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Flüchtlinge als Straßenbahnfahrer: So geht (fährt) Integration

Flüchtlinge als Straßenbahnfahrer : So geht (fährt) Integration

Drei Syrer und ein Iraker konnten vor den Kriegswirren und dem Chaos in ihren Herkunftsländern flüchten. In Krefeld haben sie eine neue Heimat gefunden - auch weil sie nun eine echte Job-Perspektive haben.

Sie haben die Ausbildung zum Straßenbahnfahrer bei den Stadtwerken Krefeld erfolgreich absolviert

Mohammed El Fares hatte nie was mit Straßenbahnen am Hut, als er noch in Damaskus lebte. Dort ging er den Studien der Betriebswirtschaft nach, als der Krieg in Syrien begann. Er sollte für das Assad-Regime als Soldat kämpfen, hatte Todesangst. Was folgten waren Flucht, enorme Strapazen und Perspektivlosigkeit.

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Nun steht er im prägnanten SWK-Rot gekleidet auf dem Betriebshof der Stadtwerke Krefeld und hat ein Lächeln im Gesicht. Denn am Niederrhein hat er wieder eine Perspektive gefunden, ebenso wie seine Landsleute Abdulrahman Saadieh, Ammar Abbara und der Iraker Dheyaa Kashif. Sie alle sind anerkannte Flüchtlinge mit einer Aufenthaltsdauer von drei Jahren (mit guter Chance auf Verlängerung) und arbeiten nun als Straßenbahnfahrer für die Stadtwerke Krefeld.

"Wir sind stolz auf Sie, Sie sind die gelebte Integration und ein positives Beispiel für die gute Arbeit, die an vielen Stellen in Deutschland geleistet wird!". Große Worte von Carsten Liedtke, Sprecher des Vorstands der Stadtwerke Krefeld, an das Quartett. Sie drücken die Freude über einen Erfolg aus, der 2016 aus einer spontanen Idee von Liedtke selbst und Dr. Inge Röhnelt, Direktorin der VHS, entstanden ist.

"Wir haben uns überlegt, wie wir gemeinsam erfolgreich zur Integration beitragen können", erklärt Röhnelt. Gesagt, getan - in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, das die Ausbildung des Quartetts finanziert hat. Die ließ sich — auch wegen bürokratischer Hürden — schwieriger an als erwartet.

"Doch die Zusammenarbeit hat reibungslos funktioniert. Allerdings hat die Ausbildung mit sieben Monaten gut doppelt solange gedauert, als normal", erklärt Stefan Fuchs, Leiter des Verkehrsbetriebs.

Flüchtlinge als Straßenbahnfahrer: So geht (fährt) Integration
Foto: Samla

Das habe aber keinesfalls an der fehlenden Motivation oder Arbeitseinstellung, sondern an den Sprachkenntnissen gelegen. Kurse in der VHS schafften Abhilfe. "Das war nicht einfach. Aber unsere Lehrer von der VHS und andere Mitarbeiter der SWK haben sich sehr viel Zeit mit uns genommen und uns geholfen", berichtet El Fares dankbar. Noch heute kämpft er mit den Tücken der Grammatik und den berufsbezogenen Vokabeln. "Aber es wird von Tag zu Tag besser."

Ob sich aus dieser Idee ein Projekt für die Zukunft entwickelt, wird nun die Zeit zeigen. "Wir müssen nun schauen, wie es für die vier weitergeht und wie sie sich im Arbeitsalltag schlagen. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir dieses Projekt fortführen werden", so Liedtke. Schließlich sei es immer schwerer Deutsche für den Job als Bus- und Bahnfahrer zu begeistern.

"Dieses Beispiel zeigt, dass es uns gemeinsam gelingen kann, motivierte Geflüchtete erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Für Unternehmen birgt diese Bewerbergruppe ein großes Nachwuchspotenzial", ist sich Martin Roos, Bereichsleiter des Jobcenters Krefeld, deshalb sicher.