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Verein: Traumfänger vor dem Tod

Verein : Traumfänger vor dem Tod

Der bevorstehende Tod wird oft als Tabu behandelt. Ein Krefelder Verein jedoch verhilft Sterbenden zu einem teilnehmenden Lichtblick.

Krefeld. „Wunschlos glücklich - so sollte jeder sterben dürfen”, wünscht sich Kevin Pirsig. Der junge Hülser hatte erleben müssen, wie seine Cousine an einer tödlichen Krankheit verstarb - mit nur 33 Jahren. „Als ich sie nach einem Wunsch fragte, den wir ihr noch erfüllen könnten, sagte sie, sie sei wunschlos glücklich.”

Das hat den heute 35-Jährigen so beeindruckt, dass er im vorigen Jahr einen ungewöhnlichen Verein gründete: die Aktion Traumfänger e.V. „Wir unterstützen sterbende und schwer kranke Kinder und junge Erwachsene, die einen Traum haben oder Hilfe brauchen”, erklärt der Hülser.

Dazu sammeln die inzwischen 17 Mitglieder fleißig Spenden. So konnten sie jetzt den Eltern der kleinen Lotta aus Münster zu einem passenden Auto verhelfen.

Das Kleinkind leidet an Ponto-cerebellärer Hypoplasie Typ 2 (kurz: PCH 2). Kinder mit dieser seltenen Erbkrankheit sind schwer krank und erreichen das Erwachsenenalter meist nicht.

Da das alte Auto der Familie nicht ausreichend Platz für Pfleger, Beatmungsgerät und den speziellen Kinderwagen bot, musste dringend ein neues Fahrzeug her. Ein Großteil der rund 40.000 Euro Anschaffungskosten war schon zusammengekommen, doch blieb noch eine Lücke von 6000 Euro. Diese schloss nun der Krefelder Verein. „Die Eltern zeigten sich überglücklich“, berichtet Pirsig gerührt.

Auch die Eltern des kleinen Sam aus Köln wandten sich an den Krefelder Verein. Ihr Sohn leidet an Epilepsie, doch war die Ursache nur über einen Gentest zu ermitteln, den aber die Kasse nicht zahlte. „Mit unseren Spendengeldern konnten wir den Test ermöglichen“, freut sich Pirsig.

Rund 15.000 Euro hat der Verein bisher eingeworben. „Wir schreiben Firmen an und organisieren im Internet Sammlungen für konkrete Projekte”, erläutert der Vorsitzende die Vorgehensweise. Sie zeigt Erfolg. Ein Musiker in Norddeutschland überweist einen festen Teil der Einnahmen aus seinen Auftritten. Eine Kölner PR-Firma entwarf kostenlos das Vereinslogo und bringt nun für kleines Geld die Homepage auf einen professionellen Stand.

„Wir engagieren uns für Menschen in ganz Deutschland”, unterstreicht Pirsig, wenn auch der Vereinssitz in Krefeld bleibt. Neue Mitglieder und Spender sind stets willkommen. Kontakt aufnehmen kann man einfach über die Homepage.

Das nächste Projekt ist schon in Planung: „Es handelt sich um eine Kreuzfahrt auf der Ostsee, mit dem Patienten und seinen Betreuern.” www.aktion-traumfaenger.de