1. Die Stadt

Zeitzeuge: Aus der Frühzeit des Kresch-Theaters

Die Anfänge des Kresch : „Es war eine wilde Zeit“

Wo eigentlich liegen die Anfänge des Kresch-Theaters? Reinhard Lange war dabei und erinnert sich. Die stummen Zeugen der Frühzeit übergab er jetzt dem Krefelder Stadtarchiv.

„Es war eine wilde Zeit“, schwelgt Reinhard Lange in Erinnerungen. Damals, 1983, als das heutige Krefelder Jugendtheater Kresch seinen Anfang nahm. Geboren aus einer Initiative von theaterbegeisterten Lehrern und Schülern am Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium.

Reinhard Lange war Schüler der 10. Klasse, als ihn die Lehrerin Inge Brand auf dem Schulhof ansprach, ob er bei der technischen Ausstatung einer Schulbühne helfen wolle. Heute ist Reinhard Lange technischer Leiter, nicht nur des Kresch-Theaters, sondern aller Bühnenprogramme des Krefelder Kulturbüros. Nur wenige „Urgesteine“ kennen die Geschichte des Kresch so wie er aus eigener Anschauung.

Zwei Jahre nach dem Tod von Inge Brand, die sich als Initiatorin und erste Direktorin des Kresch einen bleibenden Namen gemacht hat, übergab Lange den ganzen Bestand an Plakaten, Programmheften, Audiokassetten, Briefwechseln und Pressespiegeln aus der Frühzeit an das Krefelder Stadtarchiv. 

„Hier kann das Material jeder nutzen“, freut sich Archivleiter Dr. Olaf Richter über den Zuwachs, „bald sogar online.“ Die bisher privat gelagerten Materialien aus der Frühzeit ergänzen wunderbar die städtischen Erinnerungsstücke aus der späteren Zeit des Kresch, seit das Theater 1991 in die Trägerschaft der Stadt überging. 

1983, 1985 und 1987 gelangen Inge Brand und ihren Schülern am MSM hervorragende Aufführungen von antiken Stücken. Der Eindruck war so stark, dass das Schultheater sogar zum Treffen der Bundesjugendtheater in Berlin eingeladen wurde. „Die Fahrt nach Berlin war eine Art Startschuss für das heutige Kresch“, erinnert sich Lange, „damals bekamen wir Lust auf mehr.“

Inge Brand, die gelernte Schauspielerin, wurde 1988 von der Schulbehörde für das Theaterprojekt stundenweise vom Unterricht freigestellt. Denn von jetzt ab sollten alle Krefelder Jugendlichen sämtlicher Schulen mitmachen dürfen. Schnell stellten sich die Erfolge ein. Sogar eine Fahrt in die englische Partnerstadt Leicester war möglich. „Wir führten Shakespeare in deutscher Sprache auf“, erinnert Lange, „und die Leute haben uns bejubelt.“

Anfang der 90er Jahre stellte Brand dann den Antrag, das Kinder- und Jugendtheater dauerhaft zu etablieren. Der Stadtrat gab grünes Licht und am 20. September 1991 präsentierte das neue städtische Kresch-Theater seine erste Premiere. Heute, 30 Jahre später, ist das Kresch aus der Krefelder Jugend- und Kulturszene nicht mehr wegzudenken. Es ist Vorbild für viele andere Städte, die ebenfalls begriffen haben, dass Jugendliche zu ihrer Entwicklung ein eigenes Theater brauchen.

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Der Name „Kresch“ übrigens wird immer an die zarten Anfänge erinnern. Denn Kresch ist die Abkürzung für „Krefelder Schultheater“.