1. Kolumne

Ach, übrigens...: Ist es wirklich zu viel verlangt?

Ach, übrigens... : Ist es wirklich zu viel verlangt?

Was für eine Woche... Seit Montag gilt in Krefeld eine nächtliche Ausgangssperre. Diese  sorgt in den Sozialen Netzwerken - man muss schon sagen erwartungsgemäß - für reichlich Diskussionsstoff. Mit Schimpf und Schande verurteilen einige Bürger, die sich ihrer Freiheit beraubt sehen, die  Maßnahme.

Begriffe wie „Gefängnis“ oder „verfassungswidrig“ kursieren. Andere wiederum verteidigen die Beschränkung und appellieren an die Solidarität In den meisten Fällen finden die Diskutanten  keinen gemeinsamen Nenner. Schlimmer noch: Oftmals ist der Meinungsaustausch von Polemik, Vorwürfen und Beschimpfungen geprägt. Auch wir Pressevertreter, die sachlich über das Geschehen berichten, geraten in den Fokus derjenigen, die mit den Regeln so überhaupt nichts anfangen können. Die Pandemie spaltet die Gesellschaft zunehmend. Manche Partei nutzt diese Lage zu Wahlkampfzwecken aus. Und einige prominente Schauspieler verirren sich in Kurzvideos, die den Rahmen der Satire sprengen. Das ist erschreckend, ekelhaft und beunruhigend.

Fakt ist: Die Ausgangssperre ist beschlossen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Gesetz bereits unterschrieben.

  • Seit 21 Uhr gelten in Krefeld Ausgangsbeschränkungen : Ab jetzt gilt die Ausgangssperre
  • Stadt Krefeld zieht die Notbremse : FDP-Kandidat hält Ausgangssperre für verfassungwidrig
  • Quarantänefälle in Abschlussklassen sorgen für angespannte Situation : Vier Klagen gegen Krefelder Ausgangssperre

Ach, übrigens: Nur die wenigsten, die sich an der Diskussion über die Ausgangssperre beteiligen, können wirklich beurteilen, ob und wie sich eine solche gravierende Maßnahme auf das Coronageschehen auswirken wird. Selbst die Politik und die Gerichte sind sich ja nicht einig. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, dass wir uns einmal alle gemeinsam an die Beschränkung halten, um möglicherweise weiteren Schaden abzuwenden? Bei allem Verdruss über die Entscheidungen die in Berlin, Düsseldorf oder auch Krefeld getroffen werden, muss dies doch gelingen. Schließlich wollen wir alle bald ein halbwegs normales Leben zurück.