1. Moers Niederrhein

Seit 10 Jahren: Mittagstisch gegen die Einsamkeit

Seit 10 Jahren : Mittagstisch gegen die Einsamkeit

Täglich von montags bis freitags um die Mittagszeit duftet es einladend aus dem Raum unter der ev. Christuskirche in Scherpenberg. Denn dann wird der Mittagstisch geöffnet.

Etwa 30 Frauen und Männer aus dem Moerser Stadtteil oder Nachbargemeinden folgen derzeit der wohlriechenden Einladung. Es geht dabei nicht alleine um die Mahlzeit, sondern um die Gemeinschaft. „Als ich im vergangenen Jahr in die Ev. Kirchengemeinde Moers-Scherpenberg kam, wurde mir diese Einrichtung als zentraler Punkt der Gemeindearbeit vorgestellt“, erinnert sich Pfarrerin Laura Bowinkelmann. „Das gemeinsame Essen hat auch biblisch gesehen eine lange Tradition und diente immer schon dem Austausch und dem Miteinander, sinnfällig etwa im Abendmahl.“

Rita Schweitzer, Leiterin der Seniorenarbeit der Kirchengemeinde, bestätigt das. „Wir beteiligten uns vor etwas mehr als zehn Jahren an dem Projekt der Stadt Moers Innovative Seniorenarbeit zur Entwicklung von Begegnungs- und Beratungszentren. Die Idee des Mittagstisches hatte ich, weil ich sah, dass die Vereinsamung zunimmt. Kinder folgen den Arbeitsmöglichkeiten in weit entfernten Städten. Oder sie haben nur wenig Zeit, weil sie eigene Kinder aufziehen und Geld verdienen müssen. Die Nähe zu den Nachbarn ist in den letzten Jahren verloren gegangen. Über das gemeinsame regelmäßige Essen wollte ich Netzwerke schaffen und gesundes Essen ermöglichen.“

Der Plan ist aufgegangen. Die meisten der regelmäßig fast 30 Besuchenden sind mittlerweile Stammgäste. Bekanntschaften sind entstanden, Freundschaften geknüpft und sogar die Liebe ist in die Herzen zweier Teilnehmender eingezogen. Auch neue Gäste allen Alters sind herzlich willkommen.

Vorwiegend kommen Singles, haben Rita Schweitzer und Laura Bowinkelmann beobachtet: „Warum soll ich denn für mich alleine kochen? Ein Salatkopf reicht mir eine Woche? Hier habe ich Unterhaltung, hier habe ich ein Ziel“, ist z. B. eine Rückmeldung, die beide erhalten. Und eine Tochter bekräftigt: „Seit meine Mutter zum Mittagstisch geht, zieht sie sich wieder schick an.“

„Auch das ist eine Aufgabe der mittäglichen Institution“, erklärt Rita Schweitzer: „etwas anzubieten, das hilft, eine Struktur im Leben zu behalten und ein Ziel zu haben.“ Kommt jemand länger nicht, fragt man nach, ob etwas passiert ist oder jemand eine Pause möchte. „Manchmal bringen Gäste des Mittagstisches Erkrankten auch ein Essen nach Hause“, freut sich Laura Bowinkelmann über die Solidarität. Die übt auch die Gemeinde: Eine 87-Jährige erzählt, wie sie anfangs jeden Freitag gekommen ist, weil es da immer Fisch gab. Den mochte ihr Mann nicht. Als er gestorben ist, ging sie täglich zum Mittagstisch. Jetzt kann sie nicht mehr alleine leben und zog in ein Seniorenwohnheim. „Das Schlimmste ist das Wissen um die Endgültigkeit, die mit diesem Umzug verbunden ist. Ich freue mich, wenn ich immer wieder hier sein kann“, weint sie. Rita Schweitzer nimmt sie in den Arm und drückt sie. Die Gemeinde holt sie so oft es geht zum Mittagstisch ab.

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Auch ein anderer Gast der ersten Stunde, 89 Jahre alt, weiß, dass diese Einrichtung wichtig ist. „Es schmeckt gut hier. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die ich mag. Es ist wichtig für das Allgemeinbefinden, dass man sich nicht so allein fühlt.“ Davon ist nichts zu spüren an den Tischen. Es wird gesprochen, gelacht, diskutiert.

Ohne Ehrenamtlichkeit wäre diese Einrichtung nicht möglich. Zehn Frauen teilen sich den Dienst, je zwei pro Tag. Immer stehen zwei weitere Personen bereit, um einzuspringen, falls eine eingeteilte Ehrenamtliche ausfällt. Alle haben sich mit den gesetzlichen Hygienevorschriften vertraut gemacht und erfüllen die Anforderungen. Sie nehmen das Essen, das aus der Küche vom DRK-multikulturelles Seniorenzentrum Haus am Sandberg in Hochheide geliefert wird, entgegen, prüfen die Temperatur, bringen es an die Tische, servieren Kaffee, räumen und waschen ab. Je drei Stunden investiert eine Ehrenamtliche bei ihrem Einsatz. Rita Schweitzer weiß, was sie leisten: In den ersten Jahren hatte sie diese Aufgaben alleine erfüllen müssen, ehe das ehrenamtliche Netz geknüpft war.

4,50 Euro kostet eine Mahlzeit. „Damit kommen wir für die Mahlzeit plus/minus hin“, rechnet Laura Bowinkelmann vor. Die Gemeinde zahlt darüber hinaus die weiteren Kosten vom Waschen der Schürzen über die tägliche Toilettenreinigung und das Putzen des Raumes bis zu Energie- und Wasserkosten.
Nach dem Mittagessen am 23. März blieben die Gäste noch sitzen. Es gab Sekt und zwei große Kuchen. Denn an diesem Tag feierte die Kirchengemeinde offiziell den zehnjährigen Geburtstag des Mittagstisches. An diesem Mittag drang nicht nur leckerer Duft aus dem Raum unter der Kirche, sondern auch Applaus als Dank für diese wichtige und kontinuierliche Einrichtung in einer anonymer und unfamiliärer werdenden Zeit, die dank vieler engagierter Hände ermöglicht wird.