1. Kempen

Kempener Martinszug 2020 fällt aus

Zum ersten Mal nach dem Krieg : Der Kempener Martinszug fällt aus

Der Kempener Martinszug gilt als der größte am Niederrhein und sogar NRW-weit. Aufgrund der Corona-Pandemie muss er in diesem Jahr ausfallen. Das gab der St.-Martin-Verein Kempen bekannt.

„Lange Zeit hatten wir als St.-Martin-Verein Kempen die Hoffnung, unser schönes Fest in weitgehend normaler Form durchführen zu können“, so Rainer Hamm vom Sankt-Martin-Verein Kempen. „Wir dachten zuerst, es sind ja noch ein paar Monate, und bis dahin wird sich die Lage ja wohl wieder normalisiert haben.“ Die Meldungen der letzten Tage über wieder steigende Infektionszahlen hätten die Hoffnung dann aber doch schwinden lassen.

Nun hat der St. Martinsverein beschlossen, dass beide Umzüge in diesem Jahr (Kleinkinderzug am 9. November und Schulkinderzug am 10. November) ausfallen werden

„Sie können sich vorstellen, dass uns diese Entscheidung sehr schwer gefallen ist. Sankt Martin ist in Kempen im November nicht wegzudenken“, sagt Rainer Hamm. Zuletzt sei der Martinszug im Krieg 1942 ausgefallen, also vor fast 80 Jahren. Aber schon 1943, also noch vor Kriegsende hätten die Kempener trotz der großen Not wieder einen Martinszug möglich gemacht: „Das wird uns in diesem Jahr in dieser schwierigen Zeit leider nicht gelingen.“

Die Kempener Kinder werden dennoch St. Martin feiern: Sie ziehen geschlossen im Klassenverband und in den Kindergartengruppen. Rainer Hamm: „Hier ist kein höheres Infektionsrisiko erkennbar als tagsüber in der Schule oder im Kindergarten.“

Was die großen Umzüge angeht, insbesondere den Schulkinderzug am Martinstag, könne man jedoch nicht steuern, wie viele Besucher nach Kempen kämen: „Eine notwendige Abstandsregelung ist insofern kaum kontrollierbar.“

Die Entscheidung wurde mit den Schulleitern und der Stadt Kempen abgestimmt. „Die Signale von Seiten der Ordnungsbehörden ließen auch nicht erwarten, dass überhaupt eine Durchführung der Züge möglich gewesen wäre“, berichtet Rainer Hamm. Eine Entscheidung von Seiten der Behörden habe man jedoch „im Hinblick auf die Verantwortung des Martinvereins für das Infektionsgeschehen während der Martinszüge“ nicht abwarten wollen.

Trotz der Absage soll das Martinsfest im Herbst in Kempen präsent sein. So soll es wie immer im Rathaus und in den Schaufenstern eine Fackelausstellung geben: „Die Schulen haben bereits ihre Unterstützung zugesagt und wollen fleißig Fackeln basteln, so dass wie gewohnt pro Klasse zwei aktuelle Fackeln im Rathaus ausgestellt werden können.“

Ob und wie der St Martinsverein Süßigkeiten an die Kinder ausgeben kann, soll noch geklärt werden. Sicher ist, dass Schulen und Kindergärten auch in diesem Jahr ihre Prämien erhalten sollen, die für soziale Zwecke verwendet werden: „Auch wenn keine Martinszüge stattfinden, soll der Martinsgedanke des Teilens gegenwärtig sein. Wir werden deshalb auch unsere jährliche Haussammlung durchführen, aber natürlich unter den erforderlichen Infektionsschutz-Bedingungen. Es ist also durchaus möglich, dass nicht in allen Kempener Haushalten gesammelt werden kann. Wir freuen uns aber, wenn in diesem Falle unsere treuen Spender einen Beitrag an den Verein kontaktlos überweisen.“