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Stadttheater bringt Dostojewskis Roman "Schuld und Sühne" auf die Bühne: Wilde Gottsuche eines hochmütigen Mörders

Stadttheater bringt Dostojewskis Roman "Schuld und Sühne" auf die Bühne : Wilde Gottsuche eines hochmütigen Mörders

Im Schauspiel "Schuld und Sühne" wird ein Mörder von seinem Gewissen entlarvt. Am Samstag feierte die Krefelder Fassung im Stadttheater Premiere.


Das Risiko war hoch. Meist nämlich misslingt das Vorhaben, einen Roman auf die Bühne zu bringen. Ein Roman ist eben kein Theaterstück.


Bei der Krefelder Aufführung von Fjodor Dostojewskis Roman "Schuld und Sühne" aber ist die Sachlage eine grundlegend andere.


Zum einen erweist sich die Textbearbeitung von Andrzej Wajda mit ihren spritzigen Dialogen als erstaunlich bühnenreif. Zum anderen hat Regisseur Matthias Gehrt daraus ein prickelndes Psychospiel voller Spannung gemacht, das bis zum Schluss in Atem hält.


Dabei ist anders als im klassischen Krimi der Mörder von vornherein bekannt. Philipp Sommer als Täter Raskolnikow rennt gleich zu Beginn mit einem Beil in der Hand über die Bühne. Untersuchungsrichter Petrowitsch (Michael Ophelders) hat ihn längst im Visier, da der Student eine menschenverachtende Ideologie vertritt. Nur fehlen noch die Beweise. Im Folgenden entspinnt sich ein Katz- und-Maus-Spiel, an dessen Ende die Schuldgefühle den Mörder zur Offenbarung treiben.


Die Inszenierung ist übersichtlich auf die wesentlichen Schnittstellen der Handlung fokussiert. Requisiten sind rar. Ein Schreibpult deutet das Büro des Richters an, ein Sofa das Zimmer des Mörders. Jedes Teil hat Symbolwert: Die betont dunkle Bühne mit der schwarzen Wand (Gabriele Trinczek) spiegelt die Düsternis im Herzen des Mörders wider. Und dass der Bühnenraum immer enger wird, ist ebenfalls Symbol für die innere Bedrängnis des Täters.


Was diese Aufführung aber trägt, das ist die grandiose Schauspielkunst von Michael Ophelders und Philipp Sommer. Die Hauptdarsteller lassen in ihrer Verkörperung von Gefühl und Esprit ganz schnell vergessen, dass alles nur Theater ist. Vor allem ist die deutliche und modulierte Artikulation zu loben, die auch bei Nebendarsteller Jonathan Hutter angenehm ins Ohr fällt. Diese Aufführung ist ein Paradebeispiel für gepflegte Sprachkultur (von einigen Schreiereien am Ende abgesehen).


Umso bedauerlicher ist die fortgesetzte Obszönität der Sexszenen im Hintergrund, mit denen der Bühnenraum belebt werden soll. Nicht jugendfrei. Der Umstand, dass Raskolnikows Freundin Sonja (Anna Pircher) ihr Geld als Hure verdient, ist nicht gerade dezent dargestellt.


Dabei brilliert Anna Pircher ansonsten in ihrer Rolle als Gottsucherin und ihrer Funktion als externes Gewissen des Mörders; sowohl was ihre mimische Ausdruckskraft wie die Klarheit ihres Sprechens betrifft.


Die dritte Hauptfigur betont die philosophische Grundierung des Stücks: Gottes Weltordnung triumphiert über die perverse Ideologie vom "lebensunwerten" Leben. Ein Lehrstück besonders für das 20. Jahrhundert. Dargestellt in einer präzisen, ja mustergültigen Inszenierung. Der Applaus fiel lang und kräftig aus.

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Weitere Vorstellungen:
4.,22. Dezember; 8., 24. Februar; 25. März (18 Uhr); 18. April. Beginn jeweils 19.30 Uhr.
Karten an der Theaterkasse, Tel.: 02151 / 805 - 125.