1. Krefeld

Detektive der Vergangenheit

Besuch bei Archäologen : Detektive der Vergangenheit

Wer das archäologische Museum in Linn betritt, öffnet das Tor zur „Alten Welt“. Ergebnis der Arbeit bienenfleißiger Archäologen, denen nie die Arbeit ausgeht - und nie die Geduld.

Heute dürfen wir einen Blick hinter die Kulissen des archäologischen Museums an der Rheinbabenstraße werfen. Vorbei geht es an dem 16 Meter langen Lastkahn aus der Zeit Karls des Großen zu einer für die Öffentlichkeit verschlossenen Tür. Hier empfängt mit freundlichem Lächeln Stadtarchäologe Dr. Hans-Peter Schletter. Wir befinden uns in der Restauratur. Zwei Restauratorinnen bereiten teils am großen Waschbecken, teils unter dem Mikroskop die Fundstücke aus zwei Jahrtausenden sensibel auf. Auf dem Tisch liegt gerade das rostig verbogene Teilstück einer metallenen Regimentskasse aus dem 17. Jahrhundert. „Sie stammt aus der Schlacht von Hückelsmay“, verweist Dr. Schletter auf die Einstichlöcher an der Rückseite. Offenbar haben gierige Grenadiere versucht, die Kasse zu plündern. 

Die Arbeit geht den Restauratoren nicht aus. Bei der vor drei Jahren erfolgten, bisher größten Grabungsaktion auf dem ehemals römischen Terrain „Gelduba“ im heutigen Krefeld-Gellep stießen die Archäologen innerhalb eines Jahres auf mehr als 90.000 Einzelfundstücke. „Wir haben wahnsinnig viel Erde bewegt“, blickt Schletter auf das denkwürdige Jahr zurück, „die Funde werden uns extrem beschäfigen.“ Die Fachwelt ist heiß auf die Forschungsergebnisse.

Gerade erst hat Schletter in einer englischsprachigen Fachzeitschrift einen Aufsatz über eine bahnbrechende Erkenntnis hinsichtlich eines Helmfundes veröffentlicht. Der römische Militärhelm nämlich war merkwürdig deformiert. Schletter hält es für wahrscheinlich, dass die Nackenklappen des Helms mit Absicht verbogen wurden, um ihn unbrauchbar zu machen, da er wohl für eine Art Siegesmal genutzt und einer Gottheit geweiht wurde. Helmfunde aus römischer Zeit sind generell selten, ein solches Siegesmal noch seltener. „Metall war knapp und die Römer haben alles Metall recyclet“, erklärt Dr. Schletter.

Einer echten Fleißarbeit hat sich Doktorand Eric Sponville unterzogen. Der junge Wissenschaftler von der Universität Köln rekonstruiert seit Jahren den Häuser- und Straßenverlauf der Zivilsiedlung, die dem römischen Militärlager angegliedert war. Und zwar gleich in drei Siedlungsphasen. Sie reichen von 70 bis 230 nach Christus. Allein 60.000 Scherben hat Sponville dazu gesichtet und ausgewertet. Wie ein Detektiv bringt er die einzelnen Funde in einen Zusammenhang.

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 So fand er die Spitze eines Schwertes, die umgearbeitet worden war; offenbar für einen Soldaten von geringerer Körpergröße. Zusammen mit anderen Funden ergibt sich die Erkenntnis, dass die Siedlung über eine eigene Ausrüstungsproduktion verfügte. Aber auch den Betrieb von Töpfereien konnte Sponville nachweisen. Als Belege gelten nicht nur aufgefundene Öfen und Töpferscheiben, sondern auch ein ehemaliger Mühlstein, der zu einer Schwungscheibe umgearbeitet worden war. Darauf weisen eingefügte Löcher hin, in denen der Schwungstock angesetzt wurde.

Der „Stadtplan“ der Siedlung, den der junge Archäologe auf seinem Laptop erstellt hat, ist auch als farbige Zeichnung im Museum ausgestellt. Wie überhaupt die neusten Nachweise der Öffentlichkeit im Museum zugänglich gemacht werden.