlich hatte den Junior-Betrieb mit Entwurf und Fertigung einer Info-Stele am Eingang des Werksgeländes beauftragt. Heute fällt das elegant geformte Begrüßungsschild jedem Besucher ins Auge, der mit dem Wagen aufs Werksgelände fährt.

Rund 100 Azubis in vier Berufszweigen werden im Krefelder Werk ausgebildet. Das sind gut 10 Prozent der Gesamtbelegschaft. Zu Beginn des Jahres entwickelte die Werksleitung die Idee, einen separaten „Junior-Betrieb“ins Leben zu rufen. Sie kommt bei den jungen Leuten hervorragend an: „Es macht sie stolz, dass das Unternehmen so viel Vertrauen in sie setzt“, unterstreicht Controller John Cadmus, der die Leitung der Sektion innehat. Vor allem vernetzen sich in der eigenen Firma die unterschiedlichen Berufsrichtungen und Altersstufen: „Die jüngeren Azubis lernen von den älteren“, ergänzt Azubi-Koordinatorin Simone Bößing, „die kaufmännischen Auszubildenden übernehmen die geschäftliche Seite eines Projekts, die Mechaniker und Elektroniker die handwerkliche Ausführung.“ Für die Zukunft plant Simone Bößing sogar die Berufung von Projektleitern: „Damit die Azubis auch Führungserfahrung erwerben können.“

Marc und die anderen Lehrlinge sind denn auch Feuer und Flamme für das innovative Modell. Natürlich bleiben sie auch in der Ausbildungswerkstatt in Oberhausen sowie in den Werkshallen selber im Einsatz. Aber innerhalb des Gesamtbetriebes eine eigene Firma - das ist schon etwas Besonderes. Eigentlich schade, dass Marcs Jahrgang die Ausbildungszeit bald hinter sich hat. Dafür besteht Hoffnung, bei der Bahn eine dauerhafte Beschäftigung zu bekommen. Denn gut ausgebildete junge Leute zählen gerade in Zeiten, in denen der Fachkräftemangel auf die Industrie zurollt, zu den größten Kapitalien der Bundesbahn. Sie dienen letztlich der Sicherheit der Fahrgäste.

(City Anzeigenblatt Krefeld II)
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