1. Krefeld

Krefelds Kinderärzte verschreiben Theater auf Rezept

Das gibt es jetzt auf Rezept : Kinderärzte verschreiben Theaterbesuch

Das gab es noch nie: Krefelds Kinderärzte verschreiben per Rezept einen Besuch im Theater. So soll das seelische Wohlbefinden der jungen Patienten gestärkt werden. Das neue Konzept startet im April.

„Gesundheit bedeutet Wohlbefinden von Körper und Seele“, nimmt Kinder- und Jugendärztin Maria Papaderou gern den ganzen Menschen in den Blick. So stellt sie bei ihren jungen Patienten nicht allein körperliche Beeinträchtigungen fest. „Im Gespräch zeigt sich auch, ob ein Kind oder Jugendlicher vielleicht Trost und einen seelischen Impuls braucht“, betont die Obfrau der Krefelder Kinderärzte.

In solchen Fällen können die Kinderärzte jetzt ein ungewöhnliches Rezept verschreiben: zwei kostenlose Eintrittskarten für das Krefelder Stadttheater oder das  Jugendtheater Kresch.

„Ein Theaterstück kann eine große Bereicherung für Kinder und Jugendliche sein“, ist Maria Papaderou überzeugt. Denn im Theater gehe es um große Gefühle und es spiegele Lösungsansätze bei der Bewältigung des Lebens. 

Das „Theater auf Rezept“ ist das neuste Konzept der Stadt zur kulturellen Förderung bedürftiger Kinder und Jugendlicher.  „Jedes Kind geht zum Arzt“, erläutert Stadtdirektor Markus Schön den niedrigschwelligen Ansatz. Somit erreicht die Jugendhilfe mit diesem Konzept  auch alle Familien, die kulturellen Angeboten fremd gegenüberstehen.  

Dabei ist Kultur wichtig für das Wohlbefinden. Besonders Corona hat viele Kinder und Jugendliche vereinsamen lassen. „Wir wollen sie rausholen aus ihrer Isolation“, bekräftigt Krefelds Kulturbeauftragte Dr. Gabriele König. Was liegt da näher als ein Besuch zu zweit im Theater, wo viele neue Impulse auf den jungen Menschen einströmen?

Und die Theater sind durchaus auf junges Publikum eingestellt. „Unser Weihnachtsmärchen haben rund 16.000 junge Zuschauer gesehen“, gibt  Philipp Peters vom Stadttheater ein Beispiel. Auch die Kinder- und Krabbelkonzerte sind eigens für kleine Menschen konzipiert.

Das Kinder- und Jugendtheater Kresch in der Fabrik Heeder ist sogar ganz auf junge Leute eingestellt. „Wir greifen Themen auf, die für Kinder und Jugendliche relevant sind“, lockt Franz Mestre, künstlerischer Leiter des Kresch.

Das „Theater auf Rezept“ funktioniert denkbar einfach: Hat der Arzt im Patientengespräch  den Eindruck, ein Theaterbesuch würde seinem jungen Patienten gut tun, schreibt er ein vorgefertigtes Rezeptformular aus: ein Theaterbesuch für zwei Personen. Eltern oder Jugendliche suchen sich im Spielplan der Theater ein Stück oder Konzert aus und holen sich mit ihrem Rezept zwei Eintrittskarten.  Das Rezept dient als Bezahlung.

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„Wir haben das Konzept von der Stadt Senftenberg in Brandenburg übernommen“, erklärt Dr. Sabrina Lesch, Leiterin der Gemeinwesenstelle bei der Stadt. 6000 Euro stellt die Stadt vorerst zur Verfügung, um die Theaterkarten zu finanzieren.

Im April geht es in den Arztpraxen los. „Wir möchten möglichst viele Familien mit sozialen Herausforderungen in unsere Kulturangebote vermitteln“, hofft Stadtdirektor Schön auf einen möglichst breiten Erfolg.