1. Niederrhein

Comeback der Vorratskammer

Neue Wohn-Serie : Comeback der Vorratskammer

In den vergangenen zwei Jahren ist das Zuhause mehr denn je zum wichtigsten Ort der Welt geworden. Damit haben sich auch die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner an die eigenen vier Wände gewandelt.

Eine der führenden Wohnexpertinnen Deutschlands, OonaHorx-Strathern vom Zukunftsinstitut, beschreibt als wichtigste Wohntrends 2022:

Regionales beschränkt sich nicht länger auf das, was auf den Teller kommt, sondern weitet sich auf Möbel und Einrichtung aus. Was bei Lebensmittel seinen Anfang nahm und sich in der Mode-Industrie zeigt, erreicht die Möbelbranche. Ultralokal und regional sind die neuen Stichworte. Slow FurnitureMovement ist Treiber für diesen Wohntrend, der zunehmend Wert auf „so lokal wie möglich hergestellte“ Einrichtungsstücke legt. Für solche handgemachten Möbelstücke aus regional gefertigten Werkstoffen seien Kunden in der Regel bereit, einen höheren Preis zu zahlen und länger auf das Endprodukt zu warten. Die Materialien werden regional gewonnen, müssen also nicht um den halben Erdball transportiert werden, und auch die Produktion läuft lokal. Damit verringert sich der CO2-Abdruck der Möbel-Produktion maßgeblich.

Bevor uns die Pandemie dazu zwang, in unseren eigenen vier Wänden zu bleiben, verbrachten wir einen Großteil unserer Zeit an den Arbeitsplätzen. Seit Covid ist alles anders, das bedeutet, dass sich mit unserer Lebensweise auch unsere Räume und die Einrichtung verändern. „Unsere Lebens- und Arbeitsweise wird immer flexibler und dadurch werden es auch unsere Möbel – je nach Situation und je nachdem, was wir gerade brauchen und wollen.“ Modulare Möbel, die sich erweitern, verkleinern oder situativ in verschiedensten Umgebungen stets neu integrieren lassen, sind gefragt. Sie helfen dabei, den Alltag besser zu strukturieren.

Das Wohnzimmer ist nicht länger lediglich zum Entspannen, Fernsehschauen und Chillen da, sondern es muss sich auch in ein Arbeitszimmer verwandeln können. Arbeiten und Leben verschmelzen – Horx-Strathern nennt es Work-Life-Blending. Multifunktionale Möbel bedeutet beispielsweise: Ein Regal wird eine Trennwand, wird ein Hocker und hat einen eingebauten Schreibtisch. Ein Sofa wird ein Bett, wird ein Tisch, wird ein Büro.

Da wir zunehmend im Homeof­fice („Hoffice“) arbeiten, ist Modularität im Leben gefragt, um einen Weg zu finden, Arbeit und Privatleben zu trennen. Modulare Möbel sind zudem nachhaltig können flexibel eingesetzt werden. Man braucht von allem weniger, hat mehr Abwechslung, und die einzelnen Teile lassen sich leichter austauschen.

Die Küche erlebt eine Renaissance – und das nicht als Showküche, sondern als funktionaler Begleiter. Sie ist der Ort, der uns ernährt, an dem wir uns wohlfühlen. Die Rolle der Küche als zentraler Ort des Zusammenkommens wurde durch die Coronakrise entscheidend gestärkt. Das zeigt sich nicht zuletzt an den Umsätzen der Branche: Mit einer Steigerung von 4,5 Prozent ist die Küchenmöbelindustrie klar Spitzenreiter. Es werde mehr darauf geachtet, dass die Küche sowohl funktional als auch emotional den eigenen Ansprüchen genügt, so Horx-Strathern.

Klar erkennbar ist laut einer aktuellen Studie der Wunsch nach einer Speisekammer, die ein Gefühl von Sicherheit vermittelt nach dem Motto: auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. In dem Zusammenhang wird das Comeback der Vorratskammer prognostiziert. Was bedeutet: Die Küche erfährt mehr Bewusstsein und Wertschätzung. Die bislang so beliebte offene Wohnküche ist auf dem Rückzug: Bewegliche Trennwände und Vorratsräume werden unter Homeoffice-Bedingungen immer populärer. Wer von Zuhause arbeitet, braucht mehr Platz, um Lebensmittel sicher zu lagern und um sein Privatleben von der Arbeit zu trennen.

Die Küche gilt zunehmend als Motor, der einen antreibt und mit Energie versorgt. Homeoffice bedeutet: Man muss nicht mehr pendeln, kann die Zeit zum Kochen nutzen. „Kochen ist sozusagen das neue Pendeln“, betont die Expertin. Die Küche wird weniger Bühne und mehr Werkstatt für mehr Lebensqualität. „Sie wird ein funktionaler Begleiter, der Menschen dabei unterstützt, gesünder und bewusster zu leben“, so Horx-Strathern. „Eine flexible Raumplanung ist erforderlich.“

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