1. Krefeld

Lesungen in leichter Sprache

Neue Lust auf Bücher : Lesen leicht gemacht

Mediothek und Lebenshilfe wollen mit zwei unterhaltsamen Nachmittagen das Thema „Leichte Sprache“ in die Öffentlichkeit tragen.

Zu zwei ungewöhnlichen Lesungen laden die Mediothek und die Lebenshilfe Krefeld gemeinsam ein:

Die Vorleser nämlich sind Menschen mit geistiger Behinderung. Und die Texte sind Übertragungen von originalen literarischen Erzählungen in sogenannte „leichte Sprache“.

Silvana Pasquavaglio ist eine der beiden Übersetzerinnen von Texten in „leichte Sprache“. Sie hat für den Mittwoch, 25. August, Heinrich Bölls Erzählung „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ ausgesucht. Am Donnerstag, 26. August, wird die Erzählung „Unsichtbar“ von Diane Henschel gelesen. Beide Veranstaltungen finden in der Mediothek am Theaterplatz jeweils von 16 - 18 Uhr statt.

Das Interesse daran ist groß. Die Autorin Diane Henschel schaltet sich am 25. August live zur Lesung dazu und beantwortet die Fragen der Gäste. Auch die Verlegerin Doreen Kutter ist zugeschaltet. In ihrem Verlag Passanten bringt sie Werke der Weltliteratur in „leichter Sprache“ heraus. Bürgermeisterin Kerstin Jensen wird am 25. August ebenfalls dabei sein, und für den 26. August hat sich sogar Oberbürgermeister Frank Meyer angekündigt.

Der Bedarf an „leichter Sprache“ nimmt in der Gesellschaft immer mehr zu. Das liegt daran, dass heutzutage Menschen mit Leseschwächen, unzureichender Bildung oder geistiger Behinderung viel stärker in die Gesellschaft inkludiert werden als früher. Aber auch der Anteil an Ausländern, die der deutschen Sprache nur bruchstückhaft mächtig sind, hat erheblich zugenommen. Das „Büro für leichte Sprache“ der Krefelder Lebenshilfe „übersetzt“ für dieses Zielpublikum Gebrauchstexte wie Behördenbriefe oder Betriebsanleitungen, aber auch literarische Texte. Selbst Goethe und Hölderlin werden in „leichte“ oder „einfache“ Sprache übertragen.

Die Mediothek hat schon 2008 unter der Rubrik „Lust am Lesen“ eine Wandnische mit Büchern in leichter Sprache eingerichtet. „Darunter finden sich Romane, aber auch Materialien für Alphabetisierungskurse“, erläutert Bibliothekarin Sabine Simonsmeier, die die Rubrik betreut. Seit der Flüchtlingskrise 2015 wird der Bestand, dessen Grundstock der Zonta-Club finanziert hat, auch deutlich häufiger genutzt.

  • Immobilienmesse in München : Expo Real: Krefeld zeigt sich als Entwicklungsstandort
  • Schlüssel auf dem Friedhof geklaut : Zwei Frauen stehlen Senior Schmuck und Geld
  • Polizei bittet um Hinweise : Katalysatordiebe flüchteten

Die Vorleser an den beiden Veranstaltungstagen sind übrigens sogenannte „Prüfer“. Dies sind Menschen mit Beeinträchtigungen, denen Silvana Pasquavaglio und ihre Kollegin vom Büro für leichte Sprache ihre Übertragungen vorlegen, um zu erkunden, ob sie für die Zielgruppe wirklich leicht verständlich sind. Erst wenn die Prüfer zustimmen, geht der übertragene Text in leichter Sprache an den Auftraggeber.

Über diese Arbeit infomiert an beiden Veranstaltungstagen die Lebenshilfe mit einem eigenen Stand an der Pforte der Mediothek. Überdies gibt es Spiele und Bastelangebote für die kleinen Gäste.