1. Niederrhein

Der König und der Klimaschutz: Schlosstheater groß wie nie

Der König und der Klimaschutz : Schlosstheater groß wie nie

Am Mittwoch ist im Schlosstheater Premiere für „König Ödipus“ von Sophokles. Der Klassiker der Klassiker kommt in der Inszenierung von Ulrich Greb als „das“ Drama der Menschheit auf die Bühne. Passend dazu verspricht der Hausherr: „Sie werden unser Ensemble so groß sehen wie noch nie!“

Der Homo sapiens, der wissende Mensch, ist das Problem: Weil er nicht nach seinem Wissen handelt. So kommt es zum Drama des Anthropozän, des Menschheitszeitalters, wie es etwa der Publizist und Theatermacher Frank Raddatz beschrieben hat, und weil „König Ödipus“ wie keine Tragödie sonst davon handelt, dass und wie der Mensch wider besseres Wissen untätig bleibt, findet es sich landauf landab wieder vermehrt auf den Spielplänen, ab Mittwoch auch im Schlosstheater Moers.

Die Geschichte ist bekannt: Weil er Gastfreundschaft missbrauchte, wurde Ödipus‘ Vater prophezeit, dass sein Sohn ihn töten und seine Frau, also Ödipus‘ Mutter, heiraten würde. Weshalb Ödipus als Kind die Füße durchstochen bekommt (daher der Name, übersetzt etwa: „Schwellfuß“) und im Gebirge ausgesetzt wird. Doch das Kind wird gerettet und wächst bei Adoptiveltern auf. Auf der Suche nach seinen leiblichen Eltern befragt Ödipus seinerseits das Orakel und bekommt erklärt: Du wirst Deinen Vater töten und Deine Mutter zur Frau nehmen. Teil eins der Prophezeiung erfüllt Ödipus im Streit mit einem unbekannten Wagenlenker, Teil zwei, als er Theben von der Sphinx befreit (indem er ihr Rätsel löst) und zum Dank an die Stelle des von ihm getöteten Königs, seines Vaters, gesetzt wird, Übernahme der Witwe, seiner Mutter, inklusive.

Erst nach dieser Vorgeschichte setzt Sophokles‘ Theaterstück ein. Es besteht aus sechs „Verhören“, wie Greb die Hauptszenen nennt, die von „Chorgesängen“ unterteilt sind. Konkret geht es um eine Seuche, die Theben bedroht, und das Volk will Antwort von König Ödipus, was zu tun ist. Doch der ist, „auf kurzem Weg zur Macht gelangt“ (Greb), der Hybris anheimgefallen, übermütig geworden. „Er hört alles, zieht aber die falschen Schlüsse daraus“, sagt Greb, gehe „sehenden Auges in die Katastrophe“. Wie im Kasperle-Theater: „Ich seh‘ kein Krokodil“, und das Publikum schreit: „Hinter Dir!“ Oder möchte schreien, denn, so Greb, eigentlich pausenlos denke man als Zuschauer, jetzt müsste er‘s doch kapiert haben, die richtigen Schlüsse ziehen, stattdessen: „Ersatzhandlungen“, wie Dramaturgin Viola Köster beschreibt. Die Parallele zum Anthropozän, zur menschengemachten Klimakatastrophe, liegt auf der Hand: „Wir wissen alles, tun aber nichts.“

Diese Parallele zu erkennen, bleibt den Zuschauern überlassen. Die spielen, rechts und links von der Bühne platziert, die Rolle der Bürger von Theben, vom Chorführer moderiert. Birgit Angele hat wieder einen besonderen Bühnenraum geschaffen, an die antike Agora, den Markt- und Verhandlungsplatz angelehnt, mit seiner glatten Plattenversiegelung dem neu gestsalteten Moerser Schlossplatz nicht unähnlich, „aber wir verraten noch nicht, was sich darunter auftut“, so Greb. Die Darsteller stellt Kostümbildner Jochen Hochfeld auf Kothurne, antike Plateausohlen, wie sie auch die Darsteller der Aufführungen vor zweieinhalbtausend Jahren getragen haben dürften. „Unser Ensemble musste das Fallen damit erst lernen“, sagt Greb; es habe aber keine Verletzungen gegeben, und sicherheitshalber hängen Haltegriffe wie in der U-Bahn von der Decke. Und das ist die Auflösung: Das Ensemble groß wie nie!

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Die Premiere ist ausverkauft. Weitere Termine: Freitag, 25. Februar; Sonntag, 27. Februar; Donnerstag, 3. März; Samstag, 5. März; Freitag, 11. März; Donnerstag, 17. März. Karten: Telefon 02841 88 34-110,  www.schlosstheater-moers.de