1. Krefeld

27,9 Millionen wird das Großprojekt kosten / Stadtrat muss noch zustimmen: Startschuss für den Affenpark

27,9 Millionen wird das Großprojekt kosten / Stadtrat muss noch zustimmen : Startschuss für den Affenpark

Gemeinsam präsentierten Zoo, Stadt und Zoofreunde die Pläne für das „Artenschutzzentrum Affenpark“. Bis zum Jahr 2029 soll das Großprojekt in vier Bauabschnitten fertiggestellt werden. Die Kosten werden mit 27,9 Millionen Euro beziffert. Der Stadtrat muss noch zustimmen.

Exakt 672 Tage nach dem verheerenden Brand im Krefelder Zoo herrscht nun eine Art Aufbruchstimmung im Tierpark an der Uerdinger Straße 377. Die Weichen für das „Artenschutzzentrum Affenpark“ sind gestellt, die Pläne sollen nun schnellstmöglich umgesetzt werden. Am Mittwoch wurden die Details des Großprojektes der Öffentlichkeit präsentiert. „Die nun vorliegende Planung ist ein großer Wurf für den Zoo und für Krefeld: Wer künftig in unserer Region Menschenaffen hautnah und in artgerechter Haltung erleben will, der muss in den Krefelder Zoo kommen“, erklärt Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer.

Auf einer rund zwei Hektar großen Fläche von der „Zoo-Brücke“ bis zur Berliner Straße sollen mehrere Warmhäuser mit umgebenden Außenanlagen für die drei großen Menschenaffenarten entstehen. Das „Artenschutzzentrum Affenpark“ soll in den kommenden zehn Jahren in vier zeitlich aufeinander folgenden Bauabschnitten (0-3) realisiert werden. „Wir verhindern so, dass wir über Jahre eine Großbaustelle im Zoo haben“, begründet Direktor Dr. Wolfgang Dreßen. Zudem werde durch diese Aufteilung eine weitere  Akquise von Investitionsmitteln möglich. 

Die Kostenschätzung für den Affenpark liegt bei 27,905 Millionen Euro. Der Zoo und die Zoofreunde Krefeld werden 10,526 Millionen Euro der Kosten tragen. Die verbleibenden 17,379 Millionen Euro soll die Stadt als Hauptgesellschafter der gGmbH verteilt auf mehrere Haushaltsjahre übernehmen. Voraussetzung dafür ist ein entsprechendes Votum des Stadtrates, der darüber am kommenden Mittwoch entscheiden wird. OB Frank Meyer geht, dies bestätigte er bei der Projektvorstellung, fest davon aus, dass sich eine politische Mehrheit finden werde.

Für den ersten Bauabschnitt (0) wurde bereits ein Bauantrag gestellt. Im ersten Schritt soll die bestehende Außengehege der Gorillaanlage, der „Gorilla-Garten“, auf 2.000 Quadratmeter erweitert werden, damit die Gruppe um Silberrücken Kidogo – wie vom Zuchtprogramm gefordert – weiterwachsen kann. Die ca. 720m² große Erweiterungsfläche wird im Stil des „Gorilla-Gartens“ mit Trockengraben, Kunstfelsrückwand und einer naturnahen Gestaltung mit Naturboden, Bepflanzung, Klettergerüsten und Rückzugsmöglichkeiten gebaut. Die Bruttokosten für Planung und Bau belaufen sich gemäß einer Kostenschätzung auf insgesamt rund 802 000 Euro. Je nach Baubeginn und Ergebnissen der Ausschreibungen ist eine Fertigstellung in 2022 realistisch.

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Im Bauabschnitt 1 wird ein multifunktionales über 830 Quadratmeter  großes Menschenaffenhaus gebaut, das aus zwei Abteilungen besteht, die jeweils mit einer großräumigen Außenanlage verbunden sind. Hier wird die neu aufzubauende Gruppe der Schimpansen leben, deren Gründertiere die beiden den Brand überlebenden Schimpansen Bally und Limbo sein werden. Desweiteren werden pubertäre männliche Gorillas, die aus der Zuchtgruppe entwöhnt wurden („Junggesellengruppe“) und eine mit den Gorillas zu vergesellschaftete Meerkatzen- oder Mangabenart hier gehalten. Die nördlich vom Haus anschließende etwa 1.100 Quadratmeter große Außenanlage der Schimpansen ist planerisch mit dem für das ehemalige Affentropenhaus entwickelten Bauvorhaben „Schimpansen-Wald“ nahezu identisch. Aufgrund der guten Kletterfähigkeiten von Schimpansen und auch jungen Gorillas werden beide Außenanlagen mit Edelstahlnetzen übernetzt sein, die zudem den Vorteil bieten, dass das gesamte Raumvolumen der Anlagen von den Affen genutzt werden kann. Das Haus ist für Besucher begehbar, die über Großscheiben Einblicke in die Innenanlagen erhalten. Die Kostenschätzung für Planung und Bau beläuft sich auf insgesamt ca. 9, 906 Millionen Euro. Bei zeitigem Baubeginn in 2022 könnte das Projekt in 2023 abgeschlossen werden.

Der Bauabschnitt 2 ist der Anlagenkomplex für Orang-Utans, die in Gemeinschaftshaltung mit einer hochbedrohten Gibbon-Art gehalten werden sollen. Der Bau dieser Anlage kann erst nach Abschluss des B-Planverfahrens starten, da er überwiegend auf dem Erweiterungsgelände des ehemaligen Sport-Trainingsplatzes stattfindet. Diese besteht aus einem für Besucher begehbaren zweistöckigen  Warmhaus mit vier Innen- sowie vier Außenanlagen. Die Zahl getrennter Gehege wird vom Zuchtprogramm vorgegeben und muss eine große Flexibilität der Haltungsbedingungen ermöglichen. Die Besucher erleben die Tiere auf einem ansteigenden behindertengerechten Höhenweg, der in die 2. Etage des Hauses führt, von der aus die Innenanlagen einsehbar sind. Die Kosten hierfür werden auf 9, 876 Millionen Euro geschätzt. 2024 soll mit dem Bau begonnen werden, die Fertigstellung wird spätestens in 2026 erwartet.

Als Bauabschnitt 3 wird auf dem nördlichen Teil des Affenparks in Richtung „Zoobrücke“ ein Warmhaus für die angewachsene Gruppe der Schimpansen mit einem weiteren angrenzenden Außengehege im Stil des „Schimpansen-Waldes“ gebaut. Kosten: 7, 321 Millionen Euro. Die Planung zur Baueingabe erfolgt in 2025, Baubeginn ist 2027, Bauende mit Fertigstellung spätestens in 2029.

Oberbürgermeister Frank Meyer hofft auf Landes- und/oder EU-Fördermittel für das Großprojekt. Erste Gespräche dazu seien „erfreulich“ verlaufen.