Interview: Segelflieger trainieren Außenlandungen: Wenn's nicht anders geht, wird im Acker aufgesetzt

Interview: Segelflieger trainieren Außenlandungen : Wenn's nicht anders geht, wird im Acker aufgesetzt

Die Geschichte von der Landung eines Segelfliegers auf einer Traarer Weide hat im Internet für Diskussionen gesorgt. Der Extra-Tipp befragte dazu den Piloten und Rettungsassistenten Simon Laqueur.

Herr Laqueur — ein Segelflieger muss unfreiwillig auf einem Acker aufsetzen — ist das keine Notlandung?

Laqueur Nein, da gibt es einen markanten Unterschied. Man spricht nur dann von einer Notlandung, wenn zur Abwendung von Gefahr für Leib und Leben eine unmittelbare Landung zwingend erforderlich ist.

Als Abstufung gibt es noch die Sicherheitslandung. Eine Sicherheitslandung liegt vor, wenn sich der Pilot für eine Landung entscheidet, um eine drohende Notlage abzuwenden. Es besteht genügend Zeit entweder einen Flugplatz oder eine geeignete Fläche zur Landung zur suchen.

Beides bezeichnet man als Außenlandung, wenn die Landung nicht auf einem Flugplatz erfolgt. Wichtig ist jedoch, die Ursache hinter der Landung ist in den seltensten Fällen eine Notlage, somit ist die Landung eines Segelfliegers nicht zwingend eine Notlandung

Gegenüber der Polizei hieß es, "ein Luftloch" sei Ursache der Außenlandung gewesen. Was heißt das?

Laqueur Segelflugzeuge sind für ihr Fortkommen auf Aufwinde angewiesen. Diese entstehen grob unterteilt entweder durch Wärmeeinwirkung, bei der Luft von der Sonne erwärmt wird und aufsteigt, oder durch mechanische Einwirkung, bei dem Winde auf eine Hügel oder Gebirgskette treffen und an der Vorderseite nach oben gedrückt werden.

An den Rändern der Aufsteigenden Luft gibt es aber auch eine Abwärtsbewegung der Luft, die, je nach Wetter und Aufwindlage auch durchaus unerwartet stark auftreten kann. In der Segelfliegersprache nennt man dies "Saufen".

Kommen Außenlandungen häufiger vor? Wie werden Piloten auf solche Situationen vorbereitet?

Laqueur Dadurch, dass Segelflieger keinen eigenen Antrieb besitzen, ist die Außenlandung kein Ausnahmefall und nimmt einen großen Anteil der Ausbildung zum Segelflugpiloten ein. Zum einen lernen die Piloten die Anzahl und Lage geeigneter Außenlandeflächen in der Umgebung ihres Heimatplatzes in und auswendig.

Zum anderen werden die Außenlandungen mit einem Motorsegler trainiert. Hierbei wird der Motor gedrosselt und so immer wieder der Anflug auf diese Flächen geübt.

Ein Motorsegler hat ähnlich lange Tragflächen wie ein Segelflugzeug, kann also auch ohne Antrieb im Gleitflug fliegen, besitzt jedoch eben auch einen Antrieb, mit dem weitere Strecken zurückgelegt werden können. Natürlich bleibt ein gewisses Restrisiko auf Grund der potenziell schlecht einsehbaren Bodenbeschaffenheit und des Bewuchses, jedoch gibt es ein paar Faustregeln: "Braun vor Grün bzw Gelb" und "In den Furchen landen".

Alle Luftfahrzeughalter in Deutschland sind gegen Außenlandeschäden haftpflichtversichert, so dass die Polizei lediglich zur Feststellung des Halters vonnöten ist.

Ein Pilot der außen landet zahlt der abholenden Mannschaft übrigens einen Kasten Bier.

Die Fragen stellte Stadt Spiegel-Redaktionsleiter Jan Popp-Sewing

(jps)
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