Operationen am toten Knie: Uerdinger Ärzte lernen an Leichen

Operationen am toten Knie : Uerdinger Ärzte lernen an Leichen

An Leichenteilen das Operieren üben - klingt eigenartig, ist für die Mediziner aber enorm wichtig. Durch den Besuch der Firma Arthrex mit ihrem Übungs-LKW bekamen die Assistenzärzte des Malteser Krankenhauses in Uerdingen die Möglichkeit an Schultern, Knien und Füßen ihre arthroskopischen Fertigkeiten zu verbessern.

Der große schwarze Truck steht auf dem Hinterhof des Malteser Krankenhauses. Das unscheinbare Äußere täuscht über die Wichtigkeit für die Ärzte am Uerdinger Malteser Krankenhaus hinweg.

Denn im Innern des tonnenschweren Vehikels wird an zwei Arbeitsplätzen jeweils fleißig an einem Knie operiert. Doch nicht an lebenden Patienten - die Knie, Schultern und Füße stammen von amerikanischen Leichen. Die Firma Arthrex, von der das Krankenhaus auch Instrumente bezieht, bietet diese Übungen im „Mobile Lab“ kostenlos an. „Das ist eine absolute Ausnahme, dass dieser Truck hier ist. Umso größer ist die Freude, dass unsere Assistenzärzte nun diese Chance bekommen“, verdeutlicht Dr. Frank Bischof, Chefarzt der Orthopädie.

In den USA ist diese Art der Praxiserfahrung weit verbreitet, in Deutschland eher eine Seltenheit. Entsprechend gefragt ist der mobile OP, der sonst eher an Uni-Kliniken Station macht.

Viel realistischer

Über den fest installierten Knien von zwei verstorbenen Menschen hängen die Monitore, auf denen jeder Arbeitsschritt im Inneren des Körperteils verfolgt werden kann. Mit dem Arthroskop (ein Endoskop speziell für Gelenkspiegelungen) bahnen sich die Mediziner ihren Weg, jede Bewegung, jeder Arbeitsschritt kann auf den Bildschirmen live verfolgt werden.

Eine Ausnahmesituation. Das ist auch den Assistenzärzten bewusst, deren Laune entsprechend gut ist ob dieser Gelegenheit. Vorderes Kreuzband, hinteres Kreuzband, Meniskus - alle Arten von knierelevanten Operationen werden durchgeführt. „Im ersten Moment macht man sich Gedanken, weil es sich um eine Leiche handelt. Aber das ist schnell vergessen. Die ganze Anatomie ist besser zu erkennen, es ist einfach realistischer als an einem Kunstknie“, erzählt Assistenzärztin Maria Christo.

Nicht nur von den realitätsnahen Bedingungen, auch vom fehlenden Zeitdruck einer „echten“ Operation am lebenden Patienten profitieren sie und ihre Kollegen.Einen ganzen Tag lang können sich die Mediziner an Knien, Schultern, Füßen probieren, dann zieht der Truck weiter. „Zudem können wir auch problemlos neue Verfahren und Instrumente ausprobieren“, sagt Oberarzt Gökhan Dogan.

So bleiben die Ärzte und damit das Krankenhaus auf dem neuesten Stand der Technik