Interview in der „neunzehn05“: Alex Bittroff: „Mentalität schlägt Talent“

Interview in der „neunzehn05“ : Alex Bittroff: „Mentalität schlägt Talent“

“Ich bin keiner, der händchenhaltend über den Platz läuft“, sagt Alexander Bittroff, Außenverteidiger des KFC Uerdingen. Mit seiner leidenschaftlichen und kompromisslosen Spielweise hat er mit dazu beigetragen, dass die Blau-Roten wieder in die Spur gekommen sind. Das komplette Interview ist auch in der Stadionzeitung „neunzehn05“ nachzulesen.

Der Sieg bei 1860 München war harte Arbeit. Überwog danach die Freude oder eher die Erleichterung?

Da muss man schon die Gesamtsituation betrachten. Wir haben jetzt die letzten drei Spiele gepunktet, zwei Siege und ein Unentschieden geholt. Da freut man sich schon über so eine Mini-Serie. Und wenn man dann sieht, wie der Sieg in München zustande gekommen ist, dann ist da auch ein bisschen Erleichterung dabei, dass wir den Dreier über die Runden gebracht haben und unser großer Aufwand belohnt wurde.

Sind das genau die „Drecksspiele“, die einen noch mal so richtig pushen?

Ja schon, wobei man sagen muss, dass man in der 3. Liga sowieso keinen Schönheitspreis gewinnen kann. Wir haben am Anfang der Saison versucht, die Spiele mit attraktivem Fußball zu gewinnen. Aber viele Teams haben es vorgemacht, dass man einfach, dreckig und schnörkellos zum Erfolg kommt. Es gewinnt eben am Ende nicht immer der, der den schönsten Fußball spielt.

Was hat Euch speziell Stefan Reisinger mit auf den Weg gegeben, was waren die Stellschrauben, an denen er gedreht hat?

Auf uns Außenverteidiger bezogen zum Beispiel, dass wir nicht so hoch stehen sollen, dass wir nicht durchs Zentrum spielen. Es ist ja so: Viele Gegenspieler versuchen dich zu locken, dich in eine bestimmte Richtung zu ziehen und lauern auf ihre Gelegenheit. Das wollen wir mit allen Mitteln unterbinden. Wir sind ein bisschen von dem Ballbesitzfußball weggekommen und stehen kompakter. Dazu ist eben harte Arbeit gefragt, es muss einfach und schnörkellos gehen. Wir sind nicht die Bayern, die alles spielerisch lösen können.

Eine Einstellung, die auch zu Dir als Spielertypen passt, oder?

Auf jeden Fall. Jeder, der mich aus meinen zehn Profijahren kennt, weiß, dass ich niemand bin, der händchenhaltend über den Platz läuft. Ich bin jemand, der zu 100 Prozent da ist, der aneckt, der austeilt aber auch einsteckt. Für das eigene Team ist das natürlich immer von Vorteil, der Gegner wird das eher nicht so cool finden (lacht).

Ist die Mentalität Deine große Stärke?

Foto: Brauer-Fotoagentur

So kann man es sagen. Ich bin kein Filigrantechniker, bin nicht mit von so viel Talent gesegnet, wie vielleicht andere Spieler, die ich während meiner Karriere kennengelernt habe und die es nicht geschafft haben. Mentalität schlägt oft Talent, die Einstellung muss stimmen, dafür ist die 3. Liga exemplarisch. Da darf man sich auch nicht zu schade sein, mal einzustecken, auch wenn das letzte Saison nicht gut für mich gelaufen ist.

Du sprichst es an. Unter anderem durch eine schwere Verletzung aus dem Rostock-Spiel kamst Du letzte Saison nur zu Kurzeinsätzen. Eine schwere Zeit für Dich?

Das war sicher keine einfache Zeit und eine schwere Situation. Aber ich bin glücklicherweise auch jemand, der ganz gut abschalten kann im privaten Bereich, das hilft enorm. Und dann ging es natürlich darum, wieder fit zu werden, in jeder Einheit, in jedem Training Vollgas zu geben. Ich habe mir immer gesagt, dass Fleiß und Arbeit irgendwann belohnt werden. Dieser Tag X ist glaube ich jetzt gekommen.

Seit acht Spielen gehörst Du zur Startformation. So einfach gibst Du den Platz nicht mehr her, oder?

Natürlich nicht (lacht). Das habe ich ja nicht zu entscheiden, aber ich kann eben alles dafür tun, dass es so bleibt. Die Leistung immer wieder bestätigen und schauen, dass kein Schlendrian reinkommt. Im Moment sieht es ganz gut aus.

In drei Spielen habt Ihr nur ein Gegentor kassiert, am Anfang der Saison sah das ganz anders aus. Eine Situation, die stolz macht?

Als Abwehrspieler freut man sich über so etwas natürlich besonders. Aber das ist ja ein Gesamtkonstrukt, das funktionieren muss. Wenn wir vorne schon gut anlaufen, dann fällt es uns als Abwehrspielern auch einfacher, Räume zu schließen. Es tut uns ganz gut, dass wir nicht mehr so offen stehen und der Gegner mitunter das Spiel machen muss.

Foto: Brauer-Fotoagentur

Scheinbar hat es Euch auch gut getan, dass Jan Kirchhoff aus dem Defensiven Mittelfeld in die Viererkette gerückt ist……

Er ist nicht nur unser Kapitän, er ist auch ein richtiges Zweikampfmonster. Gerade in der Luft gewinnt er enorm viele Duelle, hat aber auch im Spielaufbau die nötige Ruhe am Ball. Dazu hilft er auch enorm mit seiner ganzen Kommunikation.

Auswärts zuletzt dreimal gewonnen, zu Hause hakt es. Warum gewinnt Ihr heute mal wieder vor den eigenen Fans?

Weil wir endlich mal dran sind. Hört sich so einfach an, aber wenn wir es schaffen die Tugenden aus den letzten Spielen auch mal zu Hause zu 100 Prozent anden Tag zu legen und unsere Chancen nutzen, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass es klappt.

Nun ist Carl-Zeiss Jena zu Gast. Sie sind Tabellenletzter. Also eine klare Sache?

Auf gar keinen Fall. Sie sind zwar ein Team, das jetzt was machen muss, um nicht vollends den Anschluss zu verlieren. Aber schon gegen Würzburg hätten sie mit ihrem neuen Trainer Rico Schmitt gewinnen müssen. Ihn kenne ich, er wird sicher dafür sorgen, dass die Mannschaft brennt und Gas gibt.

Wie geht das Spiel denn aus?

Ich tippe total ungern. Aber zuletzt hat das ja mit dem 1:0 ganz gut geklappt, dann heute auch.

Foto: Brauer-Fotoagentur
Mehr von Mein Krefeld