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Eine Herausforderung: Kom‘ma-Theater zeigt „Das Problemhaus“

Eine Herausforderung : Kom‘ma-Theater zeigt „Das Problemhaus“

Zehn Jahre nach den Vorgängen in den Peschen, die bundesweit und sogar international für Aufsehen sorgten, bringt das Kom’ma-Theater Rheinhausen „Das Problemhaus“ auf die Bühne. Allen Beteiligten und Betroffenen gerecht zu werden, scheint kaum möglich - eine Herkulesaufgabe für Autor und Regisseur René Linke und das Ensemble.

Nach „Die versunkene Stadt“ 2001 zum Arbeitskampf Rheinhausen und zuletzt dem Loveparade-Stück nimmt sich Duisburgs einziges festes Schauspielensemble, das Kom’ma-Theater Rheinhausen, wieder ein Duisburg-Thema vor. Wie bei der Loveparade stellt sich auch beim „Problemhaus“ In den Peschen die Frage nach der Verantwortung. Die EU-Osterweiterung zeigt bis heute Folgen. „Kinder, die wir hier hatten und die dann nach Ennepetal gebracht wurden, sind jetzt wieder hier am Erlinghagenplatz - als Eltern“, sagt Schauspieler Sascha Bauer, von Anfang an ein Kontaktmann des Kom’ma-Theaters zu den Bewohnern in den Peschen.

„Ich wusste gar nicht, was Matratzenvermietung genau bedeutet“, sagt Autor und Regisseur René Linke. Ebenso wenig hätten alteingesessene Duisburger eine Vorstellung davon, aus welchen - auch hygienischen - Verhältnissen die Menschen damals ins - bereits vermüllte - Problemhaus gekommen waren und mit welchen Vorstellungen vom Leben hier im Kopf. „Duisburg als Eldorado“, beschreibt Linke die Versprechungen, die den Roma gemacht wurden. Das war’s dann nicht, und am Ende ging es nur noch darum, ein zweites Rostock-Lichtenhagen zu verhindern ...

Seit Jahren trägt Linke die Idee zu einem Problemhaus-Stück mit sich, hat mit Betreuern, Betroffenen und Bewohnern gesprochen und sich durch hunderte Zeitungsartikel gearbeitet. „Man kann ja schwerlich nur eine Position übernehmen“, so Linke, „trotzdem ist es ein Stück mit Haltung geworden.“ Als Essay, als Patchwork beschreibt Linke das Stück. Es wird nicht ein Spieler eine bestimmte Rolle übernehmen; Sascha Bauer, Renate Frisch, Kaja Hansen und Anja Klein werden abwechselnd die Stimmen der Bewohner, der Verwaltung, der Polizei, der Presse usw. sein. Allerdings: „Sascha hat als einziger Mann schon viele unangenehme Rollen zu übernehmen“, sagt René Linke, der auch darauf hinweist, dass es heitere Szenen geben wird. Wie ein Damoklesschwert, symbolisch auch für die bis heute ungelösten Probleme, hängt die 7,50 Meter breite, mit Rissen versehene Leinwand über den Spielern. Aber das letzte Wort soll sein: Hoffnung.

„Das Problemhaus“ von René Linke, Premiere am Freitag, 22. September, 20 Uhr, im Kom’ma-Theater Rheinhausen, Schwarzenberger Straße 147. Weitere Aufführungen am 23. September sowie 3. und 4. November. Karten unter
kommatheater.de