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Interview mit dem Vorsitzenden der HSG Krefeld-Niederrhein: „HSG soll ein Fixpunkt werden“

Interview mit dem Vorsitzenden der HSG Krefeld-Niederrhein : „HSG soll ein Fixpunkt werden“

Der Extra-Tipp sprach mit dem Hauptgesellschafter und Vorsitzenden der HSG Krefeld-Niederrhein, Dr. Simon Krivec, über das Ende der Saison, die sportlichen Perspektiven und die Weiterentwicklung der Marke HSG.

Von Jörg Zellen

Eine Saison unter Coronabedingungen ging am vergangenen Wochenende zu Ende. Wie groß waren die Herausforderungen für die HSG?

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Krivec Seit dem Trainingsstart im vergangenen Jahr dominierte die Pandemie unser Handeln. Wir mussten sehr viele Veränderungen vornehmen und ein Hygienekonzept entwickeln. Dies setzte sich im Spielbetrieb fort. Und wegen immer neuer Verordnungen mussten wir die Abläufe und Regelungen auch ständig anpassen. Neben den gesetzlichen Vorgaben mussten wir uns ja schließlich auch an die Vorgaben des Deutschen Handball Bundes halten. Das war schon eine Aufgabe, die alle im Verein forderte. Als dann die reguläre Saison ausgesetzt wurde und ein Neustart über Monate immer wieder verschoben wurde, zerrte das schon an den Nerven. Es fehlte schlichtweg eine Perspektive. Die Spieler wussten ja gar nicht, ob und wann sie wieder zum Einsatz kommen. Ich hätte mir vom DHB gewünscht, dass offener kommuniziert worden wäre. Erst wenige Wochen vor dem Start der Aufstiegsrunde erhielten wir eine entsprechende Nachricht, dass nun doch weiter gespielt wird.

Apropos DHB - es hakte ohnehin an der einen oder anderen Stelle.

Krivec Es herrschte lange Zeit keine Klarheit, ob die Dritte Liga im Handball eine Profiliga ist oder nicht. Davon war beispielsweise abhängig, ob wir trainieren durften. Am Ende war es Föderalismus pur. In der Liga spielen Vereine aus ganz Deutschland, aber die Voraussetzungen waren von Bundesland zu Bundesland verschieden. Da hätte der DHB mit dem Bund im Interesse aller eine gemeinsame Lösung finden müssen. Beim Fußball war dies viel einfacher.

Wie wichtig war das sportliche Abscheiden mit Blick auf die Rahmenbedingungen überhaupt?

Krivec Natürlich hätten wir uns ein besseres Abschneiden in den Play-offs gewünscht. Dennoch ging es erst einmal darum, wieder in den Spielbetrieb zu kommen und auch endlich einmal wieder präsent zu sein. Wir waren knapp sechs Monate aus der Öffentlichkeit verschwunden. Wir wollten uns für die Zukunft ausrichten und ein Signal senden, dass es uns noch gibt.  Bleibt festzuhalten: Auch wenn wir den Aufstieg nicht geschafft haben, so gehören wir nach wie vor zu den besten acht Mannschaften der Dritten Liga.

Wie sehr hat Corona die HSG finanziell getroffen?

Krivec Die Etatplanung sind wir ohnehin sehr konservativ angegangen. Natürlich schmerzen die weggefallenen Zuschauereinnahmen und die Ausfälle aus dem Catering. Da fehlt uns natürlich was. Aufgrund der vorausschauenden Planung sind wir aber mit einem blauen Augen davongekommen. Dies war aber auch nur möglich, weil unseren Sponsoren uns während der gesamten Zeit so sehr unterstützt haben. Der Verein steht nach den zwei Corona-Spielzeiten immer noch gut da und ist nicht verschuldet

Wird die kommende Saison nun zur Übergangs-Spielzeit erklärt oder wird die HSG alles daransetzen, den Sprung in die Zweite Liga zu schaffen?

Krivec Die nächste Saison wird sowieso sehr kompliziert, da es in dieser Saison keine Absteiger gab, jedoch Aufsteiger aus der Regionalliga dazu kommen. Das bedeutet, es kämpfen 84 Mannschaften um zwei Aufstiegstickets. Es wird wohl auch mehr als vier Staffeln geben. Wo wir in diesem Rennen schließlich landen werden, kann niemand sagen. Unser Anspruch ist es aber, dabei zu sein, wenn die heiße Phase beginnt.

Trainer Maik Pallach wird die HSG auch weiterhin trainieren. Wie laufen die sportlichen Planungen?

Krivec Der Trainer wird gemeinsam mit unserem Sportlichen Leiter Stefan Nippes die neue Mannschaft zusammenstellen. Die beiden sind bereits intensiv dabei. Einige Neuzugänge haben wir ja bereits bekanntgegeben. Und einige Spieler werden uns auch verlassen, weil sie durch ihre Leistung bei uns in den Fokus von Zweitligisten geraten sind. Ein kleiner Verein wie die HSG kann da nicht mithalten.

Nach der Umbenennung in HSG Krefeld-Niederrhein folgte nun ein weiterer Schritt in der Entwicklung des Vereins. Welcher?

KrivecWir möchten ein handballerischer Fixpunkt in der Region sein und auch der Jugend Identifikation bieten. Die Marke HSG geht über die Krefelder Stadtgrenze hinaus. Aus diesem Grund haben wir im Amateurbereich die Fusion mit dem Moerser SC umgesetzt. Dort werden nun alle Mannschaften unter dem Namen HSG Eagles Niederrhein antreten. Dieser Unterbau ist sehr wichtig und wird in ferner Zukunft hoffentlich dafür sorgen, dass auch Spieler aus der eigenen Jugend einmal in der Ersten Mannschaft auflaufen. Wir entwickeln uns so in der Spitze, aber auch im Nachwuchs weiter.