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Spargelbauern: Erntehelfer sehnlichst erwartet

Spargelbauern : Erntehelfer sehnlichst erwartet

Spargel, Erdbeeren, Kartoffeln: Was im Frühjahr und Frühsommer am Niederrhein auf dem Teller landet und köstlich mundet, ist in der Regel mit Hilfe osteuropäischer Saisonarbeiter geerntet worden. Nachdem die Bundesregierung zunächst einen Einreisestopp für Saisonarbeiter aus osteuropäischen Staaten verhängt hatte, herrschte bei vielen Landwirten am Niederrhein der Ausnahmezustand. Nun erfolgte die Kehrtwende.

Unter strengen Auflagen (u.a. Einreise nur in Gruppen und mit dem Flugzeug; Beschäftigung in den ersten 14 Tagen getrennt von den anderen Mitarbeitern) dürfen pro Monat 40.000 Erntehelfer einreisen. Diese Zahl gilt jedoch für ganz Deutschland, und es ist unklar, welcher Anteil auf den Niederrhein entfällt. Ein weiterer Lichtblick: Immer mehr Freiwillige melden sich als Erntehelfer.

Bis jetzt waren die Landwirte in der Region hauptsächlich mit dem Auslegen von Folie und der Kartoffelaussaat beschäftigt, die Spargelernte hat gerade erst begonnen. Doch von Mitte April bis Ende Juni ist Hochsaison auf den Feldern. „Wir alle wurden von dem vorläufigen Einreisestopp kalt erwischt“, sagt Christian Meyer aus dem Vorstand der Kreisbauernschaft Krefeld-Kreis Viersen. Er selbst habe als Inhaber eines Spargelhofs in Willich-Schiefbahn noch Glück im Unglück: Einige wenige seiner Stamm-Mitarbeiter waren bereits eingereist, als die Grenzen dichtgemacht wurden, sie helfen jetzt dabei, zwanzig weitere benötigte Kräfte nach und nach neu anzulernen.

Die hatten sich auf einen Facebook-Aufruf hin gemeldet. Christian Meyer: „Die Resonanz war gigantisch, wir waren sehr überrascht. Es ist alles dabei, vom Studenten über die Kellnerin bis zum Rentner.“ Auch die Motivation, zu helfen, sei bei den Menschen sehr unterschiedlich: Während Fridays-for-Future-Aktivisten aus Idealismus die heimische Landwirtschaft unterstützen möchten, sind Arbeitskräfte aus dem Gastronomiebereich darauf angewiesen, ihr Kurzarbeitergeld aufzustocken. Möglich macht das eine Gesetzesanpassung, die vorerst bis Ende Oktober gilt: Das Einkommen aus einer Nebenbeschäftigung wird vorübergehend nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet, und zwar bis zur Höhe des Nettolohns aus dem eigentlichen Beschäftigungsverhältnis.

Obwohl die einheimischen Helfer hochwillkommen sind, gibt es auch Probleme: „Viele haben nicht damit gerechnet, dass die Arbeit so aufwendig und so hart ist, und verabschieden sich schon nach einem Tag wieder.“ Schließlich müssen auf dem Spargelfeld 10-Kilo-Kisten gestemmt und schwere Folien verlegt werden. Morgens um sieben geht es los, bei jedem Wetter, auch bei Minusgraden wie Anfang dieser Woche - „da muss man schon robust sein und einiges aushalten können“.

 Dazu kommen erschwerte Bedingungen durch die allgemeinen Schutzregeln. Christian Meyer: „Beim Spargelstechen und allen anderen Arbeiten muss selbstverständlich der vorgeschriebene Abstand gehalten werden. Die Kleinbusse, die zu den Feldern rausfahren, werden nur noch mit ein paar Leuten besetzt, und es gibt in den Fahrzeugen die Möglichkeit zur Händedesinfektion. Und in unserem Hofladen haben wir eine transparente Schutzwand aus Folie errichtet, damit Kunden und Mitarbeiter geschützt sind.“

 Für die ausländischen Erntehelfer, die jetzt doch nicht einreisen dürfen, ist die Situation schwierig, denn sie sind auf das Geld aus der Saisonarbeit angewiesen. Teils kommen polnische und rumänische Saisonkräfte schon seit vielen Jahrzehnten an den Niederrhein, sie gehören in den Betrieben zur Stammbelegschaft, es sind Freundschaften und teils auch beinahe familiäre Strukturen gewachsen. Auch Christian Meyer berichtet, dass er fast täglich mit seinen rumänischen Mitarbeitern telefoniert: „Sie sitzen auf glühenden Kohlen und warten auf die Möglichkeit, endlich loszufahren. Von dem Gehalt leben teils mehrere Familien, das ist ihr Jahreseinkommen.“ Die (hoffentlich) erlösende Nachricht kam dann ja am Donnerstagabend…

Unter www.daslandhilft.de kann man sich über rechtliche Fragen informieren und als Erntehelfer registrieren lassen bzw. nach Saisonkräften suchen. Betreiber der Plattform ist u.a. das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Der Deutsche Bauernverband unterstützt die Plattform www.saisonarbeit-in-deutschland.de